März 9 2012

Nikolauslesung GS am Vierrutenberg

Am 6.12.2011 lud mich die Grundschule am Vierrutenberg in Berlin-Lübars erneut zu sich ein. Da der Jahrgang des letzten Schuljahres bereits gewechselt war, durfte ich mit “Timmy und die Allergomörder” die fünften Klassen zum Nikolaustag unterhalten. Ich habe mich auf diese Lesung gefreut. Zum einem, da mir die Schule persönlich gefällt. Zum anderen, da ich gute Erinnerungen mit der Lesung letzten Mai verbinde und hoffte, weitere zu schaffen.
Die Lesung selbst fand im Musikraum statt und zunächst mussten wir uns technischen Problemen stellen – das Mikro funktionierte nicht. Aber was macht man, wenn zwei Klassen, zwei Lehrerinnen und eine Autorin nicht weiter wissen? Genau man holt einen Lehrer, der ein Verlängerungskabel entfernt, und auf magische Weise funktioniert alles.
Mitten während der Lesung erklärte man mir jedoch, dass ich nicht zu viel verraten sollte, schließlich sollte eine Klasse das Buch als Lektüre im Fach Deutsch lesen. Dies stellte mich doch vor ein ungewohntes Dilemma. Mein schönes und durchaus lustiges “Was wäre, wenn ich ein Allergomörder wäre” – Gedankenspiel fiel ins Wasser. Genauso sollte ich mich bei inhaltlichen Fragen zurückhalten, was – natürlich – schief ging. Ich rede viel zu gerne über das Buch, die Figuren, was ich mir bei den Ideen dachte …, sodass immer wieder ein “PSSST!” gefolgt von “NICHT VERRATEN!” durch Musikraum schallte. Zum Leidwesen der Kinder, weil sie natürlich sofort wissen wollten, wie es im Buch weitergeht, was die Allergomörder sind und was denn mit Timmys Eltern passiert sei.
Aber hey, Timmy ist die Klassenlektüre einer Fünften. Mit Arbeitsaufträgen, Lesetagebuch und dergleichen! 😀 Da muss ich mich auch mal zusammenreißen können.
Das Besondere an diesem Tag war, dass die Kinder mit einem Nikolausgeschenk überrascht werden sollten. Wie ich im Nachhinein erfuhr, hat die Deutschlehrerin in einer wahren Kamikaze-Aktion den Tag vorbereitet. Die Eltern bekamen die Nachricht, dass man das Buch als Nikolausgeschenk kaufen könnte, im versiegelten Umschlag. Genauso wanderten auch Geld und Gutscheine im versiegelten Umschlag durch die Hände der Kinder, ohne dass diese viel vom Inhalt mitbekamen. Ich sag mal so, die Bücherkisten, die ich hinter dem Vorhang versteckt habe, diese haben natürlich schnell entdeckt, und dann war allen klar, was dieser “seltsame blaue Zettel” (meine Sticker) im Stiefel sollte.
Fotos zur Lesung füge ich noch nachträglich ein, da zurzeit mein WordPress spinnt und ich noch nicht die Lösung für meinen fehlerhaften Editor gefunden habe.

Dezember 15 2011

Meine Lesung in der Elizabeth Shaw Grundschule, Berlin Pankow

Dank eines unglücklich gelegten Staatsexamens einer Lehrerin hatte ich dieses Jahr sogar die Ehre, gleich zwei Mal am bundesweiten Vorlesetag teilzunehmen. Die Elisabeth Shaw Grundschule in Berlin – Pankow musste nämlich aufgrund dieses Examens den Termin um eine Woche verschieben und lud Vorleser und Vorleserinnen in ihre Klassen ein. „Timmy und die Allergomörder“ sollte eine der sechsten Klassen unterhalten und zum Lesen animieren.

Um ehrlich zu sein, ich hatte schon am Morgen ein schlechtes Gefühl. Zunächst dachte ich, ich hätte etwas vergessen. Sechs mal sogar. Aber nachdem ich wieder und wieder meinen Bücherkoffer kontrollierte, und sogar der Büchergutschein vom Buchsegler-Kinderbuchladen eingesteckt war, konnte ich mir diese ‚Vorahnung‘ nicht erklären. Ich marschierte also los zum Bus, da ich nicht damit rechnete, mitten am S/U Bahnhof Pankow parken zu können. Schon gar nicht mit meinem Autochen! 😉

Das Chaos ließ auch nicht lange auf sich warten. Meine Tram blieb für unbestimmte Zeit wegen eines Verkehrsunfalls auf der Schönhauser stecken. Ihr wisst doch, man wartet geduldig, dann sagt der Fahrer, alle Passagiere können vorne aussteigen und man bekommt ein mulmiges Gefühl. Fünf Minuten später hat man sich gedanklich so zermürbt, dass man lieber läuft, als zu warten. Fazit: Ein morgendliches Jogging von der Bornholmer zum U-bahnhof Vineta Str, dabei natürlich nicht den Warnanruf bei der Schule vergessen, dass es eventuell später werden könnte.

Wie durch ein Wunder kam ich noch pünktlich an meiner Haltestelle an, aber dann erwartete mich das nächste Hindernis. Eine riesige Dauerbaustelle und kein Passant kannte die Straße, zu der ich wollte. Nicht einer! Das war wie verhext, nicht mal Google Maps über mein Handy konnte mir weiterhelfen. Aber nun ja, es liefen ja genug Kinder und Eltern herum. Irgendjemand musste die Grundschule doch kennen. Als ich endlich eine Mutter fand, die mir den Weg erklären konnte, loste sie mich zur falschen Grundschule … Denn dort auf der Ecke gibt es gleich fünf. Es war einfach nicht zum aushalten!

Als ich es dann fünf Minuten vor Beginn endlich, endlich geschafft habe, war meine Reise aber noch nicht beendet, oh nein. Die Schlusshürde waren sehr, sehr lange Treppen ins dritte Obergeschoss des klassischen Altbaus. Spätestens als ich oben im Klassenraum angekommen war, konnte ich und wollte ich nicht mehr. Da half der saloppe Spruch der Lehrerin auch nicht weiter, dass alle Gäste erstmal aus der Puste sind.

Wie gesagt, die Schule war ein Altbau. Daher hallte es ungemein und ich hatte meine Schwierigkeiten, das richtige Tempo zu finden. Am Anfang fing ich etwas zu langsam an, so fühlte es sich zumindest an. Lustigerweise steigerte ich mein Lesetempo bis zum Ende des ersten Parts auf eine Art ‚Erwachsenenniveau‘ – und die Kinder kamen gut mit! Das hat mich ehrlich überrascht. Normalerweise hat man mir immer geraten, langsam zu lesen (besonders wenn es hallt), aber die Klasse war wohl eine Ausnahme.

Leider war die Klasse ein wenig überdreht und unruhig. Im ersten Part konnten die Jungs sich nicht zusammenreißen, im zweiten breitete es sich über die Mädchen aus. Bei der Frage nach ihren Traumberufen artete es dann völlig im Durcheinander aus. Ich erinnere mich aber noch an die Psychologin, die Tierpflegerin, die Politikerin, den Richter, den Feuerwehrmann, und dass Weihnachtsmann und Osterhase in Gestalt von zwei Jungen nebeneinandersaßen.

Im Anschluss an die Lesung trafen sich alle Vorleser und berichteten im Beisein der Rektorin über die Erfahrungen mit der Klasse und welches Buch man ausgewählt hatte. Da die Kinder sich Autogramme wünschten, kam ich heillos zu spät und saß fast am Kopf der Tafel, fast wie auf dem Präsentierteller. Versammelt waren Bibliothekarinnen, Buchhändlerinnen, Eltern, ehemalige Schauspieler, … und meine Wenigkeit. Aber spätestens bei der Vorstellung fühlte ich mich ein wenig fehl am Platze. Lesungen aus Timmy habe ich so gestaltet, dass der Spaß und das Vergnügen im Vordergrund stehen. Die Zuhörer sollen Spaß am Buch haben, es soll ihnen Freude bereiten, mitzuarbeiten, Fragen zu stellen – und natürlich möchte sie neugierig auf den Fortgang des Textes machen.
Die Texte der anderen Vorleser drehten sich um Obdachlosigkeit, Ängste (vor alkoholsüchtigen Eltern), Goethes Götz von Berchlingen in der Kinderversion, …  Ich habe es irgendwie nicht geschafft, eine Brücke zwischen diesen Büchern zu schlagen. Der Unterschied war doch sehr gewaltig. „Timmy und die Allergomörder“ fiel irgendwie aus dem Rahmen.

November 27 2011

Was ist denn das erste und echte Buch? – Meine Lesung in der Grundschule am Brandenburger Tor

Am 14. und 18. November nahm ich am deutschlandweiten Vorlesetag teil. Da die Grundschule am Brandenburger Tor mich jedoch einlud, in allen vier vierten Klassen zu lesen, besuchte ich die Schule an zwei Tagen.

Das besondere dieser Schule ist die Tatsache, dass sie eine Europaschule ist und spezielle DaZ – Klassen (Deutsch als Zweitsprache) besitzt., besonders für russisch und türkisch sprechende Kinder. So hielten sich oft zwei Aufsichtspersonen bei den Lesungen auf; einmal der Lehrer und einmal der Betreuer, der hin und wieder auch nur Russisch sprach. Ein bisschen befremdend, aber ich gewöhnte mich schnell daran.
Die zweite Besonderheit ist die Lage der Schule. Steht man vorm Gebäude kann man praktisch zur Friedrichstraße laufen und sieht am Horizont schon das DB-Gebäude am Potsdamer Platz aufragen. Ich hatte am Freitag, meinem zweiten Tag ein bisschen Panik vor den Menschenmassen, da die Twilight 4.1 Premiere in Laufnähe stattfand. Aber ich bin glücklicherweise in keine Menschenmassen geraten. 🙂 Dazu bin ich noch nie in einer Schule gewesen, die über fünf Etagen und höher gebaut wurde. Meinen Bücherkoffer all die Treppen hochzutragen, war auf jeden Fall eine sportliche Leistung.

Die Berufswünsche der Kinder:

  1. Ärzte, aus allen Fachbereichen
  2. Manager eines Eishockey – Vereins
  3. Süßigkeitentester oder Architekt, aber am liebsten ein Architekt, der Häuser aus Süßigkeiten baut
  4. Balletttänzerin
  5. Künstlerin
  6. Bombentaucher
  7. Schiffskapitän
  8. Astronaut oder Priester (der Junge konnte sich nicht entscheiden)

Eine Klasse hat das „Ihr dürft alles sein, was ihr wollt“ ein bisschen zu wörtlich genommen. Die Jungs und Mädels begannen plötzlich mit Berufswünschen, wie Vögel, Schmetterlinge oder Regenwolken. Ein Mädchen wäre sogar eine Gestaltwandlerin gewesen. Dann hätte sie sich in ein Haus verwandelt und den Bettlern in Onnipolis Unterschlupf gewährt.

Aber an sich verknüpfe ich die zwei Tage in der Grundschule am Brandenburger Tor mit angenehmen Erinnerungen. Ein Junge z.B. wollte mir erklären, dass er sich unter dem Begriff „Krämerladen“ ein Geschäft vorstellt, dass nur Cremes und Salben verkauft (man bedenke die ähnlichen Laute). Ich habe zum ersten Mal einen Beyblade (diese Kampfkreisel aus dem gleichnamigen Anime) signiert, da der Besitzer fest davon überzeugt war, dass dies ihm Glück bringt. Genauso musste ich versuchen einen Jungen zu erklären, dass die mitgebrachten Bücher keine Kopien sind. Aber er bestand auf seiner Frage, was denn das echte und erste Buch sei? Alle anderen seien ja nur „nachgemacht“. 😉

Und ich wurde erneut Opfer des Phänomens Gruppenknuddeln. Und zwar wollten so viele Mädchen ein Stück von mir abhaben, ich hab unter dem Drücken und Schieben glatt das Gleichgewicht verloren und schwankte gegen den Schrank in meinem Rücken. Schließlich haben wir einfach zwei Runden hintereinander  vereinbart, damit mich auch alle Kinder verabschieden konnten. Schade eigentlich, dass es davon kein Foto gibt … Ich verschwunden hinter einem Berg voller Kindern … 🙂

Dazu war ich sehr überrascht, dass eine Klasse ein Art Frage-Antwort-Spiel als Aufgabe bekam. Während der Lesung sollte sich jedes Kind eine Frage zum Text ausdenken, auf die es auch die Antwort weiß. Zum Schluss wurden diese Fragen gestellt, Jungen und Mädchen immer im Wechsel. Was die Klasse alles an Details aufgeschnappt hat, überraschte mich selbst. Bei einer Frage musste ich sogar über die Antwort nachdenken, obwohl ich ja den Text mittlerweile kennen sollte.

Wie ihr lesen könnt, mein Besuch stellte sich als abwechslungsreich heraus und ich bin um einige Erfahrungen reicher.

November 16 2011

Autogramme, Autogramme, Autogramme!

Am 4.11.2011 fand meine erste Abendvorlesung statt. Die Victor Gollnacz Schule in Berlin – Frohnau hatte zum literarischen Nachmittag geladen und diesem Ruf bin ich gern gefolgt. Auch wenn es relativ umständlich war, raus nach Frohnau zu fahren. Wie jeden Herbst/Winter, ist Reinickendorf eine Dauerbaustelle, da der Bezirk alle übrig gebliebenen Gelder in die Straßensanierung steckt. (Überschüsse werden sonst im nächsten Haushalt gekürzt – das ist Berlin.) Daher war es vollkommen gleich, welchen Umweg ich eingeschlagen hätte, Sperrungen, Fahrbahnverengungen und Feierabendstau gab es einfach überall.

Schließlich habe ich es doch geschafft anzukommen, sonst würde ich diesen Bericht hier ja nicht schreiben. 😉 Im Übrigen staunte ich immer mehr, je näher ich mich den Ziel näherte. Ich wusste, dass Frohnau eine der reicheren Gegenden in Berlin ist, aber dass ich praktisch durch einen dichten Wald mit geschätzt hundert Jahre alten Bäumen und beindruckenden Villen fahre, war unerwartet. Dreifamilienhäuser waren eher eine Seltenheit.

Der Nachmittag sollte so ablaufen, dass zunächst ein Autor für die kleineren Klassen vorliest, eine Pause, sodass Timmy und die Allergomörder dann die älteren Schüler und deren Eltern unterhalten können. Eigentlich. Als ich zur verabredeten Zeit erschien, um mich noch mit der Leiterin der Veranstaltung auszutauschen, las der erste Autor immer noch. Er hat – ganz spontan – an seine erste Lesung für die jüngeren Klassen eine zweite für die älteren drangehängt! Im Sinne von ‚Wenn ihr schon mal da seid, dann‘ … Empfinde nur ich das als dreist? Mal abgesehen davon, dass einige Zuhörer überhaupt keine Pause hatten, die Mediothek nicht gelüftet werden konnte, und die Kinder nach knapp zwei Stunden eine gewisse Hyperaktivität an den Tag legten? (Obwohl ich um fünf Uhr nachmittags ich mir als Kind auch Besseres vorstellen konnte, als nur zuhören.)
Die Lesung wurde im Übrigen zehn Minuten vor meiner zwangsbeendet.

Aber ich bin ja ein ruhiger, ausgeglichener Mensch – so sage ich mir das in diesen Situationen immer. Daher bin ich mit einem Lächeln in die Mediothek geschritten und habe mir den Raum angesehen. Die Vorhänge waren zu gezogen und mit dem gedämpften Licht wirkte die Atmosphäre wirklich kuschelig. Stuhlreihen waren im hinteren Teil des Raumes aufgebaut, weiter vorne konnten die Schüler auf kunterbunten Kissen sitzen, mit ihnen kuscheln oder sie als Schleuderwaffe missbrauchen – ich habe so ziemlich alle Varianten gesehen.

Ich habe kurzer Hand mein Tischchen weggestellt, da die Kinder sowieso bis zu meinen Füßen herangerutscht waren. Ich kann nicht sagen, warum. Mir kam plötzlich die Eingebung, dass ohne diesem sperrigen Objekt aus Holz und Metallbeinen, ich viel näher an die Kinder herankommen könnte. Die Lehrer warnten mich zwar, dass sie mir „auf den Schoss krabbeln“, aber so konnte ich ihnen allen in die Augen sehen. Am liebsten hätte ich mich ja zu ihnen auf den Boden gesetzt! 😀

Die Kissenzone, wie ich sie für mich taufte, war gerammelt voll und ich freute mich, auch die 5b vor Ort zu sehen. Oder wie sagte ein Mädchen: „The line of the 5b“, auf den Tischen an der Regalwand sitzend. Besagte Klasse würde ich am 10.11 zu einem Schreibworkshop wieder sehen und ihr Lehrer hatte ihnen die Hausaufgabe erteilt, mich schon mal im Zuge der Lesung kennenzulernen. Es erschienen sogar alle. 🙂

Der erste Part der Lesung (bis Timmy und Korbe beim Blumenladen ankommen) verlief gut, doch unterlief mir ein strategischer Fehler. Ich habe bemerkt, oder besser das Rascheln der Kinder auf den letzten Seiten gehört. Sie rutschten hin und her, drehten ihre Kissen, ärgerten ihre Nachbarn. Daher dachte ich, ich gebe ihnen eine kleine Pause und lasse sie sich wieder bewegen. Fehler. Gravierender Fehler! Denn – WUSCH – da rannten sie zur Tür, weil die Schüler dachten, die Lesung wäre zu Ende und man könnte endlich Kuchen in der Caféteria essen. Gleichzeitig rannte ein Haufen mir entgegen, rief Fragen durcheinander und bat um Autogramme.

Mit Hilfe der Lehrer (eine Dame konnte Pfeifen wie eine Sirene) haben wir sie wieder auf die Plätze bekommen, aber von da an gab kein Halten mehr. Selbst die kleinen Tricks, die ich mir bei meinen Lesungen von Lehrern abgeschaut habe, haben nicht geholfen. Das war der Moment, in dem ich mich ziemlich verzweifelt und hilflos gefühlt habe. Ich meine, Eltern waren anwesend, die sich bestimmt beim langsamem (für die u.a. vierte Klasse gerechtem) Lesetempo gelangweilt haben. Und dann ist mir der Ablauf der Veranstaltung auch noch entglitten …

Ich griff zum letzten Ausweg und habe ich einfach so laut wie möglich vorgelesen. Es dauerte keinen Absatz und sie waren wieder ruhig. Mal wieder was gelernt. Wenn Kinder Interesse haben, mach einfach weiter, sie hören dir von allein zu. Dennoch musste ich abkürzen, sodass der dritte Part und die Fragerunde ausfielen. Denn kaum hatte ich mein Vorlesebuch zugeklappt, begann das Klatschen und eine hüpfende Meute umzingelte mich, die fröhlich „Autogramme, Autogramme“ sang.

Zum Glück griffen in diesem Moment die Lehrer ein, die erklärten, dass der Glienicker Büchertisch in der Mensa mein Buch verkaufte, und dass ich dort auch signieren würde. WUSCH – weg waren sie. Drängelnd, schubsend und hyperaktiv. Ich atmete also einen Moment durch und sammelte meine Sachen ein, bevor ich mich in die Mensa im Erdgeschoss begab. Sobald ich die Tür durchschritt, umringte mich eine Traube aus Kindern. Das Komische daran war jedoch, dass ich die Autogramme schrieb und schrieb, mich nach den Namen erkundigte und gefühlte fünf Minuten später war die Mensa wieder leer, fast ausgestorben. Zeit ist manchmal eine seltsame Sache, besonders weil ich weiß, dass ich neun Widmungen in Timmys geschrieben habe und um die dreißig Autogramme.

So fand eine anstrengende, chaotische und doch überraschend schöne Lesung ihr Ende. Schön, weil ich mir am Ende sagen konnte, du hast es doch geschafft, die Kinder zu begeistern. Und natürlich habe ich mich riesig gefreut, über den Blumenstrauß, der so hoch war wie mein Oberkörper, die gewaltige Balsen Keksdose und den Büchergutschein, den ich zum Dank erhalten habe. Ich bin schon fleißig am überlegen, welche Bücher ich mir davon leiste. 😉

Ach, falls sich jemand gefragt hat, wo die Fotos geblieben sind. Es war zu dunkel für ein ordentliches Bild vom Gebäude, das füge ich nach. Dazu haben die Lehrerinnen der Grundschule während der Lesung geknipst und bisher habe ich die Fotos noch nicht erhalten.

 

November 10 2011

Literarische Überraschung in der Hermann Schulz Grundschule

Die Stadt Berlin ist mir eine Belohnung für meine Aufräumarbeiten schuldig. Schließlich habe ich auf meinem Weg zur Hermann Schulz Grundschule, an der ich am 3.11.2011 vorlas, eine schicke Schneise in das Blättermeer geschlagen. Zum Beweis habe ich auch ein Foto gemacht. 😀 Mein Rollkoffer vollbepackt mit Büchern und den Materialen für den Workshop ist ja mein ständiger Begleiter.

Abgesehen davon, dass ich jede Straßenecke lästige Blätter abschütteln musste, war der Spaziergang um halb acht Morgens eine nette Abwechslung. Schließlich liegt die Hermann Schulz Grundschule keine 30 Minuten von meinem Zuhause entfernt. Endlich keine Parkplatzsuche mit meinem Doblo. 😉

An besagtem Tag fand in der Grundschule ein literarischer Vormittag statt, zu dem rund zehn Autoren geladen waren. So sollte jede Klasse ihren eigenen Vorlesepaten haben, der ein Buch vorstellt und Frage und Antwort steht. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch endlich Klaus Kordon begegnet. Unsere Wege kreuzten sich zwar schon bei einigen Berliner Grundschulen, aber bisher hatte ich nie die Gelegenheit, ihn live zu sehen. Aber sagen wir es so, ich war mal wieder das Küken unter den anwesenden Autoren. Ich hätte auch deren Tochter sein können … Daher lauschte ich eher den Gesprächen der anderen Autoren, anstatt wirklich mit eingebunden zu werden.

Um so mehr habe ich mich gefreut, Dirk Petrick kennen zu lernen. Mit seinen Anfang dreißig waren wir die Jüngsten und ich habe mich gern über seine Projekte ausgetauscht. Denn irgendetwas war an seiner Stimme, dass mir schrecklich, schrecklich vertraut vorkam. Ich hatte Recht! Denn Herr Petrick ist die Synchronstimme von Kurt Hummel aus GLEE, einer meiner Lieblingsfiguren! Wie habe ich mich gefreut! Und wie habe ich kindisch gequietscht, als er mir das erzählte! Aber hey, er spricht Kurt! Kurt! All the singles Ladies! YAY! (Wenn ihr GLEE nicht kennen solltet, einfach die letzten Sätze ignorieren.)

Ich sollte „Timmy und die Allergomörder“ in einer fünften Klasse vorstellen und folgte wie Dorothy aus der Zauberer von Oz einer Spur in die richtige Klasse. Die Schüler hatten nämlich über die Gänge die Flyer zum Buch ausgelegt – ich musste sie nur ablaufen. Leider kann ich von der Lesung selbst keine Fotos hinzufügen, da die Eltern mir keine Erlaubnis erteilten. Dafür kann ich euch erzählen, dass ich wieder den typischen Berufswünschen begegnet bin. Tierpflegerinnen, Fußballer, Polizisten, Ärzte – nur ein Junge fragte, ob er auch Frauenarzt werden darf. Als ich ihm erklärte, dass dies natürlich möglich sei, grinste er breit. 😉 Was sich dann aber auch wieder schnell legte, da seine Lehrerin einschritt und ihm darauf hinwies, dass er zuerst seine Noten drastisch verbessern müsste.

Im Anschluss habe ich noch den Kreativ-Workshop abgehalten, dieses Mal jedoch ohne einen thematischen Schwerpunkt. Das war einerseits schwieriger, da ich die Schüler nicht so schnell auf Ideen einstimmen konnte. Andererseits musste ich schneller schalten, wenn ich zwischen Geschichten über Fußballspieler, Ritter, Bankräubern, Reiterhöfen und Star Wars wechselte. Dennoch das Highlight schlechthin war die eine Figur, die sich ein Junge aus gedacht hat: Floabaka. (Angelehnt an den Flohteppich Chewbacca) 😀

Trotz allem war ich erneut über die Rechtschreibschwächen in den fünften Klassen irritiert. Bei einem Text musste die Verfasserin wirklich fragen, was sie mit „er treumpte“ meinte – der Satz ergab einfach keinen Sinn. Die Auflösung war „erträumte“, aber irgendwas läuft seit der letzten Umstellung schief. Vielleicht sollte ich demnächst einen Artikel über die Schwächen des „Lernen über Hören“ – Systems verfassen. Genug Beispiele könnte ich jetzt schon aufführen.