Yeah! Meine erste Berliner Lesung! Am 11. Und 14. April war ich in der Reginhardt Grundschule in Reinickendorf zu Besuch!

Jetzt werden einige denken: Aber sie war doch schon in Spandau in der Grundschule am Eichenwald? Ja, das stimmt. Aber Berliner und Spandauer werden mir zustimmen, dass diese beiden Orte nicht zu einander gehören wollen. Ein Bekannter würde jetzt sagen Berlin liegt bei Spandau – ein bisschen wie die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf.

Am ersten Tag kam ich natürlich viel zu früh (30 Minuten!) und musste mich mit warten beschäftigen. Aber ich hatte einfach unterschätzt, wie dicht diese Schule an meinen Zuhause liegt. Das Schulgebäude wirkt von außen freundlich – auch der große Schul/Spielplatz. Leider haben mir die Bilder in den Gängen und Fluren gefehlt. Auch wenn die Treppenhäuser mit einer Art Graffiti-Kunst versehen waren, mir fehlten die Plakate, die Fotos von Ausflügen, … Trotz Schautafeln auf den Fluren hatte man alles in den Klassen aufgehängt.

Insgesamt habe ich vor fünf Klassen gelesen (fünfter und sechster Jahrgang). Die einen waren hyperaktiv. Ich denke da besonders an einen Jungen, der nicht still sitzen konnte und von seinem Stuhl fiel. Der Unglückliche knallte mit der Stirn gegen die Tischkante, mit dem Hinterkopf gegen den Stuhl und saß dann lachend und weinend zugleich auf dem Boden. Während wir uns sorgten, meinte er nach ein paar Momenten „Aua“, grinste und setzte sich wieder hin.

Daher habe ich in der Reginhardt Schule gelernt, auf den zweiten Eindruck zu vertrauen. Während der Lesung wurde ich mit Mini-Dreiecken anvisiert und fast getroffen, doch der Junge fragte mir danach Löcher in den Bauch und bat als neuester „größter Fan“ sogar, dass ich seinen Zirkelkasten signiere. Auf was ich alles meine Unterschrift setzen muss! 😉
Eine andere Klasse lauschte ganz gebannt, doch sobald ich das Buch zu klappte, brach die Hölle los; sowohl in Dezibel als auch in Aktivität. Zum Glück erklärte mir die Lehrerin, dass dies die letzte Stunde für die Schüler sei und es in ein paar Minuten klingeln sollte. Dennoch kamen noch ein paar Mädchen zu meinem Platz am Pult und stellten – ganz neugierig – ihre Fragen und blieben sogar bis nach Schulschluss.

Richtig anstrengend wurde es jedoch am zweiten Tag. Eine Lesung fand in der fünften Stunde vor zwei Klassen in der Aula statt; ca. 60 Schüler. Da es keinen Mikrophonständer gab, hatte ich nur zwei Möglichkeiten. Entweder Mikro und Buch halten und  mit der Nase die Seiten Blättern oder mir wie die Klavierspieler früher einen Seitenumblätterer aus dem Publikum holen. Beide Optionen schienen mir weniger angebracht, also musste ich meine Zuhörer mit meiner Stimme bändigen.
Die Gruppe spaltete sich jedoch in zwei Teile. Der vordere war fasziniert, der hintere kam gerade aus einer Kinovorstellung und war nicht gerade begeistert, weitere 45 Minuten still zu sitzen. Gott sei Dank habe ich gelernt, mit Hall umzugehen, sonst wäre es wohl in einem Fiasko geendet. So, beschwerte es mir nur ein Krächzen in der Stimme. Meine Fähigkeiten laut und noch lauter zu sprechen, sind halt begrenzt.

Dennoch fürchte ich, dass ich eine Phobie vor Schülermassen entwickeln werden, die in Richtung der mitgebrachten Sticker und Lesezeichen stürmen. Ich husche meist noch zur Seite, aber irgendwann wird der Tag kommen, an dem sich ein Junge den Arm bricht … Dabei habe ich immer genug dabei, damit auch niemand leer ausgeht.

Zum Abschluss noch einige Berufswünsche der Schüler:

  1. Popstar – Da merkt man doch gleich den Unterschied zwischen Stadt und Land. Es heißt nicht Sängerin oder Tänzerin, nein, man will gleich hoch hinaus und ein Star sein (zumindest zeitweise, wenn man an die ganzen Casting-Reinfälle denkt).
  2. Schmuckdesignerin / Goldschmied
  3. Besitzer einer Süßigkeitenfabrik
  4. Management Mercedes – Der Junge wusste ganz genau, was er will.
  5. Chef – Egal von was, Hauptsache Chef
  6. Professioneller Pokerspieler, worauf sein Banknachbar sich wünschte professioneller Kartengeber zu werden.
  7. TV-Moderatorin
  8. Schnürsenkelbinder
  9. Computerhacker – was ich dem Jungen hoffentlich wieder ausreden konnte. Kein wirklich erstrebenswerter Beruf.

Auf meinem Nachhauseweg habe ich auch noch einen Laden entdeckt, der mich definitiv was kosten wird. Einen Otaku-Laden direkt auf der Residenzstraße! Mangas, Animes, Merchandise direkt in meiner Nähe! 😉

In Berlin heißt es ‚Popstar‘

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