Wisst ihr, wenn man während des Hinwegs nach Nauen der Einzige auf seiner Fahrbahn ist, kommen einem doch Bedenken. Aber ich schob es beiseite und gönnte mir Seitenblicke in Richtung Landschaft, die der Frühling langsam aufweckt. Im Gegensatz zum letzten Monat, in dem ich mich durch Nebelbänke tastete und Felder voller Eis und Raureif fuhr, sind grüne, sprießende Wiesen eine willkommene Ablenkung. Selbst wenn auf der entgegenkommenden Fahrbahn der B237 regelrechter Betrieb herrschte. Ich hätte es als Hinweis nehmen sollen. Es wurde ein Chaos – Tag.

Nauen war die reinste Dauerbaustelle. Überall wurde die Straße saniert, standen Bagger und Kräne – ich fuhr durch eine endlose Dreißiger- und Halteverbotszone. Frustriert hat mich dennoch etwas anderes: Es gab keine Parkplätze! Ich bin eine gute halbe Stunde im Kreis geeiert, um ein freies Plätzchen zu finden. Habt ihr schon mal versucht, in einer fremden Stadt Parkmöglichkeiten zu finden? Gut für die Nerven ist es jedenfalls nicht. Denn meine viel zu frühe Ankunft (45 Minuten Zeit bis zum Beginn) entwickelte sich mehr und mehr zu einem Schaffe ich es noch rechtzeitig? – Ja, irgendwie hat es noch funktioniert.

Die Nauener Bibliothek teilt sich ein Gebäude mit dem ansässigen Jugendclub. Jenes „Haus der Begegnung“ liegt direkt neben dem Rathaus. Als ich eintraf war die Kinder- und Jugendbuchecke bereits für die ca. 50 Kinder vorbereitet und Frau Hein – die Bibliothekarin – und ich warteten gespannt auf ihre Ankunft. Auch Frau Steinke aus der Theodor-Körner-Buchhandlung war bereits vor Ort. Sie übernahm für den Tag den Bücherverkauf.

Und dann schlug das Chaos vollends zu: Man erklärte mir, die Grundschule schicke zwei zweite Klassen vorbei!

Ähm … ja. Timmy ist für die vierte bis sechste Klasse gedacht und dementsprechend habe ich auch die Lesungen vorbereitet. Ganz zu schweigen, dass Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit in diesem Alter anders beschaffen sind. Meine Zuhörer stellten sich dann als zwei dritte Klassen heraus, was zwar immer noch sehr jung war, aber machbar. Normalerweise habe ich das Gefühl, viel zu langsam zu lesen, dennoch nahm ich mir vor, mein Tempo weiter zu verringern. Dazu musste ich die neue Szene streichen, die ich zum ersten Mal für eine längere Lesung präsentieren wollte.

In dieser Altersstufe haben die Kinder auf jeden Fall anders reagiert. Diejenigen, die gebannt zuhörten, waren irgendwie noch faszinierter. Das ist schwer zu erklären, dazu hätte man den kleinen Knirps im Wilde-Kerle-Pulli sehen müssen. 😉 Außerdem haben sie an neuen Stellen gelacht, was mich ein wenig aus dem Konzept brachte. Wenn man selbst den Witz zwar geschrieben hat, aber Lesung für Lesung nur Schmunzler sieht, irritiert plötzliches Lachen doch! Im positiven Sinne. 😉

Dafür stürmen DrittkläFrau Hein in ihrer Krimi-Eckessler genauso schnell los wie alle anderen Schülern, wenn man ihnen erklärt, man hat Lesezeichen und Sticker für sie mitgebracht.

Unter den Berufswünschen tummelten sich erneut die Tierpfleger- und Ärzte, Sprengmeister und LKW-Fahrer. Aber auch Moderatorin, Blumenhändlerin, Baumschulenbesitzer, Präsident und Stuntman. Ziemlich viele Kinder wollen diesen Beruf ergreifen. Ich frage mich wieso? Was ist so toll daran, sich für Schauspieler in Gefahr zu bringen?

Bei der Fragerunde konzentrierte es sich in Nauen darum, wie ein Buch entsteht. Wie wird es gedruckt, wie lange dauert so etwas. Und dann kam die Frage, die doch bewies, dass Drittklässler ein wenig zu jung sind.: „Warum hat Timmy sich älter gemacht?“
Na, weil er in diesem Alter – zwölf Jahre – nicht mehr wie ein Kind angesehen werden möchte. Schwelle zum Erwachsen werden, Eigenverantwortlichkeit … Doch wie sollte ich es einer Neunjährigen erklären? Ich habe ja schließlich auch keine Ahnung, wie es sich anfühlt, seine Midlifecrisis zu erleben. Verzweiflung ist das falsche Wort, aber irgendwie habe ich nach der richtigen Erklärung gesucht …

Leider durfte ich von den Kindern aus rechtlichen Gründen keine Fotos machen. Nach der Lesung bin ich dafür noch in Nauen spazieren gegangen und habe ein paar Fotos geschossen. Die Nauener Altstadt ist definitiv einen Besuch wert. Vom Zweiten Weltkrieg so gut wie verschont stehen heute noch viele alte Gebäude und auch die historische Ringbebauung des Stadtkerns ist erhalten geblieben. Unter anderem auch das gotische Rathausgebäude, das noch im 19. Jahrhundert erbaut wurde.

Ein weiterer Anreiz für Berliner: Kurz vor Nauen liegt das große „Outlet Center“ direkt an der B5. 🙂

 

Ach du Schreck! – Meine Lesung in der Bibliothek Nauen

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