Juli 17 2014

Rezension : A. Lee Martinez – Terror der Tentakel

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A. Lee Martinez

368 Seiten

ISBN: 978-3-492-26943-8

Mehr Infos findet ihr auf der Verlagsseite.

Klappentext: „Genie, Superschurke und Alleinherrscher über das Sonnensystem: Mollusk hat es geschafft, dass alle Völker bei seinem Namen erzittern. Doch was soll man tun, wenn man im Leben alles erreicht hat? Wenn es keinen Planeten mehr zu unterwerfen und kein Volk mehr zu versklaven gibt? Das Einzige, was Mollusk tun kann, damit seine grauen Zellen nicht völlig einrosten, ist, sie für das Gute einzusetzen und dafür die Verehrung idiotischer Erdlinge einzuheimsen. Doch die Midlife-Crisis des gelangweilten Ex-Despoten endet jäh, als Finsterling Brain auftaucht. Und plötzlich befindet er sich mit der Venuskriegerin Zala auf einer abenteuerlichen Mission durch Raum und Zeit um die Erde zu … retten?“ (Quelle: Piper)

Über den Autor: „A. Lee Martinez wurde mit seinen phantastischen Romanen zum Star der humorvollen Fantasy. Er lebt in Dallas, Texas, wo er schreibt, jongliert, Videospiele spielt und Zeitreisen unternimmt. Vielleicht ist er ein Geheimzauberer (das wäre allerdings geheim), und es könnte sein, dass er Gartenarbeit mag. Sicher ist jedoch, dass er Lebensläufe nicht ausstehen kann. Und eigentlich hat er auch keinen Spaß an Gartenarbeit. Alles andere an dieser Biografie ist aber absolut korrekt.“ (Quelle: Piper)

Sprache: Wie schon in seinen vorherigen Werken glänzt Martinez mit einem knappen, aber dennoch flüssigem Stil. Er hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, sondern die Figuren und deren Dialoge tragen die Handlung voran. Ich persönlich mag seinen Humor und seinen Stil, obwohl bei „Terror der Tentakel“ unglaublich viele Fachbegriffe verwendet wurden. Daher würde ich es nur denjenigen empfehlen, die sich ein wenig mit Science-Fiction auskennen, sonst versteht man bei den ganzen Begriffen bezüglich Raumschiffe, Singularität, Zeitreisen, Kybernetik und höherer Mathematik nur Bahnhof. So witzig und gelungen die Sprache auch war, hin und wieder erwies sich das Lesen als wirklich anstrengend. (Wobei ich jetzt keine Verständnisprobleme hatte, aber ich beschäftige mich auch schon eine Weile mit der Materie.)

Figuren: Martinez tischt eine Vielzahl an Wesen, Aliens, Kuriositäten, Monstern und Absonderlichkeiten auf. Alle an sich verrückt, einzigartig und mit so liebevollen Details ausgestattet (so wohl in der Eigenart, als auch in Sprache und Aussehen), dass man sie einfach mögen muss. Und darüber lachen! Wie habe ich mich über die Mönche amüsiert und die wuscheligen Mondbewohner (die Neil Amstrong gefressen haben! 😀 ). Martinez sprühte mal wieder vor Kreativität und Leidenschaft an seinem Handwerk. Gleichzeitig fand ich die Anzahl zum Ende hin auch ein wenig übertrieben. Nach den vielen Zwischenabenteuern, bei denen noch mehr neue Randfiguren und noch mehr neue Randfiguren vorgestellt (und teilweise wieder ausradiert) wurden, hat es mir dann gelangt. Serket und den Rat am Schluss konnte ich mir noch nur schwerlich vorstellen. Aber vielleicht erging es auch nur mir so.

Mollusk und Zala. Sehr schön gezeichnete Figuren. Zala, die Soldatin, durch Pflichtgefühl in ihrem Handeln oftmals eingeengt, leicht agressiv und mit einer stets zornigen Laune. Zala hat sich in mein Herz gekämpft, die Idee, eine Art Krokodil als Soldatin von der Venus stammen zu lassen – als wäre man in einem Comic gestrandet. Aber cool, sehr cool!

Der Imperator Mollusk. Seit Langem mal wieder ein intelligenter, narzistischer Anti-Held, der einem trotz (oder gerade wegen?) seiner Überzeugungen ans Herz wächst. Grandiose Darstellung, der Leser ist dank der Ich-Perspektive und des schriftstellerischen Könnens von Martinez direkt bei der Figur und kann sie sich sowohl vorstellen als auch nachvollziehen.

Das beste am Roman sind wohl die Dialoge zwischen Zala und Mollusk. Herrlich. Trocken. Sarkastisch. Bis zum Schluss ließen sie mich schmunzeln.

Lob und Kritik: Ich muss die Anekdoten loben. Martinez schafft in seinem Roman mit Terra eine Parallelwelt zu unserer Erde, die an manchen Stellen nicht ähnlicher, aber auch nicht absonderlicher sein könnte. Aber er zieht die Details so konsequent durch und schafft eine Welt, der man einfach glauben möchte. Sie ist in sich stimmig und sagenhaft.

Die Handlung verläuft actiongeladen und rasant, allerdings auch ein bisschen sprunghaft. Mollusk und Zala müssen viele kleine Abenteuer auf der Suche nach dem Schuldigen bestehen, die sich in punkto Gefahren und Schwierigkeiten zwar steigern, aber von Mollusk auf unkonventionelle Art und Weise gelöst werden. Seine Intelligenz bietet Martinez die Möglichkeit viele Entscheidungen der menschlichen Geschichte anzuprangern, ohne dass dies zum Hauptthema des Buchs wird. Die Kritik ist leise, dennoch im Bezug auf Schlachten, Kriege und politische Entscheidungen eindeutig.

Rückblicke aus Mollusks Zeit als Warlord von Terra waren meine Highlights. Da zeigt Martinez sein Talent. Flüssig, in sich stimmig und ein hervorragender Spiegel, um die wahre Natur des Imperators zu präsentieren. Obwohl ich den Neptuner schon seit dem ersten Kapitel genial fand. Eine Figur zu charakterisieren, indem sie gegen ihren Klon kämpft – genial.

Leider nahm die Geschichte nach zwei Dritteln an Schwung und Komik ab. Die Handlung wirkte gehetzt, nicht mehr so sorgfältig ausgearbeitet wie auf den Seiten davor. Irgendwo im letzten Drittel tat sich mein Kopfkino schwer, ja, ich hatte einen Verdacht, wer hinter den Anschlägen und Hinweisen steckt, aber der Auflösung fehlte etwas. Es lässt sich schwer erfassen. Mollusk änderte sich nicht in seinem Verhalten, Zala ebenso wenig, dennoch wirkte der Abschluss schal gegenüber dem Rest. Dies war wirklich schade.

Zusammenfassend: Abgefahren. Komisch. Fast schon wie ein Comic. Eine kuriose Schnitzeljagd quer durch Terra mit einem hyperintelligenten Anti-Helden, der einem beim Lesen doch ans Herz wächst. Aufgrund von kleineren Mängeln und eines nicht völlig überzeugenden Endes verleihe ich 4 von 5 Sternen an „Terror der Tentakel“ und freue mich riiiiesig auf den nächsten Roman des Autors.




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Veröffentlicht17. Juli 2014 von Cornelia Franke in Kategorie "Rezensionen