November 1 2010

Boris Koch – Gebissen

Oder „Sex, Blut und zu viel innerer Monolog!“ Selten habe ich ein Buch aus den Händen gelegt, ohne es zu Ende gelesen zu haben. Ich lese viel Mist; wirklich. Die, die ich abbrach, kann ich an einer Hand abzählen. „gebissen“ gehört mit ihn diese Reihe. Das erste Kapitel, in dem Hauptchara Alex von seiner Kindheit berichtet und wie er bei einer dummen Mutprobe mit Freunden gebissen wird, war noch wirklich gut und spannend geschrieben. Da hatte man noch Lust zu lesen. Danach verstrickt sich Koch jedoch in seitenlange Abhandlungen der inneren Sicht der Figur. Mag sein, dass ich es als Frau anders sehe, aber für mich muss kein Buch seitenlang beschreiben, wie heiß er eine Frau findet, wie er sie sexuell demütigen will, auf brutaleweise ***, … um nach zwei Seiten Handlung zu lesen, wie sie wirklich Sex haben. Kurzum Seite 50-250 könnte man locker auf auf die Hälfte (wenn nicht sogar noch weniger) zusammenkürzen. Der Stil, die Handlund und die Spannung nimmt erdrutschartig ab und es ist mehr eine Qual als ein Genuss. Daher würde ich es keinem, nicht mal dem eingefleischten Vampirfan, weiterempfehlen. Ach ja, das es sich in irgendeiner Weise um Vampire dreht kommt so auf Seite 200 mal kurz zum Sprechen. Fazit: „gebissen“ – Ein echter Reinfall! PS: Wenn es schon um Vampire in Berlin geht, sollte man wenigsten die Berliner Skyline als Cover nehmen! 😉 (Als Berliner musste das mal raus!) Link zu Amazon

Oktober 28 2010

Lara Adrian – Gesandte des Zwielichts

In sechstem Band setzt das Geschehen fernab des Bostoner Hauptquartiers des Ordens ein. Der Leser folgt dem tot geglaubten Andreas Reichen, der nach Rache für seinen Berliner Hafen dürstet. Denn Andreas weiß, wer der Verursacher seiner persönlichen Katastrophe war: sein Erzfeind William Roth.
Getrieben von seiner Wut arbeitet Andreas an der Vernichtung Roths, gäbe es da nicht zwei Probleme. Erstens, seine besondere Fähigkeit, die Pyrokinese, wird von seinen Emotionen gesteuert und treibt ihn mit seinem Rachewahn in ein flammendes Inferno. Zweitens: Roths Gefährtin ist eine Frau namens Claire, mit der Andreas einst zusammen war und sie immer noch liebt.
Wie sollte es anders sein, bei seiner Jagd auf Roth und dessen Gefolgsleute laufen sich Claire und Andreas über den Weg. Doch anstatt sich vor ihm und den menschlichen Feuerball, in den er sich verwandelt, zu fürchten, ist Claire heilfroh, dass Andreas noch lebt. Sie hilft ihm gar, die Nachwirkungen seiner Pyro zu überstehen. Andreas und Claire finden sich in einer wilden Reise wieder, die sie quer durch Deutschland bis in die Staaten führt, auf der Suche nach Roth, Beweisen, dass er mit Dragos und einer Decke steckt und dem Ältesten. Natürlich können Andreas sowie Claire nicht anders, als die alten Gefühle füreinander sich einzugestehen und die alten Bande wieder zu knüpfen. Doch eine unausweichliche Entscheidung bedroht ihr wieder gefundenes Glück. Durch ihre Blutverbindung kann sie Roths Aufenthaltsort ausfindig machen, doch Andreas ist seine Rache wichtiger als sein eigenes Leben …

Mittlerweile hat die Autorin mich gepackt. Ihre erotischen Szenen interessieren mich nicht. Aber wie sie Charaktere aufbaut und sie schichtenweise enthüllt, liest sich einfach nur flüssig. Sicher, die Vorgänge, die die Vampirkrieger durchleben, ähneln sich. Aber Lara Adrian nimmt sich selbst aufs Korn, in dem sie ihre Krieger von einer Krankheit witzeln lässt, dass sich mehr und mehr Frauen in ihrem einstigen Männerdomizil ausbreiten. Für den Einzelnen betrachtet ergibt sich aber ein stimmiges, stilistisch abwechslungsreiches Figurenbild, dem man als Leser gerne folgt. Andreas Qualen, seine übernatürlichen Kräfte und die Art, wie er sie einsetzt, waren für die mich die Glanzstücke dieses Romans.
In diesem Sinne: Eine Fortsetzung, die lückenlos an die vorherigen Bände anknüpft und die Geschichte ein gutes Stück voranbringt. Ich freue mich schon auf den siebten Band.

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Oktober 25 2010

Jedediah Berry – Handbuch der Detektive

Charles Unwin ist Schreiber in einer Detektivagentur und in seinem Job ein sehr gewissenhafter Mann. Jahrelang arbeitete er die Fälle seines Detektiv Travis Sivart auf und verfasste darüber Berichte, während dieser den Ruhm für die Lösungen bei „den drei Morden des Colonel Baker“, „dem ältesten Mordopfer der Welt“ und natürlich „dem Mann, der den zwölften November stahl“ einheimste. Doch als Sivart spurlos verschwindet, wird Unwin überraschend zum Detektiv befördert und die „Frau im karierten Mantel“ nimmt seinen Platz in der Agentur ein. Für Unwin steht fest: Er ist kein Detektiv. Er will einfach nur Sivart finden und seinen alten Job wieder. Und natürlich herausfinden, wer die Frau im karierten Mantel ist, die er seit einer Woche wartend am Bahnsteig beobachtet. Unwin begibt sich auf die Suche nach dem verschollenen Detektiv und stapft in ein Netz aus komplizierten Lügen, geheimen Machenschaften und skrupellosen Bösewichten, die nicht einmal bei den Träumen der Menschen Halt machen. Unwin muss sich bald eingestehen, dass die Zeit seiner erholsamen Nächte endgültig vorbei ist. Denn Schlafen ist so ziemlich das Gefährlichste, das man tun könnte, wenn man nicht weiß, wer dich in deinem Traum verfolgen könnte. Berry schafft es zielsicher, Charles Unwin von der ersten bis zur letzten Seite zu porträtieren, in einer Art, die sowohl äußerst menschlich, aber auch herrlich tief greifend ist. Nach dieser Lektüre habe ich das Gefühl, nicht nur Unwin ist aus seinem Traum erwacht, sondern auch ich. Unwirklich, bizarr, man wusste beim Lesen nie ganz ob man nun wach oder träumend war, aber genau das macht den Reiz dieses Buches aus. Die Ungewissheit, dass das allwissende Auge der Agentur (das ist ihr Markenzeichen) auf einem ruhte, etwas in der Hinterhand hielt und Unwin scheitern würde. Der Plot ist zwar gradlinig (Suche nach Sivart), aber die Hinweise drehen und wenden sich, Berry lockt einen in Fallen und deckt immer wieder Details auf, die anscheinend nichtig, aber nicht unwichtig waren. So werde ich wohl nie wieder orangerote Blätter und Ahornflieger betrachten können, ohne an Sivart in der Badewanne zu denken, der mit seiner Zigarre im Mund raunte: „Charlie, Sie streichen in Ihren Berichten all die guten Stellen raus!“. Die vielen authentisch wirkenden Figuren überzeugen und schaffen es Unwin (und mit ihm den Leser) in eine melancholische, triste Welt zu ziehen, in der nicht nur die beständigen Regenwolken nach ein bisschen Sonnenlicht schreien. Dazu präsentiert Berry ein absolut bestechendes Konzept. Das Handbuch der Detektive ist aufgebaut wie sein Gegenstück im Roman. Kapitel für Kapitel eignet sich Unwin die Kenntnisse seines neuen Berufes an und der Leser mit ihm. Fazit: Sei auf der Hut vor deinen Träumen! Sie führen dich an Orte, die man nicht betreten sollte, und verwickeln dich in Geschichten, von denen man lieber nicht hören möchte – dafür aber definitiv lesen! Ein wirklich überzeugendes Buch, das selbst nach der letzten Seite einen noch zum Nachdenken anregt, wie sehr wir Menschen durch unsere Träume beeinflussbar sind und wie unerklärlich dieser Part in unseren Unterbewusstsein doch ist. Link zu Amazon

Oktober 25 2010

Natalie Babbitt – Die Unsterblichen

An einem brütend heißen Augusttag beschließt Winnie Foster aus ihrem Elternhaus davon zu laufen. Sie hält es nicht mehr aus, jeden Schritt von ihrer Familie überwacht zu werden. Im Wald, an dem ihr Haus grenzt, trifft sie auf Jesse, Miles und Mae Tuck. Zuerst glaubt Winnie, die drei wollen sie entführen, aber die Tucks erzählen ihr eine unglaubliche Geschichte: Seit sie vor über achtzig Jahren von einer Quelle im Wald getrunken haben, sind sie unsterblich.
Winnie wird in ihr Geheimnis eingeweiht und zum Teil der liebevollen Familie Tuck. Doch bevor sie Winnie zurück nach Hause bringen können, taucht der Mann im gelben Mantel auf, der den Wald und die Quelle für seine eigenen Zwecke nutzen will.
Natalie Babbitt erzählt in ihren ganz eigenen Stil, der mich an die alten Klassiker erinnert, ihre Geschichte über die Tucks. Die Handlung ist sehr gerade, es gibt keine überflüssigen Szenen, keine unwichtigen Details, daher ist die Geschichte sehr kurz gehalten. Aber: Das Thema der Unsterblichkeit mit seinen Vorteilen und Nachteilen, stellt die Autorin sehr weise dar. Das Buch endet zwar zu schnell und dazu traurig, aber es lässt einen unglaublich großen Raum für Reflexionen. Warum hat Winnie sich so entschieden? Wie lebt es sich als Tuck? Würde man wirklich ewig leben wollen? …
Der Text hat mich berührt und ich empfehle es mit guten Gewissen weiter. Ein Buch, das man einmal gelesen haben sollte.

 
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Oktober 7 2010

Cornelia Funke – Reckless

Jacob Reckless wechselt seit Jahren Hin und Her zwischen unserer Realität und der Welt, die sich hinter dem Spiegel im Büro seines verschwundenen Vaters versteckt. Alles verläuft gut für den angesehenen Schatzsucher in Grimms Märchenwelt, bis sein kleinerer Bruder Will ihm folgt. Will wird von Goyl, eine Art steinerner Menschen, verletzt und dadurch mit dem Fluch belegt, selbst ein Goyl zu werden. Natürlich setzt Jacob, sich und alle jeglicher Gefahr aus, um seinen Bruder vor seinem Schicksal zu retten. Der Auftakt von Funkes zweiter All-Age-Fantasy Reihe hat mich positiv überrascht. Anders als bei der Tinten-Trilogie, die durch ihren sehr detaillierten Stil überzeugte, ist Reckless beinahe zu kurz. Geradlinig und rasant schreitet der Plot, Jacobs Jagd nach einem Gegenmittel und später die Jagd nach seinem Bruder, voran und lässt den Leser kaum Atem holen. Starke Bilder, herausstechende Charaktere (in Eigenarten, Sprache und Auftreten) verleihen der Geschichte Leben und auch einige Lacher. Zu leicht taucht man die in die wundervoll dargestellte Welt von Grimms Märchen ein, bestaunt, die vielen Illustrationen, die den Text umrahmen, und man möchte gar nicht mehr aufhören, ein Beobachter der Geschehnisse zu sein. Wie ein Film, sie hat es ja mit dem Mann geschrieben, der sich um die Umsetzung von Harry Potter kümmerte, folgt man Jacob, Fuchs, Will, Clara und Valiant Szene für Szene, in der man stets überrascht wird, und wundert sich, wenn die Geschichte ein vorläufiges Ende gefunden hat. Obwohl es All-Age ist, würde ich „Reckless“ erst ab zwölf, höchstens zehn empfehlen. Funke hat sich als Kinderautorin einen Namen gemacht, aber dieses Buch ist definitiv nicht für kleinere Kinder gedacht. Daher mein Fazit: TOP! Wann kommt Band 2 Link zu Amazon