Die vorletzte Station meiner Lesereise war die Märkische Grundschule in Berlin Reinickendorf. Vier wunderbare und lustige habe ich die Europaschule besucht, die sowohl in Deutsch als auch Französisch unterrichtet.
In der wohl kältesten Woche des noch jungen Jahres 2012 gestaltete sich dennoch mein Besuch als schwieriger, als gedacht. Mein blödes Dieselauto war eingefroren und plötzlich nahm sich jeder in meiner Familie vor, als Taxi zu fungieren. Selten habe ich sooft besprechen müssen, wann ich wo bin, wo ich hinwill, und ob das nicht zehn Minuten früher geht. Und oft genug gedacht, hättest du einfach die BVG genommen.
Bei meinen Besuch wanderte ich durch die vierten bis sechsten Klassen, um einmal „Timmy und die Allergomörder“ vorzustellen und dann auch einen Kreativ Workshop zum Thema „Abenteuer&Freundschaft“ abzuhalten. Zunächst war ich erstaunt und auch froh, dass trotz der gerade geendeten Winterferien alle Klassen, die Leseprobe gelesen hatten und einige Kinder noch erstaunlich viel wussten. Zusammenfassungen konnte ich mir sparen.
Sonst haben die Kinder ganz unterschiedlich reagiert. Die Lesungen waren zwar kurz, und einige Situationen bin ich im zweiten Jahr meiner Lesereise bereits gewöhnt, aber eine vierte Klasse hat mich ganz schön ins Schwitzen gebracht. Die Fragen! Herrlich! „Wenn jeder Bürger einen Beruf haben muss und sich bei den Ämtern einträgt, wieso sind die Allergomörder dann geheim? Wenn die Allergomörder keine Spuren hinterlassen, wieso weiß der Arzt denn, woran der Mann gestorben ist?“
Von wegen Routine, da muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht die falschen Antworten gibt!
Lustigerweise haben die vierten Klasse beim Workshop deutlich mehr geschrieben als die älteren Klassenstufen. Die Jungs und Mädchen konnte man gar nicht bremsen. Detektive, Dinosaurier, Fußball, Schlachten vs. Freundschaften, Pferde und Fantasiegestalten. Obwohl ich den Kindern sagte, dass jeder seine eigen Geschichte schreiben sollte, mit seinen eigenen Figuren (ans Star Wars-Universum anlehnen oder die Insel von Jurassic Park ausleihen ist in Ordnung), haben doch ein paar versucht, mich zu linken. Zu dumm, dass ich die Animes und Filme kannte, die sie nacherzählten. Auch wenn es ziemlich peinlich ist, einen zehnjährigen zu erklären, dass man Conan, YuGiOh oder OnePiece gesehen hat, bevor er überhaupt laufen konnte…
Dafür gab es auch den ersten Jungen, der mir erklärte, er habe viel Neues gelernt und würde jetzt besser Geschichten schreiben. Und den ersten Jungen, der während eines Gefühlsausbruchs heulend sein Blatt zerriss, weil seine Lehrerin und ich versuchten zu erklären, dass seine Geschichte nicht verständlich ist …
Gleichzeitig konnte ich meine Französischkenntnisse wieder aufpolieren. Wenn man bedenkt, dass ich einmal die DELF B1 Prüfung bestanden habe, aber jetzt kein Wort mehr spreche? (Bonjour und dergleichen zählt nicht.) Da ist es doch ein schönes Gefühl, dass ich zwar nicht antworten kann, aber das Gesprochene verstehe. Sogar, die Geschichten, da es den Schülern freigestellt war, ob sie in ihrer Muttersprache oder Fremdsprache schreiben wollten.
Alles in allem war die Märkische Grundschule eine sehr nette Schule. Ich wurde freundlich empfangen, mit Kaffee und allem möglichen Essbaren verwöhnt und auch herzlich aufgenommen.

Lesung Märkische Grundschule

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.