Mein Manuskript „D.A.S.H.“ ist schon eine Geschichte für sich. Begonnen habe ich mit der Idee im Jahr 2010, während einer Schreibkrise. Es ging um einen an sich selbst und dem Schicksal zweifelnden Charakter, auf der Suche und der Wiederentdeckung des Lebens. Auch mich plagten damals fast schon depressive Gedanken, wenn auch aus banalen Gründen. Wer bin ich? Wo stehe ich in meinem Leben? Werde ich das Ziel erreichen, das ich mir gesteckt habe? Obwohl nur ein Niederschlag den nächsten jagt? Düstere Wochen, so sahen auch die ersten Zeilen aus. Dunkel. Traurig.
Meine Verfassung hellte sich auf, vermutlich auch aufgrund des Trubels, den das Erscheinen meines Debütromans auslöste. Das Manuskript geriet in Vergessenheit.

2011, als der Wölfchen Verlag gerade seine Nase in die Verlagswelt steckte, fragte mich mein guter Freund, Verleger und mittlerweile auch Chef, Alfons Th. Seeboth, ob ich noch etwas in der Schublade hätte, er suche Titel für das erste Programmjahr. Dominic und ich bauten den roten Faden von D.A.S.H. aus, fügten die Komponente der Jäger hinzu, schraubten dort und hier … schlussendlich unterschrieb ich den Vertrag mit der Abmachung, dass der Text bis zum Ende des Jahres stehen sollte. Turbulente Wochen folgten. Lektorate, die mehr Zeit einforderten, als gedacht, Überarbeitungen, etc … oft habe ich den Text abgebrochen, wenn nicht sogar wochenlang nicht angesehen. Es frustete mich, besonders weil ich jedes Mal, wenn ich wieder reinfinden wollte, das Manuskript neu durchdachte. Zerdachte. Zweifel überfielen mich. Ist der Text gut genug? Die Figuren glaubhaft? Würde man das Rätsel nicht zu schnell lösen? Über die angedachten Scherze lachen? Ja, ist mein schreibtechnisches Vermögen überhaupt in der Lage, die Figuren richtig darzustellen?

Tief in mir schien ich gespürt zu haben, dass etwas nicht stimmte. Ich widmete mich anderen Dingen. Meiner Anthologie „Weil wir Mädchen sind“. Zwei völlig neuen Projekten, über die ich hier nichts verraten darf. D.A.S.H. habe ich vor mir hergeschoben, mich in Ausflüchten und Ausreden verrannt, mich selbst getäuscht, ich könnte es schreiben. Es wäre einfach. Ist es nicht. Weder damals noch jetzt. Rückblickend war es eine meiner dümmsten, naivsten Ideen, ein unfertiges Manuskript anzubieten, das nicht mal ein vernünftiges (nach meiner gegenwärtigen Definition) Exposé aufwies. Selbst wenn ich es für einen Freund getan habe, war es dumm. Denn es kam, wie es kommen musste. Der Text zerbrach vor meinen Augen, ich zerbrach am Text. Im Spätsommer 2012, ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ablenkung mehr, musste ich mich den Unausweichlichem stellen: Trotz all der Versuche, des Ulm-Aufenthalts, der Recherche, D.A.S.H. funktionierte nicht. Die Geschichte ließ sich nicht erzählen, nicht schreiben. Schlimmer noch. Ich hasste den Text, konnte den Anblick der Seiten nicht ertragen. Die Figuren waren mir fremd geworden.
Mein Fehler, mein Nicht-Können. Das gesammelte Material, all die Zeitstunden, es war wie ein dämonischer Fingerzeig, dass an dem Selbstvertrauten an meine Fähigkeiten kratze. Ich fühlte mich unfähig, schlecht. Andere Texte konnte ich schreiben, erzählen, warum nicht diesen? Fühlte mich schuldig, weil ich den Wölfchen Verlag nicht länger warten und enttäuschen wollte. Die Vorbesteller …

Doch gewährte mir der Verlag, mein Freund, einen Aufschub, wollte meinen Vertrag nicht auflösen. Wie habe ich geflucht, dass er daran festhielt! Als könnte ich das Unmögliche aus dem Ärmel schütteln! Dieses Vertrauen und der Druck, der dadurch entstand, schnürte mir praktisch die Luft weg. Ich ließ den Text liegen, wusste ich doch keine Lösung, keinen Ausweg. Ja, reagierte auf die Hilfe von Freunden und Nachfragen, gereizt, frustriert, emotionslos. Hatte ich doch längst begriffen, was der Fehler war. Ich wollte zu viel schreiben, erzählen, zeigen. D.A.S.H. hatte nicht eine Handlung, sondern drei. Ungünstig mit einer Begrenzung von 350 Seiten.

Ich hatte es verbockt, den Text verloren. Ich konnte diesen Fehler nicht ertragen, wollte den Text aus meinem Gedächtnis ausradieren, dennoch ließ es nicht los. Die Phasen, die darauf folgten, quälten mich.

  1. Verbannung aus meinem Bewusstsein
  2. Wie gesagt, dies gelang mir nicht und so zwang ich mich zu der Erkenntnis, dass ich nicht für Vorbesteller, Leser oder Verleger schreiben sollte, sondern in erster Linie für mich. Ich musste mir den Druck nehmen, mich wieder an den Gedanken gewöhnen, einer Idee Leben einzuhauchen, weil es mir Spaß macht, nicht weil am Ende ein gedrucktes Buch erscheinen sollte
  3. Sämtlichen Kram zu D.A.S.H. in einen Karton sperren, zukleben und in die hinterste Ecke der Abstellkammer verbannen. Zum Jahreswechsel erklärte ich das Projekt für tot, wenn auch nur für mich. Gesagt habe ich es niemanden, Dominic war eh schon genervt von meiner Wackelkontakteinstellung; ich schreibe es – ich schreibe es nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Glauben an den Text verloren.

Irgendwann fragte eine Freundin, wie es mit dem Projekt lief, ich erzählte mein Dilemma. Ihre Worte waren der Auslöser für einen Neubeginn:

„Wenn es nicht funktioniert, fang neu an.“

So simpel. So gut! Warum sich mit Scherben und Bruchstücken plagen, wenn ich einfach etwas Neues machen konnte? Nun, das Cover stand und schließlich hatte ich eine bestimmte Idee verkauft, dementsprechend konnte ich mir nichts völlig Neues ausdenken. Ich musste diese verfluchte Brücke finden, die die alte Idee mit einer neuen, mir noch unbekannten, verband. Ich warf alles über Bord und fing bei Null an. Dämonen – Vampire – Werwölfe – Magie – Geister –Menschen – Jäger. Vor- und Nachteile, Stärken, Schwächen, Probleme. Zwar kam ich mir dumm vor, aber ich versuchte, D.A.S.H. neu kennenzulernen, mich wieder mit dem Thema anzufreunden. Vielleicht hatte ich nur den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, war noch auf der Suche nach dem sprichwörtlichen goldenen Schößling, den ich hegen, pflegen und zu einer Geschichte heranwachsen lassen konnte. Ich isolierte Handlungsstränge und Figuren, begab mich auf die Suche nach dem harten Kern, dem Zentrum der Geschichte. Wo war mein goldener Baum? Das Detail, das dem Text Flügel verleihen würde und mir wieder die Möglichkeit, es zu schreiben?
Die Antwort hat ihre Zeit gebraucht, ich konnte sie nicht erkennen, auch wenn ich sie direkt vor meiner Nase hatte:

D.A.S.H.

Zu einfach, hätte ich auch am Titel sehen können … Aber das, worum es mir ging, der Punkt, an dem  ich neu beginnen konnte, ist schließlich der Zusammenschluss von Übersinnlichen, die Organisation, die Jagd auf Menschen macht, um den Weltuntergang zu verhindern.
Ich sezierte die Hauptfigur zu zwei Persönlichkeiten (das war ein weiterer Fehler), Julius und Tobias sind nun meine D.A.S.H. Agenten, mit denen ich mich befassen werde. Ich schnitt alles Überflüssige von den Nebenparts ab, bzw. schubste Figuren komplett aus dem Fokus, die nichts zur Handlung beitragen, aber im Gesamtgebilde wichtig sein würden. Ich musste mir neue Fragen suchen. Wo stehe ich in meinem Leben, ist geblieben, diese Frage stelle ich mir auch heute noch, wenn die dunkelsten Stunden mich heimsuchen. Was bedeutet es, anders zu sein? Wie stelle ich mich meinen Ängsten? Was bin ich bereit aufzugeben, zu opfern, um mein Ziel zu erreichen, das Leben zu behalten, das ich führe? Stelle ich meine Sicherheit über die eines anderen? Über die Rettung der Welt?

Ich suche noch nach allen Fragen, aber sie haben sich verändert, so wie auch der Grundgedanke zum Buch. Dann passierte es. Ein Traum. Nach fast drei Jahren holte mich ein Traum ein, der mir die Grundzüge einer plausiblen Handlung präsentierte. Euphorisch erzählte ich davon Dominic, machte mir Notizen und baute den neuen Strang aus. Neu und dennoch passend zu Cover und Thema. Recherchen, Überlegungen, Eingebungen begleiteten mich wieder. Zunächst blieb ich skeptisch, sollte dieses freudige Kribbeln nur ein Funke sein, der von selbst erlischt? Nein, seit Anfang März trage ich diesen Funken mit mir, er lodert, breitet sich zu einem Feuer aus. Vielleicht weil ich mich auch auf das Feuer konzentrieren werde, auf Feuerdämonen.

Und nun, während ihr diesen (sehr langen) Eintrag hier lest, sitze ich an meinem Schreibtisch, schreibe das Exposé, tüfftel am neuen Klappentext, baue an den einzelnen Szenen. Ich weiß wieder, was ich will, ich habe den Glauben zurückerlangt. Diese Idee, die soll es sein! Sie löst meine Probleme, ist stimmiger, in sich konzentrierter. Ich könnte noch viel darüber schreiben, was sie alles ist.
Zwei Jahre hat es gedauert, D.A.S.H. sterben und aus der Asche auferstehen zu lassen. Ich will nicht sagen, wie ein Phönix, aber definitiv in einem neuen Gewand. Dominic stand in dieser Zeit stets an meiner Seite, schaufelte das imaginäre Grab mit mir, sowie bot mir Hilfe an, meine inneren Dämonen zu besiegen. Manchmal so frage ich mich, ob auch mein Verleger wusste, dass ich es noch hinkriege, er es ahnte, hoffte, dass es passierte? Genauso frage ich mich, ob ich wahnsinnig bin, mich diesem Stress auszusetzen und auch noch durchzustehen, obwohl ich alles verloren sah. D.A.S.H. war mein persönlicher Weltuntergang, doch wie auch die Dämonen in der Geschichte habe ich gelitten, gekämpft und durchgehalten, um mein persönliches Ende aufzuhalten. Ob dies Julius und Tobias gelingt werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Dazu müsst ihr es dann schon lesen.

Für all diejenigen, die gewartet haben, die sich fragten, warum es so still um das Projekt wurde, dies ist die Antwort. Ich wollte es euch nicht länger vorenthalten, euch nicht länger im Ungewissen lassen. Diese Wiederbelebung war schmerzhaft, tränenreich, langwierig – und dennoch erfolgreich. Denn „D.A.S.H. – Wir verhindern den Weltuntergang“ erscheint 2013 im Wölfchen Verlag. Mehr zum neuen Klappentext, Teasern und kleinen Leseprobe ab sofort hier auf meinem Blog bzw. auf der Facebook-Like-Seite.

Möge der Kampf gegen das Ende der Welt auf ein Neues beginnen!

D.A.S.H. – Eine Wiederbelebung
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