DIESE REZENSION BEZIEHT SICH AUF DIE TASCHENBUCHAUSGAGE MIT DEM EXKLUSIVEN BONUSPROLOG

Inhalt:In London kreuzen Luftschiffe am Himmel, dampfbetriebene Automaten erledigen die niederen Arbeiten, und von jungen Mädchen wird vor allem eines erwartet – anständig sein und hübsch aussehen. Mit Letzterem kann sie durchaus dienen, aber mit der Sittsamkeit hapert es bei Finley Jayne gewaltig, denn sie ist übermenschlich stark, und wenn ihr Temperament mit ihr durchgeht, kann es für ihre Kontrahenten schon mal böse enden. Als sie deshalb ihre Anstellung im noblen Haushalt der Familie August-Raynes verliert, scheint Finleys Schicksal besiegelt. Aber dann begegnet sie dem jungen Adligen Griffin, der gemeinsam mit seinen Freunden die wunderlichsten Experimente veranstaltet. Und Finley passt perfekt in die bunt gemischte Truppe, denn Griffin und seine Freunde haben ebenfalls übernatürliche Fähigkeiten, die sie im Kampf gegen das Böse auf den Straßen Londons einsetzen. Doch Finley trägt eine dunkle Seite in sich, und obwohl Griffin zarte Gefühle in ihr erweckt, fühlt sie sich auch zu dem zwielichtigen Gangster Jack Dandy hingezogen. Als Griffin und seine Freunde einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommen, die nicht nur Königin Victoria, sondern das ganze Empire bedroht, muss Finley sich entscheiden …“ (Quelle: Heyne fliegt)

Sprache und Figuren: Das Buch liest sich leicht und flüssig, die Autorin beweist einen angenehmen Schreibstil, wobei ich mir hin und wieder ein paar mehr Details bezüglich der Umgebung gewünscht habe. Finleys Prinzessinnenkleid z.B. wurde zwar detailliert beschrieben, manche Ortswechsel oder Fahrten durch die Stadt konnte ich mir nur schwer vorstellen.
Gut gefallen haben mir die Spielchen, die sich die Autorin mit der Sprechweise der Figuren erlaubt hat. Jack Dandy, der zwischen Jargon und wohlerzogenen Peer wechselt, Emily mit ihrem irischen Zungenschlag und die Scherze, mit denen die Figuren Griffin aufzogen, wenn sie seine Durchlaucht überhöflich ansprachen und neckten.

Finley ist eine liebenswerte Figur. Ich habe mitgelitten, wie sie ihre beiden Seiten sie hin- und herreißen; in so einer Situation möchte wohl niemand stecken. Sie ist klug, mutig und doch aufgrund ihrer seltsamen Fähigkeiten misstrauisch genug, um nicht gleich jeden zu vertrauen. Es dauerte eine Weile, bis sie sich in die Gruppe um Griffin einfügte, immer wieder plagten sie Zweifel, ob der Duke of Greythorne nicht doch etwas von ihr als Gegenleistung erwartet, oder wann sie wegen den vielen Staub, den sie in London aufwirbelt, doch vor die Tür gesetzt wird.

Angenehm war es in meinen Augen ebenso, dass die aufkommende Anziehung zwischen Finley und Griffin, sowie Emily und ihren beiden Verehrern, zwar immer wieder aufblitzt, jedoch dies nicht die Haupthandlung überlagert. Die Suche nach dem Maschinisten, Sams Zorn, die Vereinigung von Finleys beiden Seiten steht im Vordergrund. Plus eine gute Portion fürs Herz. Aber eben nicht übertrieben.

Am meisten ins Herz geschlossen, habe ich dennoch die kleine Erfinderin Emiliy. Neben den außergewöhnlichen Fähigkeiten von Griff, Finley und Sam wirkt sie vielleicht wie die Schwächste, dennoch zeigt sie für mich die größte Stärke. Sie ist diejenige, die ihre Freunde zusammenflicken muss, sie ausstattet und die Erfindungen, die Sieg oder Niederlage entscheiden können, bastelt. Oder eben auch nicht fertiggestellt bekommt. (Ich möchte ja nicht zu viel spoilern!) Dass sie mit ihren Freunden in den Kampf zieht, ihnen bei den Abenteuern beisteht, empfand ich umso erstaunlicher. Ja, Emily war mir die Liebste. Vielleicht auch wegen der dramatischen Entwicklung, die sich zwischen ihr und Sam abzeichnete … 😉

Jasper blieb irgendwie im Dunklen und undurchschaubar. Genauso wie Jack Dandy. Ja, er ist geheimnisvoll, irgendwie verwegen und als Unterweltenboss genau das, was Finleys dunkle Seite anspricht, dennoch wurde ich aus ihm nicht schlau. Vielleicht war das auch Absicht, immerhin wird die Dreiecksgeschichte zwischen ihm, Finley und Griffin sicherlich eine Fortsetzung finden.

Lob und Kritik: Seit Langem habe ich mir wieder Steampunk vorgenommen und wurde positiv überrascht. Die Autorin schaffte es erstaunlich gut, die Thematik in die Geschichte einzuflechten, ohne dass ich mich beim Lesen erschlagen fühlte, aber die dampfbetriebenen Maschinen auch nicht vergessen konnte. Velos, Hilfsroboter, Tatöwiermaschinen, … Kady Cross bietet einiges auf, ohne jetzt speziell auf die fantastischen Erfindungen von Emiliy einzugehen.

Auch die Thematik, mit der Cross sich beschäftigt, muss ich loben. Maschinen, die ihren eigenen Willen besitzen, Hybriden aus Mensch und Maschine, die ihre eigene Menschlichkeit infrage stellen. Solche Fragen sind – trotz der viktorianischen Kulisse – aktueller denn je. Bedenkt man die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz, die schon eingesetzt hat und noch weiter bevorsteht.

Besonders schön fand ich, dass Klassiker der Epoche in den Handlungsfaden eingeflochten wurden sind. „Mr. Jekyll & Dr. Hyde“, „Frankenstein“, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, die Autorin spielt bereits zwar mit bereits da gewesenen Mustern, aber baut sie geschickt in ihre Darstellung Londons eins. Eine phantastische Darstellung, wenn ich so sagen darf, die einen ins Träumen versetzt.

Als kleinen Kritikpunkt muss ich anmerken, dass sich Bonusprolog und Hauptgeschichte manchmal inhaltlich wiedersprechen. Ging Finley im Prolog auf einen Ball, träumt sie in der eigentlichen Handlung davon, so eine Tanzveranstaltung einmal zu besuchen. Das schmälerte das Lesevergnügen ein wenig. Dennoch hat mir die rund 100 Seiten lange Vorgeschichte gut gefallen. Sie gab noch einmal einen ganz einen Blickwinkel auf Finley frei. Wie diese nach und nach die Veränderungen an sich feststellt, während in der Hauptgeschichte ihre Kräfte dem Leser direkt und mit voller Wucht vor die Nase gesetzt werden. Da ich eh das Gefühl hatte, dass Griffin in der Hauptgeschichte die eigentliche Hauptfigur war (von ihm haben wir unglaublich viel erfahren), habe ich den Bonusprolog umso mehr geschätzt. Ohne ihn hätte ich Finleys Charakter vielleicht sogar falsch aufgefasst.

Genauso verstehe ich nicht, warum dieser Titel gewählt wurde. Das Stahlkorsett spielt nur eine nebensächliche, ja winzige Rolle im Buch. Ich bin davon ausgegangen, dass es eher zentral auftreten würde, aber es wurde von einer Reihe anderer Erfindungen und technischen Entwicklungen überschattet, dass es auf mich fast unwichtig wirkte.

Zusammenfasend: „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ bietet eine rasante Geschichte über Mut und Freundschaft. Finley muss ihre zwei Seiten akzeptieren, die Gute wie die Schlechte, bevor sie daran zerbricht, und der Zusammenhalt von Griffins Gruppe von Außenseitern beweist ein aufs andere Mal, wie wichtig es ist, Fehler und das Dunkle in uns zu verzeihen, aber auch zu verstehen und daraus zu lernen.

Der Bonusprolog war vielleicht nicht der spannendste, dennoch erleichterte er den Einstieg in die Geschichte. Die Hauptgeschichte gestaltete sich spannend, besonders die Suche nach dem geheimnisvollen „Maschinisten“. Dagegen wirkte das Ende etwas zu schnell, aber da noch weitere Bände folgen sollen, kann ich nachvollziehen, dass die Autorin jetzt noch nicht den Kracher aufbietet. Wenn auch die Idee und die Ausführungsweise, wie der Maschinist seine Ziele erreichen wollte, deswegen nicht weniger arglistig war.

Daher vergebe ich für „Das Mädchen im Stahlkorsett“ 4 von 5 möglichen Sternen und freue mich auf Band 2.

Neugierig geworden? Hier der Link zum Buch.

 

Rezension : Kady Cross – Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

2 Gedanken zu „Rezension : Kady Cross – Das Mädchen mit dem Stahlkorsett

  • 23. Mai 2013 um 06:59
    Permalink

    Die Idee des Buch hat durchaus Potential. Woran es mir allerdings gefehlt hat, war die Tiefe. Oft wirkten die Charaktere etwas flach, vor allem solche, die nicht so im Mittelpunkt standen wie Finley oder Griffin. Die Autorin hätte meiner Meinung nach die Idee noch etwas ausarbeiten können. So ganz überzeugen konnte mich das Buch trotz seines hohen Steampunkgehalts nicht. Zwar fand ich das London in dem Buch sehr gut, aber fand ich es etwas schade, dass viele Sachen nicht weiter erklärt und einfach so hingenommen wurden. Außerdem ging mir Finley manchmal ganz schön auf die Nerven, weil sie manchmal so im Selbstmitleid versinkt. Natürlich gab es auch viele Stellen, an denen ich das Buch einfach nur cool fand, und in denen Finley stark und einfach nur Hammer ist.

  • 12. Juni 2013 um 20:21
    Permalink

    Wahrscheinlich habe ich mir allein bei dem Gedanken an London und Steampunk jedoch schon ein wenig zu viel von der Geschichte erhofft, so dass ich meine Erwartungen sehr hoch gesetzt habe und im Endeffekt ein wenig enttäuscht zurückgelassen wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.