Juli 7 2011

Kurz vorm Schmelzen: Berlin – Lübars

Ich schmeeeeelze!
Das würde meinen Tag in der Grundschule Vierrutenberg in Lübars sehr präzise zusammenfassen. Am bisher heißesten Tag des Jahres 2011 war ich jedoch in einer sechsten Klasse eingeladen und es gibt deutlich mehr zu berichten als nur die Hitze. Zunächst einmal liegt Lübars keine fünfzehn Minuten von meinem Zuhause entfernt und ist soooo grün! Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell man in Richtung Norden die Stadt hinter sich lässt und es … naja … fast ländlich wirkt. Baumalleen, Einfamilienhäuser mit Gärten und Felder voller Roggen. Dann dreht man sich um und die Hochhäuser des Märkischen Viertels ragen in den Himmel auf. Fast wie Mahnmale, die einem nicht vergessen lassen, wie nah die Stadt noch ist.

Die Grundschule Vierrutenberg liegt an einem der genannten Felder und wirkt auf den ersten Blick riesig. Der Abenteuerspielplatz mit seinen Klettergerüsten und Fußballfeldern bietet so viel Platz, ich bin gar nicht davon ausgegangen, dass es ein Schulhof sein sollte. Da die Lehrerin, die die Lesung organisierte, erkrankt war, trieb ich zu Beginn meines Besuches zwar in organisatorischer Ungewissheit, aber das legte sich bald wieder. Leider ging auch in dieser Schule der Elternbrief verloren, sodass ich ernsthaft überlege, wie ich dieses Problem im nächsten Schuljahr behebe.

Die Sechstklässler waren ziemlich überrascht, dass ich sie nach der Pause in ihrem Klassenraum in Empfang nahm; vielleicht haben sie mit einer älteren Autorin gerechnet. Mich hat es auf jeden Fall erheitert, dass ein Junge vor Schreck seinen Handball fallen ließ und bei meinem Anblick wie erstarrt auf der Türschwelle verharrte. Dafür gehörte die Klasse wieder zu den selbstregulierenden. Sie setzten sich pünktlich zum Klingeln, wurden still und forderten mich auf, mit der Lesung zu beginnen. Obwohl ihre Lehrerin sich verspätete! Da sagt man nicht ‚nein‘, oder?

Die Sechstklässler benahmen sich erst verhalten, aber mit der Zeit stachelten sie sich gegenseitig an. Sie wurden offener mir gegenüber und ich konnte sie irgendwann nicht mehr stoppen. Besonders bei den Berufsvorschlägen fiel ihnen mehr und mehr ein. Leider sind mir ein paar Berufe entfallen, aber hier diejenigen, die hängen geblieben sind.

  1. Fußballstar, und wenn das nicht funktioniert: Polizist
  2. Bodybuilder, aber realistischer war für den Jungen, einmal ein Sportzentrum zu besitzen.
  3. Hunde- und Reptilienzüchter
  4. Abschmeckerin, die sich meiner Meinung nach mit den Köchen zusammenschließen sollte
  5. Deckelaufschrauber und Flaschenöffner
  6. Ein Mädchen möchte eine Schauspielerin und Drehbuchautorin werden, die in ihrem Erfolg an Till Schweiger herankommt. Zu ihr gesellten sich auch gleich Regisseure und ein Stuntman.
  7. Ein anderes Mädchen wäre in Onnipolis ein lebender Anrufbeantworter.
  8. Und natürlich der Junge, der Frauentester werden möchte. Was genau diesen Beruf ausmacht, konnte er mir noch nicht sagen. Das möchte er herausfinden, wenn er älter sei.

Die Lesung zog sich über zwei Schulstunden. Ich hatte in bisschen Panik nicht genug Textteile vorbereitet zu haben, aber dank der vielen Fragen haben wir sogar überzogen. Dadurch, dass eine Lehrerin selbst Jugendbücher schreibt, hatten die Sechstklässler eher weniger Fragen zur Entstehung eines Buches, dafür umso mehr zu Timmy und meiner Person. Und nein, ich kann auch weiterhin nicht verraten, wer die Allergomörder sind und warum Timmy nicht mehr bei seinen Eltern lebt. Aber es freut mich, wenn diese Fragen aufkommen. Dann merke ich, dass ich meine Zuhörer an den richtigen Stellen begeistern konnte.

Aufgrund einer Verschiebung im Vertretungsplan und Hitzefrei hatte man mich gebeten, ob eine weitere Stunde bei der sechsten Klasse zu bleiben. Spontan habe ich mich für eine Improvisation meines Schreibworkshops entschieden. Improvisiert in dem Falle, dass ich nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung hatte. Doch obwohl es die letzte Stunde war und wir gegen die Hitze in einem kleinen Klassenraum ankämpften, machten die Schüler erstaunlich gut mit. Bei den verschiedenen Orten, an denen eine Geschichte spielen kann, hatten sie so viele Einfälle, ein Junge sagte irgendwann: „Hört auf, wie wollt ihr eine Geschichte an so vielen Orten schreiben?“

Zwar stöhnten die Schüler, als ich ihnen erklärte, dass sie die Texte für ihre kranke Lehrerin zu Ende schreiben sollten, was sie jedoch nicht an ihrem Eifer hinderte. Von Forschern, die eine Expedition in ein Knochenschloss starteten, Bruderzwist oder eine Romeo & Julia – Geschichte auf einem Piratenschiff.  Ich wiederum hatte meine Freude an der elektronischen Tafel, die ich benutzen durfte. Meine Handschrift sah zwar noch schlimmer und schräger aus als normalerweise, aber diese Tafeln sind ein einziges Spielzeug. Mit einem Tippen wechselt man die Schriftfarbe und ein Klick mit der Maus und schon konnte ich den Schülern den Blog hier zeigen.

Dennoch frage ich mich weiterhin, warum Lehrer mir ständig eine Karriere als Grundschullehrerin vorschlagen. Klar, es macht unglaublich Spaß mit Kindern zu arbeiten, weil ihre Fantasie grenzenlos ist, aber ich habe mich nie in der Rolle des Pädagogen gesehen. Andererseits bezweifle ich, dass ich viele Autoren gibt, die sich in der Großen Pause von ihren Zuhörern zum Schaukeln überreden lassen! 😀

 

Juli 3 2011

Weltpremiere! Mein Debüt als Jurorin! :)

Bevor ich diesen Bericht beginne, möchte ich meinem Mann Dominic  – freundlichst – dafür danken, dass er mir vor meiner vorletzten Fahrt nach Brandenburg  im Schuljahr 10/11 erklärt hat, dass ich unsere Autoantenne herausziehen muss! Denn nur so hat man auch über die Berliner Grenzen hinaus Radioempfang.  Danke noch mal …

Nennt mich Schussel oder Technophob, kenn ich alles schon. 😉

Da dies ja geklärt ist, kann ich zum eigentlichen Thema übergehen. Am 30. Mai hatte mich die Grundschule am Ziegeleipark in Mildenberg eingeladen, um eine Jurorin für ihren Vorlesewettbewerb zu sein. Mildenberg liegt mittig zwischen Gransee und Zehdenick und ist … naja überschaubar. Während ich noch der Stimme meines Navis folgte, dass mein Ziel irgendwo auf der rechten Straßenseite liegen sollte, hatte ich Mildenberg auch schon wieder verlassen. Dafür kann ich bald meinen eigenen Allmanach herausgeben. Denn nach Löwenzahn und Schafgarbe kann ich stolz berichten, dass der Klatschmohn gerade in Brandenburg in voller Blüte steht. Dazu ist der Roggen (bitte lass es Roggen gewesen sein) in die Höhe geschossen. Aber genug von diesen landwirtschaftlichen Ausschmückungen, ich verfalle sonst nur wieder in Landeifieber und denke an mein altes Zuhause.

Der Vorlesewettbewerb wurde von der ersten bis zur fünften Klasse ausgerichtet, um jeweils den Stufenbesten und natürlich den Besten der Schule zu ermitteln. Ich hatte ein bisschen Panik, da in meiner eigenen Schule die Jury einen seitenlangen Kriterienbogen ausfüllte und ihre Entscheidung auch noch begründen musste. In Mildenberg verlief es deutlich einfacher mit einer Punktevergabe von eins bis drei. Ich entschied mich auf den Lesefluss zu achten bzw. auf die Betonung. Wobei Letzteres eher auf die älteren Stufen zutraf.  Mit mir beurteilten noch die Lehrerin, die den Wettbewerb ausrichtete, die Bibliothekarinnen, zwei Sechstklässler und eine ehemalige Grundschülerin die Wettbewerber. Dementsprechend neugierig waren die Schüler und wollten mir von ihren Büchern erzählen. Ein paar baten sogar, als Erinnerung eine Widmung in ihre Bücher zu schreiben! Was für mich wirklich eine Überraschung darstellte.

Logischerweise begannen die Flexklassen zuerst und so steigerten sich auch die Textlängen und die Schwierigkeit. Der Tag begann mit einem Tinkerbell – Bilderbuch, erstreckte sich über eine Cowboygeschichte und Greg’s Tagebuch, bis hin zu einem Jugendbuch von Andreas Steinhöfel. Beeindruckt war ich jedoch von einem Viertklässler, der aus einem Sachbuch über Ritter las. Er war nicht der Flüssigste in seiner Klassenstufe, aber all die anspruchsvollen Begriffe wie Burgfried, Schlafgemach oder Distanzwaffen (warum es heute keine Ritter mehr gibt), las er fehlerfrei und ohne Stocken. Süß war wiederum der Junge, der versuchte einen Drachen mit ‚Sch‘-Schwäche zu imitieren. 🙂

Sooft wie ich den Reportern der MAZ und der Gransee Zeitung über den Weg gelaufen bin, hat es mich eigentlich gewundert, warum der Journalist, der über den Wettbewerb berichtete, mich nicht gleich mit „Hallo Frau Franke“ ansprach. 😉 Dafür habe ich gemerkt, ich bin lokalteilsüchtig. Kaum hatte ich den Herren entdeckt, marschierte ich trotz der noch andauernden Großen Pause auf ihn zu und verwickelte IHN in ein Gespräch. Nicht anders herum; so wie es eigentlich sein sollte. Wie immer stelle ich den Artikel online, wenn ich eine Ausgabe erwischt habe.

Da die Teilnehmer sich wünschten, die Ergebnisse noch am gleichen Tag zu erhalten, sprang ich zu Überbrückung ein. Während also die Punkte ausgezählt und die Urkunden gedruckt worden sind, kam ich der Bitte nach, aus Timmy vorzulesen. Bei einem derart gemischten Publikum gewiss eine Herausforderung, aber die weiten, wie O’s geformte Münder sind immer noch der beste Beweis, dass es den Zuhörern Spaß macht. Danach konnte ich mich nur an die Improvisation klammern und war ein bisschen froh, als ein Junge fragte, ob man auch Autogramme bekommen könnte und plötzlich alle mir etwas vor die Nase hielten.

Die Urkunden- und Preisvergabe fand direkt im Anschluss auf der großen Treppe vor der Schule statt und ich durfte sozusagen „Buchstabenfee“ spielen. Austeilen, Hände schütteln, Fotos machen. Es hat Spaß gemacht, ich kam gar nicht schnell genug von links nach rechts. Aber viel erstaunlicher ist die Selbstsicherheit, die ich bei solchen Aktionen an den Tag lege. Ja ich weiß, ich schweife ab, aber wenn ich zurückdenke, wie laut mein Herz im Januar noch pochte, und ich mittlerweile die Aufregung ganz leicht herunter schlucke … Einfach erstaunlich, wie schnell Menschen sich verändern und anpassen können. Natürlich im positivem Sinne. 😉

Nach den wirklich guten Auftritten der Schüler war ich ein bisschen nervös wegen meiner eigenen Lesung. Schließlich musste ich mich kleinen Kennern stellen, und dies auch noch in einem seltsam hallenden Musikraum. Irgendwie habe ich die Akustik erst nach fünf, sechs Seiten herausgehabt. Dafür haben wir mal wieder hoffnungslos überzogen, da ich mich über jeden Berufswunsch und jede Frage freue und versuche, so gut wie möglich zu antworten. Ich hoffe, der Lehrer, der sich über seine leere Klasse wunderte, verzeiht mir!

Zumindest bin ich froh, dass bald Sommerferien sind. Denn als ich für die Rückfahrt in mein Auto stieg, erwartete mich ein Backofen. Ach quatsch, es war so heiß wie im Inneren eines Vulkans! Ich staune immer noch, wie ich diesen Bericht hier tippen konnte, ich muss noch nicht ganz gar sein.

STAY TUNED! 😉

 

Juni 23 2011

Wie? Sie müssen schon wieder gehen?

Am 24. Mai lud mich die Pestalozzi Grundschule in Birkenwerder ein, um beim Programm ihres Lesefestes mitzuwirken. Die Grundschule selbst ist gewaltig. Fünfzügig plus Integrationsklassen! Trotz dieser beträchtlichen Schülerzahl gab es kein Gedränge oder Gequetschte in den Gängen. Die Schule sowie der Schulhof wurden so groß angelegt, dass bestimmt die doppelte Menge hineinpasste.
Da sich die ganze Schule sich an diesem Tag zu Workshops aufteilte, arbeitete ich mit ca. 50 Sechstklässlern, die zunächst bei meiner Lesung zuhörten. Die Lesung selbst fand in einem alten Kunstraum statt und wir hatten viel, viel Platz. Die Schüler machten gut mit und ließen sich verrückte Berufe wie Faulenzer oder Betttester einfallen. Die meisten Berufswünsche haben mir die Schüler aber mitgeteilt, während ich Bücher signierte. Als ob sie es sich nicht getraut hätten, ihren Wunsch vor der ganzen Gruppe zu äußern.

Endlich habe ich es geschafft, tief genug für Korbe zu klingen. In den letzten Lesungen habe ich mich Korbes Sprechweise mehr und mehr angenähert, aber in der Pestalozzi Schule hat es geklappt. Bis auf ein paar Quietschern, da meine natürliche Stimmfarbe bei Weiten höher liegt. 😀 Es ist keine Schadenfreude, aber meine Zuhörer fallen immer wieder auf den Trick mit den Allergomördern herein. Sie erzählen mir gedankenlos von ihren Allergien und sind dann überrascht, wenn ich ihnen von den Allergo-Attentaten erzähle, die ich als Allergomörder durchführen könnte. Vielleicht sehen sie ab sofort wie Tilo jeden Abend unter ihrem Bett und in ihren Schränken nach. 😉

Im Anschluss an die Lesung hielt ich erneut meinen Schreib-Workshop ab. Die Schüler waren schon gespannt darauf. Fast hatte ich das Gefühl, dass alle Nachwuchsautoren dieser Grundschule sich in meinem Kurs versammelten. Leider musste ich den Workshop immer wieder unterbrechen, da vier Schulreporter mit mir en Interview machen wollten. Diese stellten sich als vier Erstklässler heraus, die so leise sprachen, dass man sie kaum verstand und vor lauter Schreck beim ersten Besuch einen Teil ihrer Fragen vergaßen. Daher klopften sie nach wenigen Minuten wieder an. Zu gerne hätte ich von den vier Mädchen und ihren bunten Presseausweisen ein Foto eingefügt!

Die Brainstorming – Phase verlieft jedoch gut, und die Schüler präsentierten jede Menge Ideen. Sie konnten sich sogar kaum auf den Stühlen halten, als wir die Teilnehmer zum Arbeiten in zwei Räume aufteilten. Sofort wollten alle mit dem Schreiben beginnen. Und sie schrieben, schrieben und schrieben. Bis zur Pause hatten manche schon drei DIN A 4 Seiten voll und ein paar Mädchen planten aus ihrer Idee ein Buch zu machen. Sie erzählten mit davon, und ihre Idee über Elfen, die die Jahreszeiten bringen und von Trollen gejagt werden, gefiel mir richtig gut. Im Allgemeinen waren die Einfälle weit gefächert. Von Science-Fiction Geschichten, bei denen die Erde gegen die Venus kämpft, Seeschlachten oder Entführungsgeschichten war alles dabei.

Nur eins kann ich mir nicht erklären: Warum schlägt mir jede Schule vor, dass ich als Zweitkarriere den Beruf als Grundschullehrerin ins Auge fassen könnte? Ist der Lehrermangel in Berlin / Brandenburg so drastisch? Sicher, ich komme mit meinen Zuhörern gut klar, aber das liegt wohl eher daran, dass es den Schülern Spaß macht und ich eben ein recht junger Besuch bin. Ich bin überzeugt, als Lehrerin würde ich diese Meuten kaum gebändigt bekommen …

Zum Abschluss bin ich noch das Fleckchen in Birkenwerder spaziert, in dem die Pestalozzi Grundschule anwesend ist.  Von der Kirche, die sich direkt neben dem Gebäude in die Höhe schraubt und dem fast schon magisch grünen und stillen Weiher (wenn man bedenkt, dass man direkt an der B96 war), habe ich auch noch ein paar Fotos geschossen.

Juni 18 2011

Tränende Augen und verstopfte Nasen

Mit diesen beiden Dingen hatten meine Zuhörer der „Grundschule an der Mühle“ in Bredereiche zu kämpfen, als ich am 20.5. die vierten bis sechsten Klassen besuchte. Denn so langsam stand die Schafsgarbe in voller Blüte und überall schwirrten flaumige, weiße Pollen durch die Luft. Sprich, Pollenallergie. Die Kinder waren also schon vor der Lesung auf die Allergomörder eingestimmt.

Bredereiche liegt im Übrigen nördlich der Stadt Gransee im Oberhavelland, direkt an der schönen Havel. Der Name leitet sich von der dicken / breiten Eiche ab, die noch immer am Ortsausgang Richtung Himmelpfort (Ja, Himmelpfort 😉 ) steht. Ein mächtiger, 400 Jahre alter Baumriese! Durch die Anbindung an die Havel war Bredereiche früher einmal der Warenumschlagplatz der Region, da der Ort bereits seit dem 18 Jhd. Schleusentore besitzt. Ansonsten gehört die alte holländische Mühle noch zu den Sehenswürdigkeiten.
In der Nähe jener Mühle lag auch die Grundschule in einem alten, gemütlich wirkenden Backsteingebäude. Zumindest hat das Lehrerkollegium mich auch gleich als ‚unbekannt‘ eingestuft. Wobei jeder davon ausging, dass ich die neue Praktikantin sei und nicht die Buchautorin, die die Lesung halten sollte. Die Lesung selbst verlief gut, auch wenn es dank des schwülen Sommertages unheimlich warm war. Daher bestimmten regelmäßige Trinkpausen den Tagesplan, sowohl für die Schüler als für mich. Wie es wohl erst im Juni wird? Ich will gar nicht darüber nachdenken.

Bei den Berufswünschen hielten sich die Schüler zurück, aber die Schönsten waren:

  1. Mit einer Bedenkzeit von einigen Millisekunden: Der Faulenzer
  2. Profi-Segler; was sich bei den vielen Flüssen und Seen im Uckermarker – Naturschutzgebiet anbietet
  3. Biologin
  4. Lehrerin
  5. Frisörin
  6. Starfußballer a.k.a. der nächste Sebastian Schweinsteiger

Zumindest gehe ich davon aus, dass es den Schülern Spaß gemacht hat. Denn wie sagte ein Junge, als ich mit dem Vorlesen fertig war: „Wie? Sie hören an der spannendsten Stelle auf? Das geht doch nicht!“ Tja, weiterlesen, wenn es so gut gefallen hat! 😉

Im Anschluss an die Lesung bestand mein Schreibworkshop seine Feuertaufe. Dabei ging es um Schreibtipps bzw. darum, wie man eine Geschichte aufbaut. Wenn ich bedenke, wie sehr ich mich früher davor gefürchtet habe, etwas an die Tafel zu schreiben … Dagegen hat es richtig Spaß gemacht! Die Schüler waren unglaublich kreativ. Ganz gleich ob bei fantastischen Ideen oder Geschichten, die in der Realität spielen. Wölfe, Ritter, Geister, zwei Brüder, die sich nicht verstehen, eine verhauene Mathearbeit, … Es gab keine Grenzen.
Ich habe mich wirklich gefreut, dass die Schüler so gut mitmachten und dann auch ganz eifrig an ihren Geschichten schrieben. Die Möglichkeit, ihnen ein Stück von dem, was mir unglaublich Spaß macht, weiterzugeben, war eine ganz neue Erfahrung. Dazu eine positive. Obwohl es die letzte Stunde an einem Freitag war, ließen die Kinder sich nicht von ihren Geschichten abbringen und waren ganz enttäuscht, dass sie sie nicht rechtzeitig fertigstellen konnten. Ein Junge verabschiedete sich gleich drei Mal bei mir und fragte zum Schluss, wann ich den wieder kommen würde, damit er mir seine Geschichte vorlesen kann. Mal sehen, ob er sie mir wirklich bei Email zusendet; wie ausgemacht. 🙂

 

Juni 12 2011

Meine Lesung in der Grundschule Gransee

Ich war mir relativ sicher, dass Gransee eine kleine Stadt in Brandenburg ist und ich mich nicht verfahren dürfte. Leider hat mein Navi es am 16.5. nur eins geschafft: Mich zielgenau zur falschen Schule zu leiten. Verzeihen kann ich dem unzuverlässigen Gerät nur, weil die Grundschule Gransee so viele Eingänge an unterschiedlichen Straßen besitzt. Den Postkasten hätte ich nie gefunden! Meine Lesungen fanden jedoch in der nebenan liegenden Oberschule statt, da sich dort die Stadtbibliothek angesiedelt hat und uns für die Veranstaltung einen Raum lieh.

Auf jeden Fall fing der Tag mit einem breiten Schmunzeln an. Ein Junge trug eine Hertha BSC – Schärpe um den Hals und ich fragte, ob er bei der Meisterfeier (am Vortag) gewesen sein Er erzählte mir, dass er im Stadion war, fragte, ob ich auch Hertha mag, ob ich das Spiel gesehen habe, … Zum Schluss drehte er sich zu seinen Freunden um und sagt stolz: „Seht ihr, es gibt doch mehr als nur einen Hertha-Fan!“ 😀

Insgesamt hielt ich drei Lesungen in den fünften und sechsten Klassen. Schätzungsweise hätten 45 Zuhörer in den Raum der Stadtbücherei gepasst, doch waren die Klassen klein; viele Plätze blieben frei. Dadurch, dass die Bücherei häufiger Lesungen für die Grundschule veranstaltet, hatten die Kinder leider nicht so viele Fragen. Andererseits finde ich es lobenswert, wenn Grundschulen Literatur derart fördern. Z.B durch Rezitier- und Vorlesewettbewerbe oder regelmäßigen Autorenlesungen. Auch besuchte wieder ein Reporter der Märkischen Allgemeine Lesung, um über sie im Lokalteil Gransees zu berichten.

Meine Zuhörer stellten sich dennoch als aufmerksam und kreativ heraus. Ihre Berufswünsche waren:

  1. Kaktusentstacheler – wobei ich den Zweck dahinter noch nicht verstanden habe.
  2. Maikäferfänger – Der Junge wollte Maikäfer fangen und töten, damit sie nicht der Natur schaden. Ein Mitschüler war pfiffiger. Er wollte die Käfer nur fangen und dann zum Töten woanders hinbringen. So sieht man, wer in frühen Jahren schon die „Drecksarbeit“ von sich schiebt 😉
  3. Archäologe
  4. Friseurin
  5. Pilot, und wenn das nicht klappt: Panzerfahrer
  6. Moderatorin – ganz gleich ob Fernsehen oder Radio, Hauptsache das Mädchen kann reden
  7. Fußballstar oder – falls das nicht funktioniert – Koch. Dabei ist mir erst aufgefallen, wie viele Fünftklässler sich wünschen Koch/Köchin zu werden. Ich kann mir diese Entwicklung nicht erklären. Außer dass diese Kinder aufgrund von berufstätigen Eltern deutlich früher kochen lernten und ihren Spaß daran gefunden haben.

Kurz vor der LesungDie beste Frage stellte genau dieser Fuballstar/Koch, in dem er fragte, ob ich vergeben sei. Der ganz Raum lachte schallend und ein Mädchen antwortete schnippisch: „Na klar! Siehst du nicht den Ring?“  Da ich im Vergleich zu anderen Lehrern oder Autoren relativ jung bin, hat dies die Schüler noch mehr überrascht. Dazu wurden die Jungs mutiger und fragten mich über Hobbies und dergleichen aus. Dabei bin ich für Zehn- und Elfjährige viel zu alt! 😉

Nach vielen staubtrockenen Wochen stellte sich die Rückfahrt als stürmisch heraus. Ich musste noch nie bei starken Windböen über Landstraßen fahren, welche mein Auto zur Seite drückten. Daher verzeiht mir bitte, dass ich bei dem einsetzenden Starkregen nur noch nach Hause wollte und leider keine Fotos vom historischen Stadtkern existieren …