Bevor ich diesen Bericht beginne, möchte ich meinem Mann Dominic  – freundlichst – dafür danken, dass er mir vor meiner vorletzten Fahrt nach Brandenburg  im Schuljahr 10/11 erklärt hat, dass ich unsere Autoantenne herausziehen muss! Denn nur so hat man auch über die Berliner Grenzen hinaus Radioempfang.  Danke noch mal …

Nennt mich Schussel oder Technophob, kenn ich alles schon. 😉

Da dies ja geklärt ist, kann ich zum eigentlichen Thema übergehen. Am 30. Mai hatte mich die Grundschule am Ziegeleipark in Mildenberg eingeladen, um eine Jurorin für ihren Vorlesewettbewerb zu sein. Mildenberg liegt mittig zwischen Gransee und Zehdenick und ist … naja überschaubar. Während ich noch der Stimme meines Navis folgte, dass mein Ziel irgendwo auf der rechten Straßenseite liegen sollte, hatte ich Mildenberg auch schon wieder verlassen. Dafür kann ich bald meinen eigenen Allmanach herausgeben. Denn nach Löwenzahn und Schafgarbe kann ich stolz berichten, dass der Klatschmohn gerade in Brandenburg in voller Blüte steht. Dazu ist der Roggen (bitte lass es Roggen gewesen sein) in die Höhe geschossen. Aber genug von diesen landwirtschaftlichen Ausschmückungen, ich verfalle sonst nur wieder in Landeifieber und denke an mein altes Zuhause.

Der Vorlesewettbewerb wurde von der ersten bis zur fünften Klasse ausgerichtet, um jeweils den Stufenbesten und natürlich den Besten der Schule zu ermitteln. Ich hatte ein bisschen Panik, da in meiner eigenen Schule die Jury einen seitenlangen Kriterienbogen ausfüllte und ihre Entscheidung auch noch begründen musste. In Mildenberg verlief es deutlich einfacher mit einer Punktevergabe von eins bis drei. Ich entschied mich auf den Lesefluss zu achten bzw. auf die Betonung. Wobei Letzteres eher auf die älteren Stufen zutraf.  Mit mir beurteilten noch die Lehrerin, die den Wettbewerb ausrichtete, die Bibliothekarinnen, zwei Sechstklässler und eine ehemalige Grundschülerin die Wettbewerber. Dementsprechend neugierig waren die Schüler und wollten mir von ihren Büchern erzählen. Ein paar baten sogar, als Erinnerung eine Widmung in ihre Bücher zu schreiben! Was für mich wirklich eine Überraschung darstellte.

Logischerweise begannen die Flexklassen zuerst und so steigerten sich auch die Textlängen und die Schwierigkeit. Der Tag begann mit einem Tinkerbell – Bilderbuch, erstreckte sich über eine Cowboygeschichte und Greg’s Tagebuch, bis hin zu einem Jugendbuch von Andreas Steinhöfel. Beeindruckt war ich jedoch von einem Viertklässler, der aus einem Sachbuch über Ritter las. Er war nicht der Flüssigste in seiner Klassenstufe, aber all die anspruchsvollen Begriffe wie Burgfried, Schlafgemach oder Distanzwaffen (warum es heute keine Ritter mehr gibt), las er fehlerfrei und ohne Stocken. Süß war wiederum der Junge, der versuchte einen Drachen mit ‚Sch‘-Schwäche zu imitieren. 🙂

Sooft wie ich den Reportern der MAZ und der Gransee Zeitung über den Weg gelaufen bin, hat es mich eigentlich gewundert, warum der Journalist, der über den Wettbewerb berichtete, mich nicht gleich mit „Hallo Frau Franke“ ansprach. 😉 Dafür habe ich gemerkt, ich bin lokalteilsüchtig. Kaum hatte ich den Herren entdeckt, marschierte ich trotz der noch andauernden Großen Pause auf ihn zu und verwickelte IHN in ein Gespräch. Nicht anders herum; so wie es eigentlich sein sollte. Wie immer stelle ich den Artikel online, wenn ich eine Ausgabe erwischt habe.

Da die Teilnehmer sich wünschten, die Ergebnisse noch am gleichen Tag zu erhalten, sprang ich zu Überbrückung ein. Während also die Punkte ausgezählt und die Urkunden gedruckt worden sind, kam ich der Bitte nach, aus Timmy vorzulesen. Bei einem derart gemischten Publikum gewiss eine Herausforderung, aber die weiten, wie O’s geformte Münder sind immer noch der beste Beweis, dass es den Zuhörern Spaß macht. Danach konnte ich mich nur an die Improvisation klammern und war ein bisschen froh, als ein Junge fragte, ob man auch Autogramme bekommen könnte und plötzlich alle mir etwas vor die Nase hielten.

Die Urkunden- und Preisvergabe fand direkt im Anschluss auf der großen Treppe vor der Schule statt und ich durfte sozusagen „Buchstabenfee“ spielen. Austeilen, Hände schütteln, Fotos machen. Es hat Spaß gemacht, ich kam gar nicht schnell genug von links nach rechts. Aber viel erstaunlicher ist die Selbstsicherheit, die ich bei solchen Aktionen an den Tag lege. Ja ich weiß, ich schweife ab, aber wenn ich zurückdenke, wie laut mein Herz im Januar noch pochte, und ich mittlerweile die Aufregung ganz leicht herunter schlucke … Einfach erstaunlich, wie schnell Menschen sich verändern und anpassen können. Natürlich im positivem Sinne. 😉

Nach den wirklich guten Auftritten der Schüler war ich ein bisschen nervös wegen meiner eigenen Lesung. Schließlich musste ich mich kleinen Kennern stellen, und dies auch noch in einem seltsam hallenden Musikraum. Irgendwie habe ich die Akustik erst nach fünf, sechs Seiten herausgehabt. Dafür haben wir mal wieder hoffnungslos überzogen, da ich mich über jeden Berufswunsch und jede Frage freue und versuche, so gut wie möglich zu antworten. Ich hoffe, der Lehrer, der sich über seine leere Klasse wunderte, verzeiht mir!

Zumindest bin ich froh, dass bald Sommerferien sind. Denn als ich für die Rückfahrt in mein Auto stieg, erwartete mich ein Backofen. Ach quatsch, es war so heiß wie im Inneren eines Vulkans! Ich staune immer noch, wie ich diesen Bericht hier tippen konnte, ich muss noch nicht ganz gar sein.

STAY TUNED! 😉

 

Weltpremiere! Mein Debüt als Jurorin! 🙂

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