April 16 2014

Rezension : C. Alexander London – Wir ringen nicht mit Tintenfischen, essen aber gerne Tintenfischringe (Unfreiwillige Abenteuer 3 / 4)

– Wir ringen nicht mit Tintenfischen, essen aber gerne Tintenfischringe –

C. Alexander London

296 Seiten

Arena Verlag

10 Jahre

Mehr Informationen zum Buch gibt es auf navel-zwillinge.de oder auf der Verlagsseite.

Über den Autor : C. Alexander London ist ein preisgekrönter Autor, Meister im Tontaubenschießen und Sporttauchen und darüber hinaus staatlich anerkannter Bibliothekar. Er hat bisher in 23 verschiedenen Ländern ferngesehen und ganz nebenbei einen Vulkanausbruch, einen Hurrikan, vier Bürgerkriege und eine mysteriöse Bisswunde an seinem kleinen Zeh überlebt. Zurzeit lebt und arbeitet er in Brooklyn, New York. (Quelle: Arena)

Inhalt : Endlich Kabelanschluss! Doch schon sucht die fernsehsüchtigen Zwillinge wieder mal ihr Abenteurerschicksal heim: Ihre Mutter ist auf einer Pazifikinsel verschollen – bewacht von einem achtarmigen, unfreundlichen und überaus glibberigen Riesenkraken! Mit einer Horde luxusverwöhnter Piraten auf den Fersen müssen die Zwillinge mal wieder genau das tun, was sie am liebsten NICHT machen: Abenteuer ahoi!“ (Quelle: Arena Verlag)

Figuren : Celia und Oliver bleiben sich treu, sie nörgeln, sie wollen lieber fernsehen, anstatt sich in Abenteuer zu stürzen. Dennoch bringt Celias Schwärmerei für Corey Brandt, der die Zwillinge auf ihrer Seereise begleitet und unterstützt, frischen Wind in die Geschichte. Celia verwandelt sich mehr und mehr in einen irrationalen Teenager, der Corey stets zustimmt und beeindrucken möchte, und dafür mittlerweile versiert (wenn auch immer noch genervt) Aufgaben erledigt und Wagnisse eingeht. In diesem Band konzentriert sich das Sticheln der Zwillinge auf Corey, da Oliver gleichzeitig seine Beziehung zu seinem Vater festigt und feststellt, dass der internationale Filmstar nicht so beeindruckend ist, um ihn gnadenlos zu idolisieren. Dafür aber Forschungsreisende ebenfalls bewundernswert sein können.

Die Figur des Großen Barts blieb leider eher blass, eine Mischung aus Captain Hook meets Slapstick, aber leider widersprüchlich in seinem Handeln und etwas zu klischeebeladen. Aber generell blieben die Bösewichte in diesem Teil farblos, nicht einmal Sir Edmund hatte genug Seiten, um wieder fies und gemein das Geschehen auf den Kopf zu stellen.

Sprache : Wie schon in den Bänden zuvor, ist die Geschichte flüssig und leicht geschrieben, jedoch nicht so überragend. Mir persönlich fehlten die schönen Beschreibungen der Kulturen und Landschaften, sowie die vielen kleinen Anekdoten, die dem Leser etwas beibrachten. Gerade letzteres trat erst wieder auf den letzten Seiten auf. Ich hätte mir mehr davon gewünscht! Irgendwie gingen diese Punkte in dem Herumalbern der Figuren unter, was leider auch nicht so spritzig war wie zuvor. Viele Witze wirkten erzwungen, gewollt komisch, brachten mich aber nur selten zum Lachen. Die Huhn/Hahn-Komik empfand ich sogar nur nervig.

Lob und Kritik : Das Schema der Geschichte glich den beiden Vorgängern. Die Zwillinge stürzen ins Abenteuer, ständig geht etwas schief, Vater wird k.o. geschlagen, ein skurriles Tier verhilft ihnen weiter, … dennoch konnte das Buch mich nicht so fesseln. Das lag auch mitunter an den Wiederholungen, teils inhaltslosen Dialogen, die das eh kurze Buch unnötig streckten und so sich die Mitte der Geschichte recht zäh las. Kleinere Logikfehler und Ungereimtheiten gesellten sich dazu, sowie ich auf den letzten 50 Seiten dieser Reihe immer mit Fehlern im Buchsatz zu kämpfen habe – all das schmälerte das Lesevergnügen weiter und weiter.

Zusammenfassend : Trotz der eigentümlichen Zwillinge, die man einfach ins Herz schließen muss, zog sich der dritte Band. Der Witz und die tollen Details, die ich schon in den ersten Abenteuern schätze, fehlten leider in diesem, daher vergebe ich nur 3 von 5 möglichen Sternen für „Wir ringen nicht mit Tintenfischringen“.

April 4 2014

Rezension : Robin Sloan – Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbras

– Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbras –

Robin Sloan

352 Seiten

Karl Blessing Verlag

Weitere Informationen findet ihr auf der Verlagsseite oder der Website des Autors.

– VORWEG: SPOILERALARM. ANDERS FUNKTIONIERT DIE REZENSION DIESES WUNDERBAREN BUCHS NICHT. VERZEIHT. 😉 –

Über den Autor: Robin Sloan wurde 1979 in der Nähe von Detroit geboren und hat an der Michigan State University Wirtschaftswissenschaften studiert. Er hat für Twitter und verschiedene andere Onlineplattformen gearbeitet und schreibt gerade an einem neuen Roman. Er lebt in San Francisco.

Inhalt: Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.

Das Cover: So, so, so schön! Es passt einfach super gut zu Penumbras Buchhandlung und der Gesellschaft, die dahinter steckt. Mit einem Blick weiß der Leser: In diesem Buch geht es um Bücher. Jede Menge Bücher. 🙂

Sprache und Figuren: Von der ersten Seite an habe ich mich in dieses Buch verliebt. Die Sprache ist flüssig, aber nicht zu einfach, geleitet durch die Geschichte und fädelt nahtlos Rückblicke ein. Außerdem trifft der Erzähler genau meinen Humor.  Die Dialoge sind bis auf das letzte Wort abgestimmt, spritzig und natürlich witzig. Nach dem ersten Drittel des Buchs trifft der Leser auf viele technischen Begriffe, Programmiersprachen, Singularität, ab da an gewinnt der Text einen Touch von Sci-Fi, dennoch macht es ihn nicht unverständlicher. Ich habe ein gewisses Basiswissen, daher flogen für mich die Seiten problemlos unter den Fingern davon. Ich fand es sogar sehr gut eingebaut, denn trotz Beschreibung und Einsatz eines High-Tech-Bücherscanners, las ich die Liebe zu Büchern aus der Erzählstimme immer heraus.

Unangefochten an der Spitze steht jedoch Clay. Manchmal ein bisschen verpeilt, aber definitiv Heldenmaterial. Und natürlich trifft Clay auf ein Mädchen, auf Kat, eine Google-Mitarbeiterin, die ihm neuen Ehrgeiz und neue Ideen in den Kopf setzt, u.a. auch weil er Kat beeindrucken möchte. Er ist ja nicht dumm, im Gegenteil, eher herzensgut und innovativ, in der Vergangenheit lediglich zu wenig geschätzt. (Er hat einfach einen Tiefschlag zu viel erlitten.) Ich fand es klasse, wie sehr er sich für Penumbra einsetzte. Es hätte ihn auch einfach egal sein können, dass die Buchhandlung dicht machte, aber nein, er mobilisiert alle Kräfte und reist ihm nach New York hinterher. Ebenso passt die Beschreibung, dass man für ein Abenteuer einen Kämpfer (Neel), eine Zauberin (Kat) und einen Schurken (Clay) braucht. Er ist ein klein wenig schurkisch, „schummelt“ beim Rätsel und will das geheimste Buch abscannen.

Kundschaft und Clays Freunde werden wunderbar personifiziert und vorgestellt. Wie aus dem Leben gegriffen, mit Ecken, Kanten und Absonderlichkeiten – ganz toll! Die Handlung ist zwar nicht megaspannend, aber so kurios, dass ich das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte.

Neel war meine liebste Nebenfigur. Einerseits diese Rollenspielwitze, die er mit Clay macht, dann seine Firma, die die Brüste animiert! Haha! 😀 Als würde der Kleinjungentraum eines jeden gemobbten Nerds in ihm wahr werden. Er verdient sein Geld mit Brüsten und wie sarkastisch der Autor dies wiedergibt! Ich musste das Buch wirklich vor Lachen kurz weglegen. Auch Kat wuchs mir mehr ans Herz. Sie ist eine unglaublich intelligente Frau voller Tatendrang, und doch voller Zweifel.

Lob und Kritik: Die tausend und eine Anspielung auf Bücher, Technik, Rollenspiele, … Ich habe jede Einzelne genossen.

Es haben sich während der Leserunde einige negative Stimmen gesammelt, an die ich mich aber nicht anschließe. Ich finde das Buch gelungen. Ebenfalls stört es mich nicht, wie viel Technik, Programme und wie viel Google in dem Buch verbaut sind. Ich finde die Mischung aus Altem und Neuem sehr gut, erfrischend, anders, neu. Im Nachhinein hat sogar das extreme Einbauen von Google, das so vielen negativ aufgestoßen ist, seinen Sinn. Und jetzt mal ehrlich, Google durchsetzt sehr wohl unser Leben und die Möglichkeiten, die im Buch aufgegriffen werden, liegen im Bereich des Machbaren und Realistischen.

Eine Mischung aus Tradition und Innovation. Herrlich, wie der Autor die Kontroversen des Buchmarkts anspricht, Ebooks, Amazon, ect. Man wird nicht belehrt, es wird nicht verteufelt, eher hatte ich das Gefühl, dass in die Handlung die einzelnen Standpunkte eingeflochten werden, sodass man sich sein eigenes Bild machen kann. Die Aussage: Alte und neue Medien können sehr wohl miteinander existieren. Haben sehr wohl ihre Vor- und Nachteile. Und die neue Technik ist zwar hervorragender denn je, aber auch sie schafft nicht alles. So war ich zum Beispiel ganz überrascht, wie offen Penumbra mit E-Readern und Bücherscannern umging. Das hätte ich von einem alten, jahrelangen Buchhändler nicht erwartet.

Dafür fielen mir fast die Augen aus dem Kopf, als ich das Geheimnis von Clays geliebter Drachenlied-Trilogie herausfand. Ich glaube, so etwas wünscht sich jeder leidenschaftliche Fantasyleser, aber sowas von. Das war jedenfalls klasse! Spitzfindig, klug durchdacht und mit Unterstützung seiner Freunde kommt Clay der Auflösung immer näher. So macht Lesen Spaß.

Das gewählte Ende und die Verschlüsselung. Simpel. Sehr schön. Rundet das Buch perfekt ab. Jeder hat nach der Formel für Unsterblichkeit gesucht, aber wie heißt das Sprichwort so schön? Der Weg ist das Ziel. Und so fanden auch Geritzoon und Manutius Unsterblichkeit. Und Clay kann – genauso wie die beiden Jahrhunderte zuvor – auch nur bestehen durch den festen Zusammenhalt seiner Freunde, gemeinsame Träume und den gemeinsamen Ideen.

Zusammenfassend: Das ist mein Buch! Der Humor ist genial! So nerdig, obwohl die Figuren sich auf einer Art magischen Indiana-Jones-Queste mit High-Tech-Ausrüstung befinden. Der Genre-Mix ist wirklich gut gelungen. Genauso wie die Detailverarbeitung, eigentliche Nebensächlichkeiten – wie Grumble – bringen genug Wenden in die Handlung, alles ist wichtig, alles ist miteinander vernetzt. Sehr, sehr gut! Daher vergebe ich 5 von 5 möglichen Sternen und bedanke mich abschließend für das Rezensionsexemplar und die Möglichkeit bei der Leserunde von Wasliestdu.de teilzunehmen.

März 24 2014

Rezension : Keith Donohue – Sommernachtsfrauen

– Sommernachtsfrauen –

Keith Donohue

367 Seiten

C. Bertelsmann Verlag

Der Autor: Keith Donohue lebt mit seiner Familie in der Nähe von Washington D.C. Er war lange für die nationale Kulturstiftung tätig, bevor er Schriftsteller wurde. Sein erster Roman »Das gestohlene Kind« war ein großer internationaler Erfolg, eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

Inhalt: Jack erwacht in einer Juninacht und wundert sich, wie ihm geschieht. Wenn er doch nur wüsste, wie er sich den Kopf blutig gestoßen hat. Doch kommt er kaum zum Nachdenken, denn in einem großen Wirbel tauchen nacheinander acht faszinierende Frauen auf, die Jack für ihr Schicksal verantwortlich machen wollen: sei es die junge Ureinwohnerin, die einen Mann heiratet, der sich in einen Bären verwandeln kann, sei es die Frau aus Salem, die für eine Hexe gehalten wurde. Mythologie, Geschichte und Fantasy sind in diesem phantastischen Roman zu einer großen Reise durch die Zeiten verknüpft.“ (Quelle: Bertelsmann)

Cover & Titel: Schlichter als im englischen Original, aber dennoch passend für den Inhalt, der sich ähnlich wie auf dem Bild in einer Blase, fernab von Realität und Gegenwart abspielt. Dafür finde ich den Titel einfach toll gewählt, jede der acht Frauen erzählt ihre Geschichte, beginnend oder enden im Sommermonat Juni.

Figuren: Jacks Figur beginnt nichtssagend und vielleicht habe ich mir deshalb so schwer getan, mich an ihn zu gewöhnen. Das Buch beginnt mit seinem Sturz im Badezimmer, der Leser sieht Jack also nie in seinem wirklichen Leben agieren, sondern nur in der Traumblase, in der die acht Frauen und Beckett ihn aufsuchen. Er tritt sozusagen in den Hintergrund, lässt sich indirekt charakterisieren, da jede Frau ein Stück seiner Seele widerspiegelt. Die Frauen jedoch sind einmalig. Sei es die junge Indianerin, das Baseballmädchen oder stolze Goldwäscherin. Wild, leidenschaftlich, treu, ehrgeizig. Und obwohl sie nur kurz und epidosenhaft ihre Leben wiedergeben, konnte ich sie beim Lesen greifen. Jedes Schicksal empfand ich mit, Donohue schaffte es trotz der wenigen Worte, die er für die einzelnen Frauen übrig hatte, ihre Geschichte lebhaft zu zeichnen. Danach glaubte ich die Frauen und die Epochen und Jahrzehnte, aus denen sie stammten,  zu kennen und zu verstehen, sann einen Moment über ihre traurigen Erlebnisse nach.

Lob & Kritik: Klappe und Cover haben in mir andere Erwartungen geweckt, gerade das Wörtchen „Zeitreise“ hat mich auf eine falsche Fährte gelockt. Deswegen hatte ich auf den ersten hundert Seiten Probleme, in den Text zu finden, eigentlich mag ich keine Episodengeschichten. Weder im Film noch als Buch. Doch Donohue entwickelt mit den Seiten einen solchen Sogeffekt, obwohl die Figuren sich größtenteils in einem Badezimmer aufhalten, ich konnte das Buch nicht zur Seite legen. Ich wollte wissen, was sich hinter den anderen Frauen verbirgt, was mit Jack geschehen ist.  Die Sprache war so unglaublich flüssig! Verschachtelt, wunderlich, poetisch, aber klug und stilistisch sehr gut verfasst. Auf kleinsten Raum ballen sich die Lasten vieler Leben, Leid, Traurigkeit, Freude, Hoffnung, Liebe, doch wirkt es nicht gestellt oder erzwungen. Im Gegenteil die Erzählungen sind von Weisheit und Intelligenz geprägt, sowie einer guten Prise absurden Humors. Und gerade diese Absurditäten, Magie, übergroße Eisbälle, Gold waschen in der Badewanne, diese phantastischen Raum-Zeit-Verzerrungen machen „Sommernachtsfrauen“ aus, es ist nicht immer von Spannung geprägt, aber beim Lesen konnte ich mir nie sicher sein, was als nächstes passiert. Was die Figuren neben Coktails noch aus dem Medizinschränkchen fischen. Dieses Buch zu lesen, ist wie einen Dali auseinander zu nehmen.

Wenn man das Buch zuklappt, hat man nicht das Gefühl, es sei zu Ende. So wie Jack beginnt eine neue Runde, ein neuer Abschnitt und das fand ich erstaunlich: dieses Buch hat mich mit einer neuen Sichtweise zurückgelassen.

Besonders gefallen haben mir außerdem die Symbole, die sich quer über die Seiten verstecken. Die Anspielungen auf Beckett und sein Stück „Warten auf Godot“ oder die sprechende Katze Harpo.

Zusammenfassend: Kuiros. Surreal. Magisch. Eines der seltsamsten Bücher, das ich seit Langem gelesen habe. Wie ein Traum im Traum, eigentlich passiert nichts und gleichzeitig passiert zwischen den Zeilen unglaublich viel. Man sagt ja, im Moment des Todes zieht das Leben an einem vorbei, Donohue nimmt es wörtlicher, Jack begegnet den Frauen aus seinen vorherigen Leben. Erzählt Geschichten aus dem Alltäglichen, von den Wundern und den Irrtümern des Lebens geprägt. Es ist ein leises Buch, aber nichtsdetotrotz phantastisch. Daher vergebe ich für „Sommernachtsfrauen“ 4 von 5 möglichen Sternen und bedanke mich abschließend für das Rezensionsexemplar.

Februar 1 2014

Rezension : Die Bücher von Umber 01 – Der gefundene Junge

– Die Bücher von Umber 01 – Der gefundene Junge –

P.W. Catanese

320 Seiten

Carlsen Verlag

ab ca. zehn Jahren

Über den Autor: P.W. Catanese lebt mit seiner Frau und drei Kindern in einer kleinen Stadt in Connecticut. Wenn er nicht gerade Cartoons zeichnet oder schreibt, arbeitet er für eine Werbeagentur. Mehr über den Autor auf www.pwcatanese.com (Quelle: Carlsen)

Inhalt: „Als Hap in einer dunklen Höhle erwacht, kann er sich an überhaupt nichts erinnern – nicht einmal daran, wer er ist. Auch der Mann, der sich seiner annimmt, ist ihm vollkommen unbekannt: Lord Umber, zugleich Abenteurer, Erfinder und Wissenschaftler. Mit Hilfe von Boroon, einem Wal, der ein U-Boot auf dem Rücken trägt, reisen Lord Umber und Hap in die geheimnisvolle Stadt Kurahaven. Gemeinsam versuchen sie, etwas über Haps Vergangenheit herauszufinden, und stoßen auf ein Rätsel nach dem anderen: Warum kann er alle Bücher in Lord Umbers Bibliothek lesen, egal, in welcher Sprache sie geschrieben sind? Wieso kann er im Dunkeln sehen? Und wer ist dieses gruselige Ungeheuer, das Hap dicht auf den Fersen ist?“ (Quelle: Carlsen)

Das Cover: Es geht sogleich phantastisch los mit der Walfischbarke, die aus den Wellen hervor bricht. Vielleicht hatte ich aufgrund des Covers eher mit einem Buch gerechnet, dass für junge Erwachsene geeignet ist, dennoch tut es dem schönen Cover keinen Abbruch. In diesem Buch erwartet dich ein Abenteuer – das ist die Aussage und die stimmt sehr wohl.

Sprache und Figuren: Der Autor wählte eine flüssige Sprache, der man leicht folgen kann. Dennoch gelingt es ihm die fremde Welt, in der das Buch spielt, gut zu zeichnen. Die Details sind vielleicht nicht immer alle völlig neu (besonders nicht, wenn man schon einige Bücher in diesem Genre gelesen hat), aber er beschreibt lebhaft und stimmungsvoll. Gerade Kurahaven und die Festung Aerie, in der der Großteil der Handlung spielt, konnte ich mir richtig gut vorstellen.

Cataneses Stärke liegt meiner Meinung nach in seinen Figuren. Liebevoll mit Details ausgezeichnet, besitzen selbst die Nebenfiguren ihre ganz persönlichen Eigenarten und Sprachweisen. Die zentralen Figuren wirkten auf mich richtig, richtig stark. Oates, der grimmige Kämpfer, der immer die Wahrheit sagen muss, die schnippische Hausvorsteherin Lady Tru und der neugierige Hap, der ohne Erinnerungen noch unsicher auftritt und in seinen Dialogen versucht, bloß nicht anzuecken. Und natürlich Lord Umber, der intelligente, leicht überdrehte und irgendwie immer begeisterte Erfinder und Abenteurer. Umber habe ich sofort ins Herz geschlossen, mit seinen Macken, Eigenarten und Geheimnissen war er für mich die faszinierendste Figur.
Aufgrund der Fülle von Figuren und kleinen Abenteuern mit Nebenfiguren fehlte vielleicht einigen Personen die Tiefe, aber darüber sehe ich hinweg. Denn gerade Umber und Hap, um die sich die Geschichte hauptsächlich dreht, wirken durchaus dreidimensional.

Lob und Kritik:

Spaß gemacht, hat mir der episodenartige Aufbau des Buchs. Kapitel für Kapitel zogen Tempo und die (wenn auch moderate) Spannung an, am Ende überschlug sich die Handlung dann fast. Auch wenn viele von Haps Erlebnissen wie abgeschlossen wirkten, so ergaben sie am Ende ein großes Ganzes, die Fäden waren sozusagen alle miteinander verknüpft.

Definitiv geht ein Kritikpunkt an die Vermarktung des Buchs. Auf der Verlagsseite wird es für Leser zwischen zwölf und fünfzehn Jahren angeboten. Dabei ist es eine kindliche Geschichte ohne große Gewaltszenen, Verliebtheiten oder Dramatik. Abenteuer, Rätsel und Freundschaft stehen im Vordergrund und werden umrahmt von durchaus witzigen Dialogen und komischen Figuren. Eigentlich genau die richtige Mischung für ein Kinderbuch!

Zusammenfassend: Phantasievoll, leicht und flüssig zu lesen, humorvollen Figuren und mit ein bisschen weniger Spannung als erwartet, aber dafür ein superschönes Abenteuerbuch für Leser zwischen zehn und dreizehn Jahren. Daher vergebe ich vier von fünf möglichen Sternen.

Januar 25 2014

Rezension : Jay Asher & Carolyn Mackler – Wir beide, irgendwann

– Wir beide, irgendwann – 

Jay Asher & Carolyn Mackler

cbt Verlag

400 Seiten

Weitere Infos und eine Leseprobe findet ihr auf der Verlagsseite.

Inhalt: „Im Mai 1996 bekommt die 16-jährige Emma ihren ersten Computer geschenkt. Mithilfe ihres besten Freunds Josh loggt sie sich ein und gelangt zufällig auf ihre eigene Facebook-Seite – 15 Jahre später. Geschockt stellt sie fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und unglücklich verheiratet sein wird. Josh hingegen, bislang alles andere als ein Frauenheld (der erst kürzlich von Emma einen Korb bekommen hat), wird das hübscheste Mädchen der ganzen Schule heiraten und zudem seinen Traumjob ergattern. Emma ist jedoch nicht gewillt, sehenden Auges in ihr Unglück zu laufen. Um das Zusammentreffen mit dem Jungen zu verhindern, der sie später mal unglücklich machen wird, beginnt sie, bewusste Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Doch der Versuch, in ihr Schicksal einzugreifen und dadurch ihr künftiges Facebook-Profil zu verändern, setzt eine fatale Kettenreaktion in Gang …“ (Quelle: cbt)

Figuren: Liebenswert, nachvollziehbar, dreidimensional. Emma ist auf der Suche nach dem perfekten Freund/Ehemann, obwohl sie gar nicht an die richtige Liebe glaubt. Josh wiederum eher der unsichtbare, unscheinbate – aber typisch nette – Junge. Beide sind Freunde von Kindesbeinen an, bis Josh mehr wollte als nur Freundschaft.  Nach Monaten des Ausweichens nähern sie sich durch Emmas Entdeckung von Facebook wieder an. Emma beeinflusst rücksichtslos ihre Zukunft – hauptsache sie ist glücklich, erfolgreich, …. Josh geht mit Facebook zurückhaltender um und umsichtiger, was die Veränderungen in der Zukunft betreffen.
Dennoch müssen sich beide der Frage stellen, was sie in der Gegenwart wollen und wie diese Entscheidungen die Zukunft beeinflussen werden.

Sprache: Jugendlich, trotz der Zeitreise in die Neunziger nicht altbacken, sondern so wie man die Sprache von damals noch in Erinnerung hat. Pluspunk hierbei: Trotz der gewählten zwei Ich-Perspektiven von Josh und Emma unterscheiden die Figuren sich in Sprache und ihrem Verhalten mühelos. Ansonsten liest sich das Buch leicht und locker – ein richtiger Page-Turner.

Lob und Kritik: Nostalgie pur! VHS, AOL, Seinfeld, die Geschichte versetzt einem beim Lesen zwanzig Jahre in die Vergangenheit.
Das Thema, ob man wissen sollte, was in der Zukunft passiert, ist gut umgesetzt – pro wie contra wird gut beleuchtet. Bzw. auch die Konsequenzen und Gefahren, die daraus entstehen können.
Genauso zeigt das Buch, wie schnell man von Facebook abhängig wird, seinen Reizen verfällt und man nur noch Stati postet oder liest, anstatt in der Gegenwart zu leben. Im Großen und Ganzen wird das Thema „Facebook“ ironisch dargestellt. Ja, warum sollten Menschen so etwas Belangloses wie ihr Abendessen für alle Welt sichtbar ins Internet stellen? Diese kleine Gedankenanstöße haben mich zum Grübeln gebracht. Außerdem fand ich die Vorstellung, dass mein FB-Account plötzlich die Zukunft anzeigen könnte sehr, sehr, sehr gruselig. So gesehen zwar eine lockere Geschichte, aber mit einer versteckten Aussage.
Ich hatte zwar mit einem etwas anderem Schluss gerechnet, aber das gewählte Ende rundet die Geschichte zweifellos ab.  An manchen Stellen empfand ich persönlich das Buch etwas zu seicht. Die Figuren und deren Überzeugungen bewegten mich aber zum Weiterlesen, wenn es dieses Mal die Dramatik dies nicht schaffte.

Zusammenfassend: Eine süße Teenagergeschichte, nostalgisch aufgrund des Settings in 1996, aber überzeugend dank der liebenswerten Figuren. Obwohl das Thema eher ernst ist, bleibt „Wir beide, irgendwann“ locker geschrieben und bietet sich damit als Entspannungslektüre an. 400 Seiten zum genießen, treiben lassen und doch regen sie zum Nachdenken an. Daher vergebe ich 4 von 5 möglichen Sternen.