Nachdem ich vor einigen Wochen euch schon den ersten Einblick in mein neues Gemeinschaftsprojekt gewährt habe und ich ein bisschen über die Hauptfiguren plauderte, kommt nun der nächste Schnipsel. Immerhin muss ich mich mit meinem Partner noch über viel mehr Dinge streiten. Jetzt mal abgesehen davon, dass in den letzten Wochen unsere Handlung sich in alle möglichen Richtungen streckte (und das meine ich genauso, wie es da steht), Figuren todkrank, unauffindbar, plötzlich steinreich oder was auch immer waren.  Mein Highlight bleibt immer noch die chaotische Abnahme von Verwandten, à la „Aber wenn er noch einen Bruder mehr hätte?“ und zwei Tage später „Oder vielleicht auch einen Bruder weniger und eine Schwester mehr?“. An den Feinheiten müssen wir noch ein bisschen tüfteln, auch wenn ich mit dem Gesamtbild halbwegs zufrieden bin. Ja, es sind noch Lücken vorhanden, beträchtliche, aber die werden sich mit der Zeit schon schließen.

Größere Probleme macht mir eher die Welt an sich. Ich bin diejenige, die absolut willkürlich anfängt, Karten zu zeichnen. Einfach so aus dem Bauch heraus. Und das mache ich auch fünf oder gar zehn Mal, weil immer noch etwas nicht stimmt. Sobald die Umgebung dann steht, stricke ich die Handlung drum herum, verschiebe maximal noch ein Gebirge (oder füge es hinzu), wenn es der Handlung einen Vorteil bringt. Ich möchte halt gern wissen, wie die Orte heißen, aussehen, was für Menschen da leben, wie die Nachbarländer sich gestalten, treiben sie Handel, sind sie verfeindet? Oh und was ist mit Flüssen? Werden diese befahren, zum Handel genutzt? Ich arbeite mich erst einmal ein, tobe mich ordentlich mit meinen Ideen aus. So etwas das hier kommt dabei raus, aber glaubt mir von diesen Seiten habe ich eine ganze Menge fabiriziert und auf jeder stehen ein paar andere Notizen.

Einer von vielen Entwürfen

Mein Schreibpartner ist da völlig anders. Er kümmert sich erst um die Handlung, diese muss so gut wie möglich stehen, bevor er sich um die Details, die Umgebung in den Fokus geraten. (Habe ich schon erwähnt, dass seine Beschreibungen nicht so sitzen? 😀 ) Seine Karte ist also erschreckend leer, bis auf ein paar grobe Markierungen, dem Ausgangspunkt und zwei, drei Orten, wo es hingehen soll.  Und ab dem Punkt geraten wir dann aneinander, weil auf meine Nachfragen oft ein „Weiß ich noch nicht“ oder „Habe ich noch nicht darüber nachgedacht“ oder „Die sind sehr naturverbunden“ erklingt.

Ich will nicht sagen, es treibt mich in den Wahnsinn, aber sehr weit davon entfernt ist es auch nicht. Doch bin ich geduldig, das Projekt macht trotz dieser Momente wahnsinnig Spaß. Also stürzen wir uns in Recherchen, wälzen Bildbände und ich hake fünftausend Sachen nach, bis sich in meinem Kopf ein Bild ergibt. Und bisher haben wir auch immer einen Mittelweg gefunden, bzw. die Details, die ich ergänze, fanden stets Anklang.

Aber manchmal, so wie vor ein paar Tagen ergeben sich auch Momente wie der folgende. O-Ton.

„Nein, die Hauptstadt wird so nicht heißen“, stelle ich fest.

„Aber wieso denn?“, fragt er.

„Darum!“

„Der König fängt mit ‚Br‘ an und alle Dörfer und Städte gehören dem König, deswegen Brior und Bra.“ Als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

„Die Hauptstadt wird nicht Bra heißen!!“, keife ich daraufhin. „Das ist das englische Wort für BH!“

Er vollkommen unbeeindruckt: „Bro geht auch nicht und Bru klingt doof.“

„Häng da doch noch eine Silbe ran? Wie bei Bra-tac.“

„Stargate.“

Als ob ich das nicht wüsste. „Bra-at.“

„Wurst. Bra-at-Wurst. Mit seiner Tochter Apfel.“

„Eine Huldigung an dich. Bra-at-Hähnchen.“ Ich lache. „Oder häng da irgendeine andere Silbe ran. Bra-an. Bra-li. Bra-ru. Bra-Mu. Bra-ti. Bra-ra…“

„Ich hör dir nicht zu“, lacht aber ebenfalls.

 

Oh ja, wir haben unseren Spaß! 😀

Ein neues Projekt – Orte, Länder, Karten

2 Gedanken zu „Ein neues Projekt – Orte, Länder, Karten

  • 3. März 2014 um 17:49
    Permalink

    Haha – danke für euren Einblick, wie ihr das ganze Schreiben so handhabt 😀
    sehr lustig muss ich sagen!

    Ganz liebe Grüße

  • 4. März 2014 um 10:03
    Permalink

    Sehr gern, Carolin. 🙂

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