August 10 2011

Ein letztes Mal vor den Sommerferien

Am 23. Juni endete meine Lesereise für das Schuljahr 10/11 im schönen Paulinenaue; Brandenburg. Der Tag startete mit gemischten Gefühlen.  Ich war traurig, dass es meine letzte Lesung war. Ich war glücklich, endlich Sommerferien zu haben und dank des unbeständigen Wetters der Tage davor, kündigte sich eine Erkältung an. Mal ehrlich in dieser Woche wurde ich von Regenschauern so oft durchnässt, ich muss einen neuen Rekord aufgestellt haben.
Praktischerweise glich der Weg nach Paulinenaue dem nach Nennhausen, nur dass ich auf den letzten Kilometern einen Knick nach rechts und nicht nach links machen musste. Das schaffte ich selbst mit Kopfschmerzen. 😉 Der Ort selbst liegt gut versteckt zwischen Wiesen und auf den ersten Blick gruseligen Wäldern (nach zwei Metern sieht man nur noch Dunkelheit) und viele kleine „Schlösschen“ hießen mich willkommen. Ich fragte mich echt, wo ich dieses Mal gelandet war. Ein Traumhaus mit Garten stand neben dem nächsten. Sie variierten nur nach dem Geschmack des Besitzers. Vom riesigen Bungalow bis zur griechischen Säulenvariante.
Das Erste, das ich außerhalb meines Autos hörte, war das Krähen eines Hahns. Friedlich, ländlich, verschlafen. Paulinenaue.
Leider habe ich morgens kein Bild mehr von der Sonnenblumenarmee gemacht, die vor der Karibu Grundschule ausharrte, und nach meinem Lesungen schüttete es aus Kübeln. Der Tag selbst lief in der Schulbibliothek ab, die auf den ersten Blick mit Büchern zugestellt wirkte. Oder anders gesagt, als Schüler in Paulinenaue würde ich mich immer zwischen den Gängen verstecken. 😉  Wie so viele Bibliotheken vermutete ich auch hier, dass sie sich aus Spenden zusammensetzte. Die Mischung aus gefühlt 20 Jahre alten Bänden und Neuerscheinungen war auf jeden Fall kurios. Wegen der vollständigen Buffy-Reihe verspürte ich Neid, gleichzeitig habe ich mich nicht getraut, die Panasonic-Schreibmaschine, die verstaubt in einer Ecke schlief, anzufassen. Ein wahres Relikt.
Zunächst las ich vor einer fünften Klasse vor, die erstaunlich aufgeweckt war. Es hat ihnen Spaß gemacht, hörten mit leuchtenden Augen zu. Für mich war es ein wenig ungewohnt mit Kopfschmerzen zu lesen – da streikt so gern die Konzentration – aber wenn Schüler freiwillig ihre Pause verschieben und danach zurück zu ihren Stühlen sprinten? Da lese ich auch mit Kopfweh und verschnupfter Nase. 😉
Hier ihre ausgefallensten Berufswünsche:

  1. Toilettentiefseetaucher
  2. Lkw-Fahrerin
  3. Haijäger
  4. Tornadojäger
  5. Monstertruckfahrer
  6. Zwar nicht von der Berufsart, aber von der Häufigkeit auffällig: Angler. Der Ort muss eine wahre Angleridylle sein.

In der großen Pause, die die Lesungen trennte, lernte ich dann den Tornadojäger noch etwas besser kennen und mir wurde schnell klar, der Junge war nicht zu stoppen. Er redete, redete, und redete, erzählte komplett den Film ‚Twister‘ nach, den er gerade gesehen hatte. Zum Glück verrieten mir seine Freunde, dass man einfach etwas erwidern oder von selbst das Thema wechseln sollte, sonst hört er nie auf. Interessanter Hinweis, besonders, da er am Ende der Pause kam. 😉
Die Lesung in der folgenden sechsten Klasse stellte sich als mühselig heraus. Es war bereits die siebte Stunde und wir wollten einfach alle nach Hause. Die Schüler und meine Erkältung erst recht. Dennoch gab ich mir Mühe, auch wenn ich ständig daran dachte, die Texte ein letztes Mal zu lesen. Ob ich die Parts nach den Sommerferien immer noch auswendig kann? Jeder Satz war ein Abschied, mit jeder umgeblätterten Seite rückte das Ende näher. Ich fühlte mich traurig und euphorisch zu gleich. Das ist eine seltsame Mischung, ernsthaft.
Trotz allem blieben nach der Lesung ein paar Kinder zurück, um mir noch Fragen zu stellen und weiter über Timmy zu diskutieren. Sie winkten sogar, als ich mich auf den Rückweg zu meinem Auto machte. Leider erwischte mich auf diesen hundert Metern wieder ein Regenschauer, als ob ich die magisch anziehen würde! Daher endete meine letzte Lesung ungemütlich für meine Gesundheit. Zwei Mal durchnässt, durchgefroren und bis ich zu Hause war, hatte die Erkältung richtig zugeschlagen. Aber wofür hat man denn »Sommerferien«? Ich jedenfalls habe mir erstmal eine Pause gegönnt, um die Akkus für die zweite Runde meiner Lesereise im Schuljahr 2011/12 aufzuladen.
Es wird also eine Fortsetzung dieser Berichte geben. 😉




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Veröffentlicht10. August 2011 von Cornelia Franke in Kategorie "Lesungen

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