Seit einem guten Jahr habe ich immer wieder Texte von anderen Autoren gegengelesen, probegelesen und auch lektoriert. Angefangen hat es mit Bookrix und Neobooks, mittlerweile arbeite ich als freie Lektorin.

Im vergangenen Jahr habe ich viele Seite gelesen und oft den Kopf geschüttelt, weil ich immer wieder auf die gleichen Fehler gestoßen bin. Wenn ich mir vorstelle, dass Lektoren bei großen Verlagen aber deutlich mehr lesen als ich? (Manches Einganglektorat muss 100 Manuskripte die Woche bewerten.)

Aber hier mal die Top 3, die bei mir bald für graue Haare sorgen:

  1. Mysterium Absatz
    Wenn ich einen Text sehe, der wie ein kompakter Block wirkt – Dialogen zum trotz (!) , dann zweifle ich manchmal an den Verfassern. Ich mein, wenn man ein x-beliebiges Buch aufschlägt, dann sieht man doch die Struktur eines Manuskriptes? Und nein, es nicht die Arbeit eines Verlages, die Absätze zu setzen. Auch wenn das eine gern gegebene Antwort ist.
  2. Hingabe zum Komma, Scheu vor Punkten
    Manchmal, okay, sehr oft, würde ich Autoren einen Satz an den Kopf werfen: Les‘ deinen Text laut! Spätestens, wenn einem beim sieben Zeilen langen Satz die Luft ausgeht, oder der Kopf nicht mehr weiß, was er am Anfang gelesen hat – dann läuft was falsch. Es gibt dieses wunderbare Satzzeichen namens Punkt, vor dem man überhaupt keine Angst haben muss. Im Gegenteil. Es. Vereinfacht. Sogar. Den. Text. Wer hätte das gedacht?
  3. Verbfaulheit
    Mittlerweile mag ich den Begriff, den Papyrus Autor geprägt hat. Aber es ist auch echt schlimm, wenn man eine Seite lang nur hatte, hatte, hatte als Verb zu sehen bekommt. Gefolgt von zwei Seiten waren, waren, waren. Wenn ich mir überlege, wie seitenstark mein Duden ist … Es gibt Unmengen von Verben in der deutschen Sprache, die deutlich aussagekräftiger sind als ‚hatte‘ und ‚waren‘. Warum werden diese Verben nur so grausam vernachlässigt?

Ich weiß jetzt, warum Lektoren so mürrisch sind. Ich steiger mich total in die Texte rein, schüttel den Kopf, rauf mir die Haare oder lass die Seiten aus Frust mal 24 Stunden liegen. Aber wenn ich mir vorstelle, dies über zehn Jahre oder noch länger zu machen, und immer noch die gleichen Fehler vor die Nase gesetzt bekomme … Da hätte ich auch schlechte Laune.

Auf die Gefahr hin, dass viele Autorenkollegen jetzt ungläubig starren: Ich verzichte auf ausführliche Absagen und freue mich über Standardabsagen. Wer weiß, was für ein Wutschreiben da einem sonst auf dem Tisch flattert?

Und damit ihr mich nicht völlig verurteilt, hier noch etwas zum Lachen. Gefunden bei ~weird-science : „shakespeare vs the editor“ Enjoy!

(c) weird-science, DA
Ich weiß jetzt, warum Lektoren immer so schlecht gelaunt sind

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