Oktober 9 2011

Die Lesereise geht weiter

Auch wenn mein letzter Bericht schon einige Wochen her ist, okay … Monate her ist, so habe ich weiterhin vor, euch von meinen Lesungen wissen zu lassen. „Timmy und die Allergomörder“ startet sozusagen in Runde Zwei. Diese wird nicht ganz so intensiv wie in den vergangenen Monaten (bedenke man meine Termine im Mai 2011), aber ich werde mein Bestes geben, euch nicht zu enttäuschen.

In diesem Schuljahr wird es dennoch weniger Lesungen geben, da ich nun auch Workshops anbiete. Dazu muss ich mich um mein Studium und mein Lektoratsjob beim Wölfchen Verlag kümmern. Und wie sagte mein Opa immer so schön? „Auf allen Hochzeiten kann man nicht gleichzeitig tanzen, da tun einem nur die Füße weh.“ 😉 Aber keine Bange, ihr seht ja, dass meine Spalte mit Terminen bereits ordentlich gefüllt ist.

All diejenigen, die auf weitere Berichte aus Brandenburg warten, muss ich leider noch hinhalten. Den Winter über reise ich durch Berlin. Allein weil ich mich nicht traue, mit meinem Auto über Schnee und Eis zu fahren und das Zugchaos letztes Jahr einfach zu gewaltig war. Obwohl ich jetzt schon dunkle Ringe unter den Augen bekomme, wenn ich daran denke, wie unzuverlässig die BVG und die SBahn fahren … Manchmal müsste man blinzeln können oder einen fliegenden Teppich besitzen. Aber naja.

Die zweite Runde startete am 30. September, dem letzten Schultag vor den Herbstferien, als ich die Grundschule am Hamburger Platz in Weißensee besuchte. Praktischerweise bin ich einen Großteil der Strecke mehrfach im Sommer gefahren, so fand ich mich gut zurecht. Ich kann fast von Glück reden, da ich die Nacht zuvor kaum geschlafen hatte. Wenn der Kopf immer weiter an neuen Ideen tüfteln will, kommt man einfach nicht zur Ruhe.

Das Einzige, das wie immer katastrophisch war (und ich meine das Wort wirklich so): die Parkplatzsuche. Berliner Parkplätze und mein Fiat Doblo können einfach nicht miteinander. Obwohl ich viel, viel zu früh los bin für eine Strecke, die laut google maps keine acht Kilometer lang ist, bin ich fast zu spät gekommen. Nur weil ich mich beim Einparken zu Tode kurbelte, um dann doch mit einem Reifen auf dem Bürgersteig zu stehen.

Ganz ehrlich, meine erste Lesung im neuen Schuljahr wollte ich nicht damit beginnen, zum Sekretariat zu joggen …

Die Lesungen in den vierten Klassen selbst fanden in der Schulbibliothek statt und zumindest rannte ich der Lehrerin, die den Termin organisierte, direkt in die Arme. (Das ist eindeutig mein heimliches Supertalent. 😀 ) Vom Gebäude und der Atmosphäre kann ich diesen mal nur wenig berichten, wie gesagt, ich musste sprinten. Und kaum war der Aufbau erledigt strömten die Kinder durch die Tür.

Was mir jedoch während der Lesung auffiel, ist wie schwer Kinder heutzutage still sitzen können. Ich merke dies immer wieder, besonders bei den Jüngeren. Gut, es war der letzte Tag vor den Ferien, da konnte ich mich als Schülerin auch nicht konzentrieren! Wenn man aber aus den Augenwinkeln ständig Kinder sieht, die auf ihren Stühlen rutschen und mit den mitgebrachten Heften spielen – da wird man ja selbst unruhig! Also entschied ich mich spontan für ein wenig Sport und habe meine kleinen Zuhörer damit ganz schön irritiert. In der Mitte meines ersten Leseparts stoppte ich und bat die Klasse aufzustehen, die Glieder auszuschütteln und sich dann wieder bequem hinzusetzen. Das bewirkte ein wahres Wunder: Plötzlich saßen wieder alle still und lauschten konzentriert. Kein Wackeln, kein Drehen mehr, zumindest bis zur Fragerunde, an der die Kinder sich mit Elan beteiligten. Diese Technik sollte ich mir definitiv merken! 😉

In fast alter (fast schon ehrwürdiger Tradition) habe ich die Schülern natürlich nach ihren Berufswünschen gefragt. Sowohl nach den normalen, aber auch nach Berufen, die man nur in Onnipolis ausüben kann.

Dabei bekam ich folgende Antworten:

  1. Polizistin, wobei das Mädchen erklärte, dass sie dabei auch morden darf?!
  2. Chemielaborant
  3. Springreiterin
  4. Tierschützerinnen und zwar eine ganze Menge davon
  5. Kriegstreiber – der Junge fand meinen Vorschlag, KriegsVERtreiber zu werden, nur wenig amüsant
  6. Verlierer (ja, alles ist möglich)
  7. Profifußballer. Der Junge wusste auch schon, dass er entweder für Dortmund, Wolfsburg oder Bayern München spielen möchte. Und natürlich für die deutsche und die spanische Nationalmannschaft. Eine sehr kuriose Mischung, besonders wenn man kein Spanier ist.Tevez angeblich aber schon.

Dafür traf ich auf den ersten Jungen, der für seine signierte Ausgabe eine Quittung verlangte. Zwar habe ich meinen Quittungsblock immer dabei, aber genutzt habe ich ihn selten, um nicht zu sagen nie? Es war zumindest eine Erfahrung mit einer Traube Viertklässlern zu fachsimpeln, wie man eine Quittung ausfüllt.

Mein Besuch in der Grundschule am Hamburger Platz war zwar kurz, aber reichte meiner Stimme, die noch geschwächt war von der letzten Erkältung. Jedoch durfte ich mich ein zweites Mal zu Tode kurbeln, als ich versuchte wieder aus meiner Parklücke zu entkommen. Die Autofahrer der Wagen vor und hinter mir ließen mir nämlich keine zehn Zentimeter Platz!

Im diesen Sinne: STAY TUNED

 

 

August 10 2011

Ein letztes Mal vor den Sommerferien

Am 23. Juni endete meine Lesereise für das Schuljahr 10/11 im schönen Paulinenaue; Brandenburg. Der Tag startete mit gemischten Gefühlen.  Ich war traurig, dass es meine letzte Lesung war. Ich war glücklich, endlich Sommerferien zu haben und dank des unbeständigen Wetters der Tage davor, kündigte sich eine Erkältung an. Mal ehrlich in dieser Woche wurde ich von Regenschauern so oft durchnässt, ich muss einen neuen Rekord aufgestellt haben.
Praktischerweise glich der Weg nach Paulinenaue dem nach Nennhausen, nur dass ich auf den letzten Kilometern einen Knick nach rechts und nicht nach links machen musste. Das schaffte ich selbst mit Kopfschmerzen. 😉 Der Ort selbst liegt gut versteckt zwischen Wiesen und auf den ersten Blick gruseligen Wäldern (nach zwei Metern sieht man nur noch Dunkelheit) und viele kleine „Schlösschen“ hießen mich willkommen. Ich fragte mich echt, wo ich dieses Mal gelandet war. Ein Traumhaus mit Garten stand neben dem nächsten. Sie variierten nur nach dem Geschmack des Besitzers. Vom riesigen Bungalow bis zur griechischen Säulenvariante.
Das Erste, das ich außerhalb meines Autos hörte, war das Krähen eines Hahns. Friedlich, ländlich, verschlafen. Paulinenaue.
Leider habe ich morgens kein Bild mehr von der Sonnenblumenarmee gemacht, die vor der Karibu Grundschule ausharrte, und nach meinem Lesungen schüttete es aus Kübeln. Der Tag selbst lief in der Schulbibliothek ab, die auf den ersten Blick mit Büchern zugestellt wirkte. Oder anders gesagt, als Schüler in Paulinenaue würde ich mich immer zwischen den Gängen verstecken. 😉  Wie so viele Bibliotheken vermutete ich auch hier, dass sie sich aus Spenden zusammensetzte. Die Mischung aus gefühlt 20 Jahre alten Bänden und Neuerscheinungen war auf jeden Fall kurios. Wegen der vollständigen Buffy-Reihe verspürte ich Neid, gleichzeitig habe ich mich nicht getraut, die Panasonic-Schreibmaschine, die verstaubt in einer Ecke schlief, anzufassen. Ein wahres Relikt.
Zunächst las ich vor einer fünften Klasse vor, die erstaunlich aufgeweckt war. Es hat ihnen Spaß gemacht, hörten mit leuchtenden Augen zu. Für mich war es ein wenig ungewohnt mit Kopfschmerzen zu lesen – da streikt so gern die Konzentration – aber wenn Schüler freiwillig ihre Pause verschieben und danach zurück zu ihren Stühlen sprinten? Da lese ich auch mit Kopfweh und verschnupfter Nase. 😉
Hier ihre ausgefallensten Berufswünsche:

  1. Toilettentiefseetaucher
  2. Lkw-Fahrerin
  3. Haijäger
  4. Tornadojäger
  5. Monstertruckfahrer
  6. Zwar nicht von der Berufsart, aber von der Häufigkeit auffällig: Angler. Der Ort muss eine wahre Angleridylle sein.

In der großen Pause, die die Lesungen trennte, lernte ich dann den Tornadojäger noch etwas besser kennen und mir wurde schnell klar, der Junge war nicht zu stoppen. Er redete, redete, und redete, erzählte komplett den Film ‚Twister‘ nach, den er gerade gesehen hatte. Zum Glück verrieten mir seine Freunde, dass man einfach etwas erwidern oder von selbst das Thema wechseln sollte, sonst hört er nie auf. Interessanter Hinweis, besonders, da er am Ende der Pause kam. 😉
Die Lesung in der folgenden sechsten Klasse stellte sich als mühselig heraus. Es war bereits die siebte Stunde und wir wollten einfach alle nach Hause. Die Schüler und meine Erkältung erst recht. Dennoch gab ich mir Mühe, auch wenn ich ständig daran dachte, die Texte ein letztes Mal zu lesen. Ob ich die Parts nach den Sommerferien immer noch auswendig kann? Jeder Satz war ein Abschied, mit jeder umgeblätterten Seite rückte das Ende näher. Ich fühlte mich traurig und euphorisch zu gleich. Das ist eine seltsame Mischung, ernsthaft.
Trotz allem blieben nach der Lesung ein paar Kinder zurück, um mir noch Fragen zu stellen und weiter über Timmy zu diskutieren. Sie winkten sogar, als ich mich auf den Rückweg zu meinem Auto machte. Leider erwischte mich auf diesen hundert Metern wieder ein Regenschauer, als ob ich die magisch anziehen würde! Daher endete meine letzte Lesung ungemütlich für meine Gesundheit. Zwei Mal durchnässt, durchgefroren und bis ich zu Hause war, hatte die Erkältung richtig zugeschlagen. Aber wofür hat man denn »Sommerferien«? Ich jedenfalls habe mir erstmal eine Pause gegönnt, um die Akkus für die zweite Runde meiner Lesereise im Schuljahr 2011/12 aufzuladen.
Es wird also eine Fortsetzung dieser Berichte geben. 😉

August 4 2011

Liest du morgen weiter?

Am 16. Und 17. Juni war ich in der Ringelnatz Grundschule eingeladen, um in den vierten bis sechsten Klassen zu lesen. Dies war ein besonderer Auftritt für mich, da der Sohn eines Bekannten dort Schüler ist.  Zwischen Privatem und Arbeit liegt doch ein gewaltiger Unterschied und ich konnte ihn natürlich fragen, wie es ihm gefallen hat. 🙂

Die Schule selbst liegt direkt bei mir um die Ecke. Ich habe länger vor roten Ampeln gewartet, als mit dem Auto unterwegs zu sein. Zum Laufen war es dennoch zu weit … 😉 Zunächst stand ich einem älteren Betonbau gegenüber und ich zweifelte. Wie zwei Cowboys beim Showdown starrten das Gebäude und ich uns an. Aber im Inneren fiel mir nur ein Wort ein: schön.
Bunt geschmückte Flure mit Kunstarbeiten, Fotos, Klassenräume voller Basteleien und vielen Plakaten von Schulprojekten. Meine Orientierungslosigkeit hat sich ebenso über die bunten Treppenhäuser gefreut, so wusste ich stets, an welche Farbrichtung ich mich halten sollte.

So vielseitig wie die Aktivitäten der Grundschule waren auch meine Eindrücke dieser beiden Tage. Sei der Rektor, der Spaß daran hatte mich seinem Iphone Fotos zu knipsen, oder dass mich der Rasenmähermann verfolgte. Beinahe hätte ich den Kopf aus dem Fenster gesteckt und dem Mann zugerufen, ob er das nicht nächste Woche machen könnte. Habt ihr schon mal gegen den Motor eines Rasenmähermobils gelesen? Das ist nicht lustig …

Anscheinend treffe ich mit meinen Allergo-Attentaten genau den Humor der Kinder. Neue Ideen (wie die Fructose-Spraydose) sprudelten nur so aus ihnen heraus und sie hatten Fragen, Fragen, Fragen. In der vierten Klasse habe ich fast 30 Minuten (von 45) Rede und Antwort stehen dürfen. Aber der Strom der aufzeigenden Finger riss nicht ab!

Dazu entwickele ich mich zu einem Expressautor. In der einen Stunde habe ich schrecklich überzogen, da die Schüler sich noch Autogramme wünschten. Dann musste ich schnell zum Sekretariat rennen, um in der Pause die signierten Bücher zu auszuteilen. Um dann wiederum leicht atemlos in die nächste Klasse zu sprinten. Normalerweise bemerkt man es nicht, dass ich bei drei Lesungen hintereinander in den Stress verfalle. Aber in der Ringelnatz Schule hat mir ein Junge im Nachhinein erklärt, wie toll er es fand, dass ich trotz Zeitdruck so locker und entspannt bleibe.

Die Berufswünsche der Schüler:

  1. Koch – mit der simplen Begründung, damit der Junge etwas zu Essen hat, wenn er Hunger bekommt (Meine Theorie der berufstätigen Eltern verfestigt sich)
  2. Richterin
  3. Delfindressierin
  4. Schiri – Ihm war es gleich, wenn die Fußballspieler und Fans ihn für seine Entscheidungen nicht leiden könnten
  5. Fußballtrainer und Fußballstars – Ja, es waren auffällig viele Fußballfans, aber wenns es nicht klappen sollte, dann kamen so tolle Ideen „Döner Kebap Budenbesitzer“.
  6. Comiczeichnerin
  7. Organaustauscher – oder auch Arzt
  8. Geldabnehmer – oder auch Dieb 😉
  9. Besitzerin der eigenen Tierhandlung; trotz Tierhaarallergie
  10. Müllverschlucker – Und ja, Jeremy, wie versprochen werde ich einen Platz in Onnipolis für deinen Beruf finden. Ich kann mir das richtig gut vorstellen. Ein Mann, der einfach alles hinunterschlingt, ein bisschen wie der Dinosaurier, der bei den Flintstones unter der Spüle hauste. 😀

Zwei Besuche hintereinander sind etwas ganz Besonderes. Einerseits bekommt man dann so tolle Fragen gestellt wie „Liest du morgen weiter vor?“. Andererseits gibt es einen das richtige Feedback, wenn man zweiten Tag freudig mit „Hallo Cornelia!“ begrüßt wird und die Schüler einem das Gefühl geben, bereits aufgenommen zu sein. Fast wie ein fester Bestandteil.
Dazu bin ich sehr überrascht, wie viele mich bei Facebook gefunden haben und mir erklärten, dass ich mich „Geschichtenerzählerin“ nennen sollte, da ich so schön vorlese. 🙂

Da die Lesungen für das Schuljahr 2010/2011 zu Ende gehen, habe ich noch fleißig Werbung gemacht für den neuen Kurzgeschichtenwettbewerb von Papierfresserchen („Abenteuer unter Wasser“). Sowie für das Projekt „Mein Buch – dein Buch“, das ich ab Herbst für den Raum Berlin und Brandenburg übernehme. Aber darüber werde ich in den nächsten Wochen genauer berichten.
Auf jeden Fall hätten die kleinen Geschichtenschreiber in der Ringelnatz Grundschule nicht unterschiedlicher sein können. Schließlich fragten die einen, ob sie auch einen 300 Seiten starken Text einreichen dürfen, während die anderen überlegten, ob Ein-Satz-Geschichten ausreichend wären. Bei letzteren waren die Schüler sich zumindest einig: Die Gewinnchancen würde es nicht erhöhen.

P.S.: An dieser Stelle noch ein großes SORRY an Robert! Tut mir leid, dass ich dich immer mit Thomas verwechselt habe … Weiß auch nicht, warum ich das nicht in meinen Kopf bekommen habe.

P.S.2: Ich hoffe, dass der Junge, der noch seine NaWi – Arbeit nachschreiben musste, eine tolle Note bekommen hat. 😉

Juli 26 2011

Gustav – Dreyer – Grundschule Tag 2 – Die Fragen rissen nicht ab

Zunächst habe ich in meinem ersten Post vergessen zu erwähnen, wer Gustav Dreyer war. Denn im Gegensatz zu den vielen Kriegshelden, Revolutionären und kulturellen Persönlichkeiten fällt Dreyer aus dem Rahmen. Gustav Dreyer war langjähriger Lehrer in Hermsdorfer Grund- und Mittelschulen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Ehren seiner pädagogischen Dienste taufte man die Schule, in der er Rektor war, nach seinem Tod um. Aber so viel zur Geschichte.

An meinem zweiten Tag kamen noch vor Schulbeginn ein paar Kinder in die Bibliothek gerannt, da sie unbedingt ein Exemplar haben wollten und fürchteten, dass ich nicht genug Bücher mit dabei habe. An dieser Stelle, Bücher habe ich immer zu viel dabei und auch noch mal liebe Geburtstagsgrüße an Phillip! Ich hoffe, dir haben Timmys Abenteuer gefallen. 😉

Meine zweite Lesung entwickelte sich leider zur Expresslesung (statt 60 nur 45 Minuten), da ein Lehrer nicht informiert wurde und ich ihm nicht seine Englischstunde rauben wollte. Schade jedoch war eins. Der Lehrer, der die Kinder verfrüht wieder in die Klasse nahm, sorgte nicht dafür, dass sie in der folgenden großen Pause noch einmal in die Bibliothek kommen durften. (Zutritt war nur in der ersten großen Pause erlaubt). So konnte die Klasse nicht ihre Fragen stellen und ich habe sie auch nicht mehr angetroffen.

 

Die lustigsten Berufswünsche:

  1. Senftubendreher – gibt es in Onnipolis Tuben? Mal überlegen.
  2. Türöffner / aufhalter
  3. Drei Jungs wollten Computermechaniker – Hacker und Zerschrotter werden, damit sich gegenseitig Arbeit machen
  4. Psychologe – wenn seine Noten bis dahin besser geworden sind.
  5. Schneckenhausentferner – worauf ein kollektives „Ieeergh!“ der Mädchen folgte.

Die Schüler, besonders die Jungs, waren sehr engagiert dabei, sich Attentate auszudenken. Sie wollten Kissen aus Hundehaare herstellen und überlegten, wie sie wohl am Besten in das Haus ihres Freundes einbrechen konnten, um die Allergene unterzujubeln. Fast haben sie mir die Lesung abgenommen, da sie immer wieder neue Ideen hatte, ihre Freunde zu erwischen. Es fiel mir schwer, einzuschreiten und sie wieder zum eigentlichen Thema, dem Buch, zurück zu holen.

Dennoch haben die Schüler einstimmig entschieden, dass sie eine Allergie gegen Schule haben. Als ich fragte, woran man das erkennen kann, schallte ein Chor aus „Schlechte Noten“ zurück. 😉 Einige Kinder begannen auch sogleich aufzuzählen, auf welche Fächer sie besonders reagierten. Die Liste war – wie soll ich sagen – bei manchen Fällen erschreckend lang.

Die beste Frage des Tages war jedoch: Ist Herr Grumpel ein Allergomörder?

Äh … Warum?

„Na, weil er doch so viel Staub im Laden hat!“, antwortete der Schüler und die Klasse lachte.

Ganz ehrlich, dieser Punkt ist mir nie aufgefallen … Ja, Herr Grumpels könnte vom Staub, den er anhäuft, Miete verlangen. Aber ein Allergomörder? Hmmm … Die Idee gefiel mir so gut – ich ziehe sie in Betrachtung. Schließlich sollte es Onnipolis auch ein paar ehemalige Attentäter geben, die eben Familien gründeten oder sich einen anderen Job suchten. Was wenn er Manfreds Vater ist? Beide reden wenig, beide haben einen Hang zu Staub. Liegt wohl in den Genen …

Aber, aber … was ist dann Frau Schnelle? 😀

Zum Abschluss wünschten mir ein paar Mädchen ‚Alles Gute‘ zum Geburtstag, auch wenn der erst am Tag darauf folgte. Sie waren sich unsicher, ob sie es überhaupt durften. Zu früh zu gratulieren bringt ja angeblich Unglück. Ich fand ihr Verhalten süß, und versprach, die guten Wünsche bis zum eigentlichen Tag zu vergessen. Damit auch nichts schief gehen konnte. 😉

Da die Bibliotheks-Ag überall an den Wänden Bücherposter aufgehangen hatte, schenkte ich ihnen zum Dank für die Einladung auch ein signiertes Poster von Timmy. Ich hoffe, dass dies und die beiden Ausgaben des Buches eine schöne Erinnerung ist. Dafür habe ich auch extra leserlich gekritzelt!

Damit waren meine Tage in Hermsdorf auch schon wieder vorbei. Sie vergingen schneller als es mir lieb war, da ich das Gebäude und die Schüler gern gewonnen habe. Aber vielleicht habe in Zukunft die Möglichkeit, der Gustav Dreyer Schule einen weiteren Besuch abzustatten.

Daher: STAY TUNED!

Juli 19 2011

Gustav-Dreyer-GS Tag 1: Donnergrollen als mein neues Orchester

Am 8. Und 9. Juni lud mich die Gustav – Dreyer Grundschule ein, um bei der Wiedereröffnung der Schulbibliothek mitzuwirken. Da an diesen beiden Tagen viel geschehen ist, habe ich mich entschlossen, meine Erlebnisse auf zwei Berichte aufzuteilen. Also … Tag 1 in Hermsdorf:

Die Gustav Dreyer Grundschule liegt mitten zwischen Häuschen und kleinen Villen, welche für diesen Stadtteil typisch sind. Zunächst dachte ich, ich hätte mich hoffnungslos verfahren, da man die Grundschule von der Straße aus nicht erblicken konnte. Aber wenn man einen Mittelgang zwischen den Häusern folgte, ragte plötzlich dieses riesige Schulgebäude vor einem auf. Keine Ahnung, wie ich das übersehen konnte? Aus dieser sehr zentralen Lage, ergibt sich jedoch ein Vorteil/Nachteil; je nach Sicht. Denn ich konnte durch die Fenster der Bibliothek in die anliegenden Gärtchen schauen. Anwohner, Swimmingpools und Sandkästen betrachten. 😉

Die Bücherei stellte sich als ein heller Raum mit einer durchgängigen Fensterfront heraus und vielen Billy – Regalen voller Bücher. Dafür sollte ein Dank an die Eltern der Grundschule gehen, die über Wochen Bücherspenden gesammelt, sortiert und organisiert haben, damit die Schüler wieder schmökern können. Dennoch überraschte mich die Vielfalt der Leihbücher. Von Kinderbuchklassikern wie Momo, Sachbüchern bis hin zu relativ neuen Erscheinungen war alles mit dabei. Märchen, Pferdegeschichten, Bilderbücher für Erstleser, selbst ein paar englische Ausgaben.
Praktischerweise konnte ich mir die Auswahl in Ruhe ansehen, da ich zwischen meinen Lesungen mit Rat zur Seite stand. Die richtige Reihenfolge der Percy Jackson – Bände habe ich noch hinbekommen. Schwierig wurde es erst, als ein Junge mich beauftragte, mit ihm einem Cyber-Krimi zu suchen. Über die Krimis, die ich ihm aus den Regalen suchte, war er nicht begeistert. Diese waren nicht „realistisch“ genug. 😉

Insgesamt hielt ich sechs Lesungen an zwei Tagen in den fünften und sechsten Klassen. Für diese Zeit war die Bibliothek mein Reich, dass ich höchstens mit der Bibliothek – AG oder den Bibliothekarinnen teilte. Die Klassen kamen also mich besuchen und stürzten sich – wie sollte es auch anders sein – zunächst auf die bequemen Korbstühle, die für die Lehrer reserviert waren. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich immer ein Sitzkissen gegenüber Hockern und Bänken vorziehen. Praktischerweise hatte ich mir einen Korbstuhl mit meinem Timmy-Buch reserviert. 😉

Es war heeeeiß, drückend, schwül warm und unangenehm an diesem Tag. Wir klebten praktisch an unseren Stühlen und ich hätte zu gern, aus meinen Flyern Fächer gebastelt. Dafür haben die regelmäßigen Gewitter gut mitgespielt; das Donnergrollen funktionierte wie ein Paukenschlag und untermalte meine Darbietung. Korbe zu sprechen macht im Übrigen immer mehr Spaß. Aus dem anfänglichen Halskratzen ist eine gutmütige, tiefe Stimme entstanden, die mich selbst noch immer überrascht. Den Zuhörern jedoch gefällt. Die Schüler in Hermsdorf sahen mir jedenfalls gespannt zu, während ich zwischen Korbe, Erzähler, Timmy und wieder Korbe wechselte. Und das Satz für Satz.

Die Top-Berufsvorschläge:

  1. Bankräuber, wobei der Junge mir Bescheid sagt, welche er ausraubt, damit ich mein Geld in Sicherheit bringen kann.
  2. Klonkrieger – infolgedessen eine heiße Diskussion ausbrach, ob es die Klone von Bobafat oder seinem Sohn waren. Oder anders herum? Ich verwechsel die beiden immer …
  3. Bettentester
  4. Flugzeugingenieur
  5. Luxushoteltesterin – ab 5 Sternen. Damit würde sie dann alle ekligen Zimmer umgehen.
  6. Finanzmakler

Die Schüler hatten Fragen über Fragen. Nicht zu meiner Person oder zur Entstehung eines Buches. Nein, zum Inhalt. Zum ersten Mal habe ich fallen lassen, dass Timmy selbst ein Allergomörder wird und – BOOM – die Fragenbombe platzte. Wie funktioniert das mit Timmy? Muss er nicht zur Schule? Wie nehmen die Allergomörder ihre Aufträge an, wenn sie doch anonym arbeiten? (Na, sie sind wie die Mafia, ist doch klar. 😀 ) Wer leitet die Allergomörder? …

Doch wie sollte man Neugier wecken, ohne zu sehr zu spoilern? Ich entschied, dass jeder sich die Ohren zu halten sollte, der es nicht hören möchte und

VORSICHT SPOILER

erzählte, wer der Kopf der Allergomörder sei und wen Timmys erstes Auftragsattentat treffen sollte.

SPOILER ENDE 😉

Dennoch waren alle überzeugt, dass Korbe seine Finger im Spiel haben musste. Ich konnte ihnen diese Annahme nicht ausreden. Ein Junge fragte mich dann noch über meine Allergien aus, weil er überlegte, wie er ein Attentat auf mich ausüben würde. Praktischerweise habe ich mehr „Allergomörder-Erfahrung“ als er genossen und rettete mich galant aus seinen Fallen.

Aufgrund der Hitze war die letzte Klasse nur noch müde und ich leider unkonzentriert. Dazu habe ich einem Deutschlehrer seine Stunde geklaut und musste mich ein bisschen sputen. Aber wenn ein Mädchen mir zum Abschluss Folgendes erklärt:  „Ich dachte, das wäre nur ein Buch für Jungs. Dabei ist das total spannend.“

Dann waren die Lesungen doch ein Erfolg. 🙂