November 27 2011

Was ist denn das erste und echte Buch? – Meine Lesung in der Grundschule am Brandenburger Tor

Am 14. und 18. November nahm ich am deutschlandweiten Vorlesetag teil. Da die Grundschule am Brandenburger Tor mich jedoch einlud, in allen vier vierten Klassen zu lesen, besuchte ich die Schule an zwei Tagen.

Das besondere dieser Schule ist die Tatsache, dass sie eine Europaschule ist und spezielle DaZ – Klassen (Deutsch als Zweitsprache) besitzt., besonders für russisch und türkisch sprechende Kinder. So hielten sich oft zwei Aufsichtspersonen bei den Lesungen auf; einmal der Lehrer und einmal der Betreuer, der hin und wieder auch nur Russisch sprach. Ein bisschen befremdend, aber ich gewöhnte mich schnell daran.
Die zweite Besonderheit ist die Lage der Schule. Steht man vorm Gebäude kann man praktisch zur Friedrichstraße laufen und sieht am Horizont schon das DB-Gebäude am Potsdamer Platz aufragen. Ich hatte am Freitag, meinem zweiten Tag ein bisschen Panik vor den Menschenmassen, da die Twilight 4.1 Premiere in Laufnähe stattfand. Aber ich bin glücklicherweise in keine Menschenmassen geraten. 🙂 Dazu bin ich noch nie in einer Schule gewesen, die über fünf Etagen und höher gebaut wurde. Meinen Bücherkoffer all die Treppen hochzutragen, war auf jeden Fall eine sportliche Leistung.

Die Berufswünsche der Kinder:

  1. Ärzte, aus allen Fachbereichen
  2. Manager eines Eishockey – Vereins
  3. Süßigkeitentester oder Architekt, aber am liebsten ein Architekt, der Häuser aus Süßigkeiten baut
  4. Balletttänzerin
  5. Künstlerin
  6. Bombentaucher
  7. Schiffskapitän
  8. Astronaut oder Priester (der Junge konnte sich nicht entscheiden)

Eine Klasse hat das „Ihr dürft alles sein, was ihr wollt“ ein bisschen zu wörtlich genommen. Die Jungs und Mädels begannen plötzlich mit Berufswünschen, wie Vögel, Schmetterlinge oder Regenwolken. Ein Mädchen wäre sogar eine Gestaltwandlerin gewesen. Dann hätte sie sich in ein Haus verwandelt und den Bettlern in Onnipolis Unterschlupf gewährt.

Aber an sich verknüpfe ich die zwei Tage in der Grundschule am Brandenburger Tor mit angenehmen Erinnerungen. Ein Junge z.B. wollte mir erklären, dass er sich unter dem Begriff „Krämerladen“ ein Geschäft vorstellt, dass nur Cremes und Salben verkauft (man bedenke die ähnlichen Laute). Ich habe zum ersten Mal einen Beyblade (diese Kampfkreisel aus dem gleichnamigen Anime) signiert, da der Besitzer fest davon überzeugt war, dass dies ihm Glück bringt. Genauso musste ich versuchen einen Jungen zu erklären, dass die mitgebrachten Bücher keine Kopien sind. Aber er bestand auf seiner Frage, was denn das echte und erste Buch sei? Alle anderen seien ja nur „nachgemacht“. 😉

Und ich wurde erneut Opfer des Phänomens Gruppenknuddeln. Und zwar wollten so viele Mädchen ein Stück von mir abhaben, ich hab unter dem Drücken und Schieben glatt das Gleichgewicht verloren und schwankte gegen den Schrank in meinem Rücken. Schließlich haben wir einfach zwei Runden hintereinander  vereinbart, damit mich auch alle Kinder verabschieden konnten. Schade eigentlich, dass es davon kein Foto gibt … Ich verschwunden hinter einem Berg voller Kindern … 🙂

Dazu war ich sehr überrascht, dass eine Klasse ein Art Frage-Antwort-Spiel als Aufgabe bekam. Während der Lesung sollte sich jedes Kind eine Frage zum Text ausdenken, auf die es auch die Antwort weiß. Zum Schluss wurden diese Fragen gestellt, Jungen und Mädchen immer im Wechsel. Was die Klasse alles an Details aufgeschnappt hat, überraschte mich selbst. Bei einer Frage musste ich sogar über die Antwort nachdenken, obwohl ich ja den Text mittlerweile kennen sollte.

Wie ihr lesen könnt, mein Besuch stellte sich als abwechslungsreich heraus und ich bin um einige Erfahrungen reicher.




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Veröffentlicht27. November 2011 von Cornelia Franke in Kategorie "Lesungen

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