Oktober 5 2015

Hörbuch-Rezension : Der Marsianer – Andy Weir

Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Andy Weir und gelesen von Richard Barenberg

Random House Audio

gekürzte Lesung auf 2 mp3-Cds

ca. 10 Stunden

Über den Autor: Bereits im zarten Alter von fünfzehn war Andy Weir als Programmierer für diverse Computerfirmen tätig und arbeitet inzwischen als Softwareentwickler. In seiner Freizeit interessiert er sich für Physik, Mechanik und die Geschichte der bemannten Raumfahrt – und natürlich für das Schreiben. (Quelle: Random House)

Über den Sprecher: Richard Barenberg studierte Schauspiel in Leipzig und war anschließend u.a. am Nationaltheater Weimar, Maxim Gorki Theater Berlin, Theater Oberhausen, Volkstheater Rostock und an der Komödie am Ku’damm tätig. Er ist zudem ein gefragter Hörbuchsprecher und hat für Random House Audio z.B. Krimis seine Stimme gegeben. (Quelle: Random House)

Inhalt: “Bei einer Expedition auf dem Mars gerät der Astronaut Mark Watney in einen Sandsturm und wird bewusstlos. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Crew. Die spektakuläarte Rettungsmisson um das Überleben eines einzelnen Menschens beginnt.” (Quelle: Random House)Der Marsianer

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September 18 2015

Rezension : Big Game von Dan Smith

Big Game – Die Jagd beginntBig Game kleiner

Dan Smith

Chicken House

304 Seiten

Ab zwölf Jahren

Inhalt: „In der Nacht vor seinem dreizehnten Geburtstag muss Oskari allein in die Wildnis, so verlangt es die Tradition. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen soll er ein Tier erlegen, um seine Männlichkeit zu beweisen. Dass Oskari den Bogen kaum spannen kann, erleichtert die Sache nicht gerade. Doch dann fällt ihm der amerikanische Präsident quasi direkt vor die Füße. Er ist nur knapp einem Attentat entkommen und sieht trotz seines schicken Anzugs nicht so aus, als hätte er die Lage im Griff. Jetzt kann Oskari zeigen, was in ihm steckt.“ (Quelle: Chicken House)

Über den Autor: „Dan Smith führte bisher drei Leben. Im ersten musste er den eintönigen Alltag im Internat durchstehen. Im zweiten reiste er um die Welt und stürzte sich auf den Reisfeldern Asiens und dem brasilianischen Dschungel in zahlreiche Abenteuer. Im dritten denkt er sich Geschichten aus und hat so eine ganze Welt für sich alleine. Manche sagen, dass er darin den Großteil seiner Zeit verbringt. Den Rest teilt er mit seiner Frau und seinen Kindern in Newcastle.“ (Quelle: Chicken House)

Cover & erster Eindruck: Die gebundene Ausgabe ist von gewohnt hochwertiger Chicken House Qualität und das Cover spiegelt gut den Inhalt der Geschichte wieder. Besonders die kleinen Details des Flugzeugs und des übergroßen Bogens haben mir gefallen. Auch wenn der abgebildete Junge in den kurzen Hosen nicht lange in Finnland überlebt hätte, aber das nur am Rande. ;)

Figuren: Oskari wirkt zu Beginn der Geschichte wie der typische Verlierer, kleiner und schwächlicher als die anderen Jungen, ein auf den ersten Blick schlechter Jäger. So haben die Männer aus dem Dorf wenig Hoffnung, dass er das Initiationsritual zu seinem dreizehnten Geburtstag schafft: eine erfolgreiche Jagd. Trotz der Selbstzweifel gibt Oskari jedoch nicht auf, er möchte seinen Vater stolz machen, sodass ich beim Lesen schnell merkte, wie clever und beharrlich er ist. Dieser Punkt und seine authentische Darstellung machen Oskari sehr sympathisch. Er sucht immer nach einem Ausweg, selbst wenn er im Nachteil ist, und als er dann den Präsidenten vor den Attentätern beschützen muss, wendet sich auf einmal das Blatt. Nun ist Oskari der Starke und der Schlaue – seine Entwicklung sowie die Verflechtung des Rituals waren toll zu lesen.

Auch die anderen Nebenfiguren waren gut ausgearbeitet und realistisch, stellenweise hat mir der Präsident echt leid getan.

Sprache: Die Sprache ist einfach, dafür jedoch flüssig und der Zielgruppe entsprechend. Besonders die Beschreibungen sind wunderbar zu lesen. Smith beschwört lebendige Bilder voller Atmosphäre ins Kopfkino, ich konnte mir die finnische Landschaft sehr gut vorstellen. Die Actionszenen waren schnell verfasst und trieben die Spannung konsequent weiter an. Das Buch liest sich so weg. Eigentlich wollte ich gar nicht unterbrechen, habe es jedoch oft mit dabei gehabt, um mir die Zeit in Ärztewartezimmern zu verkürzen. Da konnte ich meine Ärzte schlecht angrummeln mit „Sekunde, nur noch kurz das Kapitel.“

Lob und Kritik: Da „Big Game“ zuerst ein Filmskript gewesen ist, das zu einem Roman ausgearbeitet wurde, hat dieser sofort meine Neugier geweckt. Die Umsetzung ist gelungen, nur noch die kurzen, knackigen Dialoge, die jedoch typisch für diese Art von Filmen sind, deuten auf die Ursprungsform hin. Und trotz der Gewalt, der Explosionen und der Todesgefahr fand ich die Auflösung zufriedenstellend.

Zwischenzeitlich liest es sich sogar wie ein kleiner Surival Guide – da steckt sehr viel Recherche dahinter, ich war regelrecht erstaunt!

Kleine Kritikpunkte habe ich dennoch. Einerseits erfährt der Leser zu wenig über die Drahtzieher und die Hintergründe des Attentats, aber das kann auch an der Zielgruppe des Romans liegen. Als erwachsener Leser hätte ich gerne noch erfahren, ob die Maßnahmen am Ende den Schuldigen zur Rechenschaft gezogen haben. Andererseits waren es mir zu viele Zufälle bei dieser eh leicht vorhersehbaren Handlung. Aber für ein jüngeres Publikum bildet dies vermutlich genau die richtige Mischung für spannende Lesestunden.

Fazit: Ein actiongeladenes, spannendes Buch für Jungen ab zwölf Jahren, die Abenteuergeschichten mögen. Locker geschrieben und mit einem sympathischen Protagonisten. 4 von 5 Sternen für „Big Game“.

Abschließend noch vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Juni 11 2015

Rezension : Ich sehe was, was niemand sieht – Tim O’Rourke

Ich sehe was- Ich sehe was, was niemand sieht -

Tim O’Rourke

Chicken House

326 Seiten

Link zum Verlagsshop.

Über den Autor: “Tim O’Rourke ist vom Schreiben besessen. Wenn er nicht als Police Officer im Einsatz ist, verbringt er jede freie Minute über seinen Laptop gebeugt, vollkommen versunken in die Welten, die er erfindet. Mehr als 30 Romane hat er als Selfpublisher bereits veröffentlicht, darunter Erfolgsserien wie Kiera Hudson und Samantha Carter, die in über 50 Ländern gelesen werden und zusammen tausende begeisterte Bewertungen auf einschlägigen Online-Plattformen erhalten haben. Mit seiner Frau, drei Söhnen und einer Katze lebt Tim O‘Rourke in Buckinghamshire.” (Quelle: Chicken House)

Inhalt: “Charley sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Ihre Visionen sind wie Blitze, kurz und intensiv – ein Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs. Charley ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Verbrechen sieht, bevor sie geschehen. Niemand glaubt ihr, bis auf Tom. Der attraktive junge Police Officer bearbeitet gerade seinen ersten Fall: ein totes Mädchen, das auf Bahngleisen gefunden wurde. Während die Polizei noch nach der Todesursache sucht, hat Charley wieder Visionen: ein anderes Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs …” (Quelle: Chicken House)

Cover & erster Eindruck: Dieses Cover verwirrt mich. Ich habe aus Reflex den Titel erst von oben nach unten gelesen und mich gefragt, was das bitte bedeuten soll. Bis mir wieder der englische Titel einfiel, “Flashes”, und mir klar wurde, dass das Cover Charleys Lichtblitze wiederspielgelt. Denn aktuellsten kräftig und am größten, während die davor bereits wieder verblassen! Interessante Idee!
Das Taschenbuch fasst und blättert sich angenehm, Druck und Papier entsprechen der gewohnten Chicken House Qualität. Die serifenlose Schrift des Buchsatzes irritierte mich zuerst, aber nach den ersten Seiten besserte sich das.

Figuren: Die Charaktere haben alle ihren Charme und wirken überzeugend. Für Charley habe ich gleich Sympathie empfunden, nach dem Tod ihrer besten Freundin und einzigen Vertrauten, was diese Blitze angeht, ist sie ziemlich verloren. Sie ist manchmal zu naiv, gerade was die Bekanntschaft zu Tom betrifft, aber das ist vermutlich ihrer Situation verschuldet. Ein Leben lang für diese übersinnliche Kraft gemobbt und verurteilt, ist der Wunsch, dass ihr jemand glaubt, wohl zu übermächtig. Eine starke Figur ist sie jedenfalls, sie kämpft dafür, diese angeblichen Unfälle der toten Mädchen aufzuklären, selbst wenn es sie in Gefahr bringt.

Mit Tom bin ich nicht gleich warm geworden, trotz der beiden Ich-Perspektiven konnte ich ihn mir schwer vorstellen. Sein Gerechtigkeitssinn und der Drang, die Wahrheit aufzudecken, ehren ihn, aber in dieser Hinsicht ist er so naiv wie Charley. Anfangs riss er noch groß die Klappe auf, da er anscheinend so gut kombinieren kann, aber das legte sich im Verlauf der Handlung. Schade eigentlich. Jedoch gefiel mir seine Rolle, wie er Charley zur Seite steht, sehr gut.

Die leichte Verliebtheit der beiden bleibt im Hintergrund, sodass die Handlung sich auf das Mysterium der Blitze konzentrieren kann sowie die Suche nach dem Täter.

Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet. Der aufgeblasene Jackson ist trotz seines manchmal widerlichen Charakters gut getroffen und die Zweifel und Sorgen von Charleys Vater konnte ich nachvollziehen.

Sprache & Umsetzung: Der Schreibstil ist flüssig und schnell, die Seiten fliegen nur so dahin. Dabei passiert nicht auf jeder Seite etwas Actiongeladenes, ruhige Szenen, wie Momente, die die Spannung wieder heben, wechseln sich ab. O’Rourke gelingt es, eine düstere Stimmung durch den Roman hinweg aufrecht zu erhalten, schauerlich und nervenaufreibend. Jedoch hält er sich bei den Beschreibungen der Opfer zurück, sodass es nicht zu blutig wird. Die Gedankenblitze und die Erscheinungen, die Charley dabei sieht, machen den Reiz des Buchs aus und fesselten mich an die Buchseiten.

Leider wusste ich schon auf Seite 100, wer der Täter war, dennoch muss ich gestehen, dass O’Rourke die falschen Fährten gut gelegt hat und ich bis zum Schluss der kompletten Auflösung entgegenfieberte. Das Ende kam mir ein wenig abgehackt vor, aber die Geschichte ist abgeschlossen, das Wichtigste hat ein Ende gefunden. Ob auf den Vorschlag von Toms Chef noch eingegangen wird, wird die Zeit zeigen.

Fazit: Schneller, spannender Mystery-Thriller für Jugendliche ab 14 Jahren. Überzeugende Charaktere und mal eine andere Art, einen Täter zu fassen. Daher gibt es für “Ich sehe was, was niemand sieht” 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.

 

Mai 14 2015

Rezension : #rausmitderdicken – Sophia Bennett

Sophia Bennett – #rausmitderdickenrausmitderdicken

Chicken House

416 Seiten

Über den Autor: Sophia Bennett, geboren 1966, gewann mit ihrem Debüt “Wie Zuckerwatte mit Silberfäden” den Times-Chicken-House-Schreibwettbewerb 2009. Schon mit 20 Jahren wollte sie Schriftstellerin werden, studierte aber zunächst Sprachen. Ihre großen Leidenschaften sind Kunst und Design, ihre vier Kinder, Modezeitschriften, Cappuccino, ihr Mann und ihr Beruf (vielleicht nicht unbedingt in dieser Reihenfolge). Sie lebt mit ihrer Patchwork-Familie in London.

Inhalt: „OMG! Sasha und Rose, weltbeste Freundinnen, kommen ins Fernsehen! Mit ihrem Song stehen sie kurz davor ins Finale von Killer Act katapultiert zu werden. Schon jetzt ist ihre vierköpfige Girlband DAS Gesprächsthema auf Twitter. Eine einmalige Chance, denn Millionen von Zuschauern verfolgen die Show. Doch die Mädchen können nur zu dritt gewinnen – eine muss raus. Also trifft Sasha eine Entscheidung. Und löst damit eine Hetzjagd im Netz aus, die vollkommen außer Kontrolle gerät. Wird Rose ihr das jemals verzeihen?“ (Chicken House)

Cover: Bunt und auffällig, doch zeigt es sehr schön die unterschiedlichen Typen der vier Freundinnen und nimmt auch noch Bezug auf den Song „Sonnenbrille“ im Buch. Gefällt mir sehr gut!

Umsetzung: Zunächst war ich weniger angetan, als ich das Rezensionsexemplar erhalten habe. Wieder ein Jugendbuch, das sich mit Castingsshows beschäftigt, den kurzen Moment des Ruhms, den Teenager sich wünschen. Nach den ersten dreißig Seiten warf ich meine Zweifel über Bord. Das Buch war angenehm zu lesen und mit Leichtigkeit stellte Bennett dem Leser die vier Mädchen vor, um die es sich dreht. Es startete als eine warme Geschichte, Freundinnen, die in etwas reinstolpern, das größer als sie selbst ist. Aber auch größer als ihre Freundschaft?

Nach den ersten 100 Seiten klebte ich praktisch an den Seiten, da ich mitten in die Geschichte gezogen wurde. Sehr gut recherchiert und sehr glaubwürdig verwandelt sich der Traum, eine Casting-Show zu gewinnen, in die absolute Hölle für die vier Mädchen. Sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Man will sie sie verbiegen, Fremde beschimpfen sie im Internet und die Medienmacher erklären sie zum Spielball ihrer niederen Absichten. Und das Publikum scheint sich für alles zu interessieren, nur nicht die Wahrheit.

Figuren: Die Geschichte ist aus Sashas Sicht erzählt. Sie wirkt auf den ersten Seiten ein wenig naiv, was sie jedoch liebenswürdig macht. Sasha ist dieses „Aber andere sind doch viel besser als ich“-Mädchen und ich habe mit Spannung verfolgt, welchen Weg sie im Buch einschlägt. Zeitweise war sie furchtbar überfordert, dennoch habe ich mitgefiebert, ob sie die Freundschaft zu Rose noch retten kann und wie sie ihrer Rolle entkommen will, in die das Internet sie gesteckt hat.

Bennett schafft eine nahtlose Auflösung, die den Leser zufrieden zurücklässt. Gerade das Ende ist realistisch und die Aussage, die leise im Hintergrund mitschwingt, hat mich lächeln lassen. Kein Kitsch, kein übertriebenes Gehabe – ganz, ganz toll.

Sprache: Leicht und locker fließt der Text dahin. Die Mädchen benehmen sich durchweg wie Teenager und es war erschreckend, wie bekannt mir die eingefügten Schnipsel aus dem Netz vorkamen. Gleichzeitig ist Sashas Gefühlswelt sehr stark beschrieben, Ängste, Sorgen, Zweifel sind äußerst lebhaft umgesetzt.

Fazit: Wow. Seit langem endlich wieder ein Jugendbuch, das mich schlichtweg überzeugt und zufrieden zurücklässt. Ein bisschen Liebe, ganz viel Freundschaft. Aber auch ein authentischer Blick auf die Auswirkungen von Cybermobbing und hinter die Kulissen von Castingshows.

Daher vergebe ich 5 von 5 Sternen an #rausmitderdicken und erteile eine Leseempfehlung. Nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene geeignet.

Oktober 6 2014

Rezension : Allen Zadoff – Fearless ( Unknown Assassin #02 )

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Allen Zadoff – FearlessFearless_kleiner

( Unknown Assassin #02 )

Ab 14 Jahren

432 Seiten, Hardcover

Weitere Informationen findet ihr auf der Verlagsseite von bloomoon oder auf der Homepage von Allen Zadoff

Inhalt: „Unangenehme Fragen verfolgen BOY NOBODY seit seinem letzten tödlichen Auftrag als Undercover-Agent. Wer ist er eigentlich ohne seinen Auftraggeber, das ominöse “Programm”? Warum fühlt er sich seit seinem letzten Mord so schlecht? Warum fühlt er überhaupt etwas? Viel Zeit zum Nachdenken bleibt ihm nicht. Das “Programm” schickt ihn in ein rechtsradikales Trainingscamp, dessen paranoiden Anführer er liquidieren soll. Eine scheinbar ganz normale Mission. Doch dieser Auftrag zieht ungeahnte Konsequenzen nach sich…“ (Quelle: bloomoon)

Über den Autor: Allen Zadoff hat 2010 mit Food, girls and other things I can’t have den Sid Fleischmann Humor Award gewonnen. Er lebt in Los Angeles, wo er an Boy Nobodys weiterem Schicksal arbeitet… (Quelle: bloomoon)

Vorweg: Als ich im Juni herausfand, dass die Fortsetzung von „Boy Nobody“ erscheinen sollte, habe ich mir praktisch einen Knoten in die Finger getippt, um mich gleich auf ein Rezensionsexemplar zu bewerben. Der erste Band war schon super, der zweite einfach genial. Daher ein herzliches Dankeschön an Bloomoon, einerseits fürs Buch, andererseits für dieses Lesevergnügen.

Sprache: Wie schon im ersten Band gelingt Zadoff mit Boy Nododys kühler, emotionsloser Ich-Perspektive einen sehr passenden Schreibstil an den Tag zu legen. Er ist ein Stratege, ein berechnender Kämpfer ein bisschen wie ein jugendlicher Jason Bourne. Ohne Schnörkel. Ohne Ablenkungen. Zielgerichtet führen die kurzen Sätze und Kapitel den Leser durch die Geschichte, so schnurgerade Boy Nobody auch seine Missionen verfolgt. Dabei jedoch ohne an Spannung zu verlieren, es ist präzise und schnell verfasst, dennoch wollte ich weiter, weiter und weiter lesen.
Besonders bei dieser einen Wendung am Ende, die ich jetzt nicht verraten möchte, zeigt Zadoff, dass er auch ganz anders kann. Mit der Veränderung von Boy Nobody, wandelt sich auch der Schreibstil – die Entwicklung hat mir beim Lesen sehr gut gefallen.

Figuren: Während Boy Nobody im ersten Band eher einen emotionalen Konflikt durchstand, plagen ihn im zweiten Zweifel an seiner Loyalität zum Programm und seiner bisherigen Identität, oder sollte ich sagen: Nicht-Identität? Weiterhin schlüft er mühelos in Rollen und lässt nur sehr wenig von seiner eigentlichen Persönlichkeit durchblicken, alle seine Handlungen dienen der Mission. Aber was ist er noch, wenn seine Loyalität ins Programm erschüttert wird und er sich nicht sicher sein kann, ob seine Mission nun bestand hat oder nicht? Interessante Fragen, denen Boy Nobody sich stellen muss.

Außerdem bin ich in Howard vernarrt, seine Art ist mir sofort ans Herz gewachsen. Ein so tolle Figur! Hoffentlich sehe ich ihn in Band 3 lebend wieder, allein diese Ungewissheit lässt mich schon die Tage zählen.

Lob: Fearless ist dunkel, gefährlich und überzeugt mit Überraschungsmomenten, die man so nicht erwartet. Sofort reißt Zadoff den Leser in die neue Mission und verrät doch nur Stück für Stück Einzelheiten über das Programm oder Boy Nobody selbst. Aber was man da als Puzzlestück präsentiert bekommt, dreht und wendet und ändert die Geschichte immer wieder. Wer ist gut? Wer ist böse? Arbeitet Boy Nobody nun für die Regierung oder steckt jemand anderes dahinter? Was ist mit seinem richtigen Vater?

Zudem ist das Buch gut recherchiert. Aus politischer, wissenschaftlicher, militärischer und geschichtlicher Sicht. Trotz der schwierigen Themen wie eines rechtsradikalen, paramilitärischen Jugendcamps oder dessen terrroristischen Absichten, rutscht Zadoff nicht in Verherrlichungen oder Verdammungen ab, sondern setzt sich mit dem Thema gut auseinander. Wie weit gehe ich für meine Ideale? Welche Konsequenzen nehme ich dafür in Kauf? Widerspreche ich der Mission, weil ich selbst Zweifel hege? All diese Fragen muss sich nicht nur Boy Nobody stellen, sondern auch der Leser, wenn er die Insassen des Camps und deren Prinzipien kennenlernt.

Zusammenfassend: Exzellente Fortsetzung, ich konnte es nicht mehr aus den Händen legen! Spannend, rasant, mit unvorhergesehen Entdeckungen, die mich nur noch hibbeliger auf den nächsten Band machen. Zum Glück erscheint dieser im Englischen Juni 2015. Ratet, welches Ereignis ich mir jetzt gleich in den Kalender eintragen werde? Wirklich, ein sehr, sehr gelungener YA Mystery-Thriller. Daher vergebe ich 5 von 5 möglichen Sternen an “Fearless”.