März 23 2011

Lesung Drei – Seen – Grunschule

Habt ihr zufälligerweise auch ein Nokia Handy? Dann könnt ihr wahrscheinlich die Wecktöne genauso wenig ausstehen wie ich. Besonders wenn man dadurch um fünf Uhr früh aus dem Schlaf gerissen wird … Leider konnte ich mein Handy nicht einfach an die Wand schmeißen und mich noch einmal umdrehen, auch wenn ich mir dies jeden Montag aufs Neue wünsche.

Karte erstellt mit Google MapsDenn am 21.3.2011 war ich zu zwei Lesungen in der Drei-Seen-Grundschule in Fürstenberg eingeladen. Fürstenberg? Das habe ich mich auch gefragt. Aber wofür gibt es Google Maps und elektronische Navigation, die einem „folgen sie der Straße für 16 km“ erklärt. Fürstenberg erreicht  man relativ einfach. In Berlin fährt man auf die A100 in Richtung Hamburg und von da an einfach 90 Kilometer weiter gerade aus. Gefühlt habe ich die halbe B96 hinter mir gelassen. Immer im Wechsel zwischen Feld, Dörfchen, Baumalle, Dörfchen und beeindruckend viel Wald. Spätestens als ab Oranienburg mein Autoradio keine Sender mehr fand, habe ich mich dennoch ein bisschen einsam gefühlt. So früh morgens habe ich kaum ein anderes Auto entdeckt, sodass ich durch stille – ja fast eingefrorene – Landschaften fuhr. Der Raureif bedeckte die Felder und erste Sonnenstrahlen warfen lange Schatten zwischen den Bäumen. Anderseits habe ich selten so viel Wald gesehen. 😉

Die Drei – Seen – Grundschule liegt direkt an der Ortsgrenze. Kaum zeigte mein Navi sein kleines Zielfähnchen, parkte ich auch schon. Fürstenberg ist ein beschaulicher Ort. Einfamilienhäuser mit Garage und Garten, einspurige Straßen. Das Gebäude der Schule wirkte fast schon zu funktionell, aber hell und freundlich im Morgenlicht. Wie immer habe ich mich hoffnungslos verirrt und einen vorbeikommenden Schüler nach dem Weg Richtung Lehrerzimmer gefragt. Überall in den Gängen hingen Plakate zu Projekten, Bilder aus dem Unterricht und Fotos von Ausflügen. Frau Jochens, die mich in die Schule eingeladen hatte, fand ich in ihrer Klasse. Ich platzte mitten in den Englischunterricht hinein. Ein ganz schön seltsames Gefühl! Im Moment spreche ich nicht viel in dieser Sprache, da war meine Zunge richtig eingerostet. Der Anblick, dass einige Kinder schon ungeduldig meine Flyer in den Händen drehten, hat dafür jedes schlechte Gefühl weggefegt.

Die Lesungen fanden beide im „Hausaufgabenraum“ ein Stockwerk tiefer statt. Während die ersten Schülern noch die Tafel abschrieben, konnte ich den Raum schon einmal vorbeireiten. Bücher aufstellen, Lesezeichen und Sticker verteilen. Nachdem ich mich schon daran gewöhnt habe, dass die Schüler bei meinen Lesungen immer wild durcheinander fragen und kaum stillzukriegen sind, waren sie dieses Mal sehr ruhig. Ruhig haben sie ihre Plätze eingenommen und still auf den Beginn gewartet. Bis auf Tassilo. Da ich aber nur seinen Namen kannte, wusste ich mit ihm umzugehen. 😉 (Im Übrigen ist Tassilo ein Trendname unter den Zehn- bis Zwölfjährigen? Ich denke dabei immer an „Die Schöne und das Biest“)

Zwar schreibe ich immer, wie aufmerksam die Schüler waren, aber irgendwie sollte ich das Wort neu definieren. Ich saß relativ dicht zusammen mit den fünften Klassen, die Atmosphäre war gemütlich. Doch anstatt sich mit etwas anderen zu beschäftigen, haben die Kinder mich alle beobachtet. Ich sehe, dies ja immer nur kurz, wenn ich von den Zeilen aufblicke. Aber die vielen Augenpaare, die auf einem ruhen, bestätigen einem in seiner Arbeit. Spätestens die vielen Berufsvorschläge der Kinder zeigten mir, dass sie dem Text gefolgt sind und es ihnen Spaß gemacht hat.

In Fürstenberg waren meine Favoriten: Urlaubstester, Eiscremetester, Modell, Designer für Frauenkleider (dem armen Jungen wurde sofort gehänselt), Rollerskatetesterin und – Trommelwirbel – der Faulenzer. Hatte ich nicht in Leipzig noch gesagt, dass der Tag kommen würde? Da ist er! Der erste Junge wollte zur Erheiterung seiner Mitschüler einfach nichts tun und dies als sein Beruf. 😉

Meine erste Lesung hätte besser laufen können. Ich war müde vom frühen Aufstehen und der langen Fahrt, sodass ich mich ein paar Mal zu oft verlas. Das ärgerte mich, aber ich habe es während den Seite geschafft, meine Konzentration zu halten. Spätestens nach der Tasse Kaffee in der Pause war ich wieder voll wach.

Zum Dank schenkten mir eine Klasse ein Blumengesteck, das ich wirklich praktisch finde, da alle Blumen für draußen geeignet sind. Also kann ich damit meinen Balkon begrünen und den ganzen Sommer lang an diesen Tag zurückdenken. Die zweite Klasse überreichte mir eine selbst gemalte Karte und ein Glückschwein voller Schokolade. Hehe, Schoki. 😀 Die Karte habe ich sicher gut weggepackt in meine Kiste für Andenken.

Als die Überraschung des Tages stellten sich zwei Reporter heraus, die über meine Lesungen in der „Märkischen Allgemeinen“ und der „Gransee Zeitung“ berichten. Ich wusste, dass die Schule, die Presse informieren wollte, aber mit soviel Rückmeldung hatte ich nicht gerechnet. Sobald ich einen Weg gefunden habe, diese Zeitungen aufzutreiben, landen die Artikel unter „Pressestimmen“.

Bevor ich mich jedoch auf den Rückweg machte, hielt ich noch in Gransee an, einem Nachbarort, um dort in der Luisen-Buchhandlung Werbe- und Infomaterial abzugeben. Seit Dienstag steht Timmy offiziell auch in diesem Buchladen. 😉
Wenn es interessiert, Gransee ist ein Ort mit einer weit zurückreichenden Geschichte. Ich konnte nur kurz verweilen, aber der historische Stadtkern, die Kirche und das „Stadttor“ sahen allesamt interessant aus. Beizeiten werde ich das wohl noch recherchieren, da ich Ende Mai einen weiteren Besuch abstatte.

März 22 2011

Bericht Leipziger Buchmesse – Teil 2

aufgenommen von Felizitas Monforts

Tag 3 – 18.03.2011

Im Gegensatz zu meinen Bekannten habe ich richtig gut geschlafen. Abgesehen von meinen Schulterschmerzen, die aber vom Brocken meiner Tasche herrühren, den ich mit mir schleppe. Entgegen aller Erwartungen ging das Chaos weiter. Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind genauso schrecklich wie die Taxifahrer. Obwohl ich zu meinem Fachbesucherausweis (Dauerkarte) den MDV-Part gebucht habe, wurde mir in der Tram 16 (Messegelände Richtung HBF) ein Knöllchen verpasst. Begründung: Man darf dieses Ticket nur für Fahrten zur und von der Leipziger Messe benutzen. Wobei ich davon ausgegangen bin, dass man dabei den Ort der Messe meint. Die Verkehrsbetriebe gehen aber von der Zeit aus! Da ich für meine Lesung in der Mittelschule 16 am Messebahnhof startete, sah ich mich auf der sicheren Seite. Leider war es halb neun Uhr morgens und mein Kontrolleur sah keinen Grund, warum ich mich auf dem Rückweg von der Messe befinden sollte. Am liebsten hätte ich dem werten Herrn eine gescheuert, aber Gott sei dank hatte ich die Hände voll mit meiner Tasche und meiner Dauerkarte.

Ach herrje, die Veranstaltung „Leipziger Buchmesse“ geht ja vom 17-20.3; ohne gewisse Uhrzeiten! Abzocke, nenne ich das. Abzocke, weil die Verkehrsbetriebe ganz genau wissen, dass Autoren und Verlagsvertretungen durch die Stadt zu ihren Terminen fahren. Wahrscheinlich fuhren deswegen auch die Taxis so konfus. Damit man in der Tram zur Kasse gebeten wird …  Meine Laune besserte sich auch nicht gerade, als ich genötigt wurde mir ein Tagesticket nach zu kaufen und dank Wegbeschreibungen alter Leipziger Damen in die Irre geführt wurde. Anstatt meines Spaziergangs um die Blocks hätte ich auch einfach rechts abbiegen können. Aber man gibt sich ja professionell und lässt sich nichts anmerken. Schließlich war ich zu einer Lesung eingeladen und diese sollte den Schülern doch Spaß bereiten!

Die Mittelschule 16 erinnerte mich an ein paar alte, katholische Gymnasien, die ich in Düsseldorf gesehen habe, und sie verschmolz wieder einmal perfekt mit dem Wohngebiet. Ich bin es nicht gewohnt, solche Schulen zu erkennen. Mein altes Gymnasium liegt mitten im Nichts und es gibt nur einen Weg dorthin. Ich bin ziemlich hoffnungslos im „Schulen aufspüren“.

Meine heutige Verlagsvertretung, Frau Esselborn, und ich haben im Lehrerzimmer gewartet, bis man uns zur Klasse 6a führte. Es erstaunt mich immer wieder, die Unterschiede in der Entwicklung von Kindern zu sehen. Die sechste Klasse gestern wirkte wie eine Gruppe aus Fünfzehnjährigen. Die Klassen heute war sehr lieb und aufmerksam. Während ich las, stützten sie die Köpfe auf die Hände, beobachteten mich ohne Pause und lauschten. Als würde ich sie in eine andere Welt führen, wenn ich meine Zeilen vortrage. Sie es sich geradezu wünschen, dass man ihnen wieder etwas vorliest.

Die Berufe waren wieder kunterbunt zusammengewürfelt:  Extremsportler, Zahnarzt, Bürokaufmann, Reisekaufmann, Nageldesignerin, Vorkoster, Verbrecher. Ja, genau. Da habe ich wohl etwas mit meinem Bettler angerichtet. Ich frage mich, wann ein Kind den Faulenzer vorschlägt? Ein Junge war besonders mutig, und erzählte, er wäre gerne Archivar, was bei den meisten auf Unverständnis stieß. Dabei mochte der Junge einfach nur Geschichte. Dieses Mal richtete sich die Fragerunde auch an meine Verlagsvertretung, was eigentlich ganz angenehm war. Ich weiß, ich bin eine Quasselstrippe, aber zuhören tut manchmal einfach gut.

Während wir uns auf den Weg zur Buchmesse machten, grübelte ich, wie mein zweiter Blumenstrauß den Tag heil überleben würde. Letztendlich wurde er für ein paar Stunden als Deko beim VIP-Bereich von werk-zeugs.de umfunktioniert. Aber ich greife vor. Zunächst bin ich zu diesem VIP-Bereich gehetzt. Ich war einfach nur glücklich, einen Weg durch die überfüllten Gänge zu finden und meine Sachen abwerfen zu dürfen. Und dann gab es das „Goodie of the day“: Mein Lanyard mit dem VIP-Ausweis. YEAH! 😀 Ich hoffe, ich habe mir nicht anmerken lassen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe …

Ein Bekannter fand mich in diesem Bereich und wir haben kurz über die Absperrung – eine schmiedeeiserne Kette – gequatscht. Bis er auf einmal ganz hibbelig wurde und unauffällig auf dem Mann neben mir wies. Ehrlich gesagt, keine Ahnung, was los war. Der Mann war größer als ich, hatte einen seltsamen Bart und war schwarz gekleidet. Doch da raunte mein Bekannter: Markus Heitz.

Der richtige Gedanke rastete ein. Ich stand neben Markus Heitz – mein Bekannter liebt seine Bücher. Er schwebte gefühlt im Fanhimmel und ich habe Herrn Heitz erklärt, dass ich ihn gar nicht erkannt hatte. Das war einer dieser Momente, in dem mir bewusst wurde: Hey, du bist jetzt Autorin. Als ich neben Markus Heitz auf der anderen Seite der Absperrung stand und mich mit ihm über Lesungen unterhielt. Er gab mir sogar Tipps für meinen Auftritt auf der Fantasy-Insel! An dieser Stelle möchte ich mich noch herzlichst einmal bedanken!Leseinsel - fotografiert von Jan Langbein

Im Übrigen hat er es mir nicht krumm genommen, dass ich ihn nicht erkannt habe. Fast klang es so, als sei es alltäglich für ihn.

Der „Schreckliche Sven“, ein 2,05 Meter großer Kerl, der sich um die Autoren kümmert, führte mich dann auch schon zur Leseinsel. (Das ist ein Bereich in Halle 2, der sich Sitzwürfel aufteilt und einem Sessel mit Standmikro für die Autoren.) Ich bin ganz brav hinter Sven hergelaufen – er teilte die Menge, wie Bruce im Film „Bruce Allmächtig“ die Tomatensuppe 😉 – und habe meinem Platz eingenommen. Da schlug aber schon wieder das Chaos zu. Statt 30 Minuten sollte ich nur 25 Minuten Zeit zum Lesen haben. Vorbereitet hatte ich 28. Gut, Plan A war schneller zu lesen. Das ging leider nicht, weil mit jeder Minute mehr und mehr Kinder erschienen, die alle zuhören wollten. Plan B: die BMUF. Das ging leider auch nicht, da ich ja den Kindern ein tolles Erlebnis bereiten wollte. Ob das mit Steuerbeamten möglich sein würde?

Hin und her, vor und zurück – Ich habe einfach die Parts gelesen, die ich vorbereitet habe. Oder eher zwei von dreien, bis Sven mich unterbrach. Ich hatte wirklich nicht mit diesem Ansturm von Zuhörern gerechnet. Vielleicht mit fünfzehn, aber die Leseinsel war gerammelt voll! Sogar zwei Schulklassen waren extra zu meiner Lesung gekommen! Aber das Beste war: Selbst wenn hier und dort einige aufstanden, die freien Plätze füllten sich sofort wieder! Ein paar Kinder saßen sogar an der Wand neben mir! 😉

aufgenommen von Felizitas Monforts
aufgenommen von Felizitas Monforts

Meine Versprecher hat man zum Glück nicht bemerkt. Genauso wenig, dass ich beim Lesen überlegt habe, welche Absätze ich wegfallen lassen muss, um auf 25 Minuten zu kommen. Gut, dass ich das erste Kapitel mittlerweile auswendig kann. Die Lesung verlief sagenhaft, bis auf eins: Vor mir saßen jede Menge Kinder, die Gummibärchen, Kekse, Schokolade aßen. Nichts ist schlimmer, als Süßigkeiten rascheln und knistern zu hören, wenn einem der Magen knurrt. 🙁

Warum Kinder auf unterschriebene Lesezeichen abfahren, bleibt mir ein Rätsel. Umsomehr freute ich mich über die Schüler einer Lese-AG, die sich eine Widmung für ihre Schule wünschten. Dort steht Timmy ab sofort in der Schulbücherei.

Wer glaubt, nach der Lesung wurde es ruhiger, verfehlt. Ich stieß auf Sinje Blumenstein, die ich zwar aus dem Internet kannte, aber nie live gesehen hatte. Ihr T-Shirt zur Laubkönig Anthologie hätte mir eigentlich den entscheidenden Hinweis geben sollen. Aber sie war nicht die Einzige, die ich an diesem Tag nicht erkannte. Denn auf einmal erkannten die Leute mich! Plötzlich schallte es aus allen Ecken „Sie müssen Frau Franke sein“ oder „Frau Franke, …“ – Unheimlich. Wirklich. Mein Personengedächtnis ist schlecht, aber sich ständig zu fühlen, als leide man an Namensalzheimer, bringt einen schon durcheinander.

Nach all diesen Terminen und Lesungen hatte ich doch noch ein bisschen Freizeit, um einen Bekannten, der für meinen Auftritt auf der Leseinsel extra angereist war, über die Messe zu führen. Zumindest musste er sich damit zufrieden geben, dass ich ständig Lesezeichen und Flyer auslegte; diese auf Bänke, Treppen, und sonstigen freien Stellen drapierte.  Am liebsten hätte ich einfach Sophie Scholl gespielt und all meine Zettel von einem der erhöhten Übergänge geworfen. Aber das hätte die Messeleitung wohl nicht so gut gefunden …

Am heutigen Tag habe ich auch die auffälligsten Werbemaßnahmen entdeckt.

http://www.corneliafranke.org/wp-admin/post.php?post=1332&action=edit&message=1

Platz 1# : Am Morgen habe ich beobachtet, wie zwei Frauen 1-Cent-Stücke über das Gelände der Buchmesse verteilten. Auf meinem Rückweg habe ich noch welche gefunden und diese entpuppten sich als pfiffige Idee von „neuebuecher.de“.http://www.corneliafranke.org/wp-admin/post.php?post=1332&action=edit&message=1

Platz 2# : Da die meisten Cosplayer wohl erst am Samstag anreisen, zog diese Geisha sehr viele Blicke auf sich. Vielleicht lag es auch am blauen Schirm. Ich zumindest habe keinen anderen auf der Messe entdeckt. Passend zu den Chillis im Haar machte die Dame Werbung für die Lyrik – Anthologie „Chilli für die Venus“.

Tag 4 – 19.03.2011

Kein Zweifel. Ich bin Buchmesse-süchtig. Ich gebe es zu und wünsche mir einen Vermerk auf meinem nächsten Personalausweis. Mit jedem Schritt in Richtung Eingangshalle, wurde mir leichter ums Herz. Der Messeturm, die seltsame Rose (dessen Funktion ich nicht kenne), die bekannte Form des Gebäudes. Würde ich sonst bei jedem Wetter dorthin laufen, bis die Füße schmerzen? Wohl kaum.  Eisiger Wind, unbeständiges Nebelwetter, und Regenschauer halten mich nicht ab. Auch wenn der Sonnenschein am Samstag deutlich angenehmer war.

Ihr wisst doch, Murpheys Gesetz: Wenn ich keine fünf Stunden mehr in Leipzig verweile, kommt das schönste Frühlingswetter zum Vorschein. Andererseits gut für die Buchmesse. Die Menschenmassen waren wieder einmal gewaltig. Oder mit anderen Worten: Vollgestopft, sodass ein Forwärtskommen kaum möglich war.

ZDF und KIKA hatten sich bei Papierfresserchen angemeldet und viele Autoren erschienen, um zwei unserer jüngsten Kollegen zu lauschen. Wir Autoren von Papierfresserchen haben uns ausgetauscht und irgendwie waren alle sehr interessiert daran, wie ich meine Lesereise durch Brandenburg organisiert habe. Berlin und seine Bevölkerungsdichte sind schon eine tolle Sache. 😉 Ich habe mich gefreut die Menschen hinter den Buchcovern zu treffen; sich über Erfahrungen auszutauschen.

An Tag 4 habe ich nichts Berauschendes erlebt. Ein ganzer Haufen Cosplayer ist mir unter die Augen gekommen. Wer hätte gedacht, dass so viele Fans sich als Mitglieder von Akatsuki (die Bösen) verkleiden? Lightning aus FFXXIII, Mario & Luigi & Peach, Slytherins, Altair (Assassins Creed) und den Cast von „Das letzte Einhorn“ habe ich entdeckt.  Aber irgendwie empfand ich die Kostüme letztes Jahr aufregender.

Ansonsten habe ich mich damit beschäftigt, meine restlichen Flyer und Lesezeichen auszulegen. Liebe Damen, für die lila Zettel auf den Bänken der Toiletten war ich verantwortlich. 😉 Nachdem der „Transportmittel-Fluch“ mich jedoch während dieser Reise befallen hatte, war ich schlussendlich nur noch froh, nach Hause zu fahren. Ohne Info/Werbematerial in den Taschen, mit vielen neuen Visitenkarten und dem wohligen Kribbeln, dass ich in weniger als einem Jahr der Wahnsinn Buchmesse erneut beginnt. Lesen Sie weiter

März 20 2011

Bericht Leipziger Buchmesse – Teil 1

Tag 1 – 16.03.2011

Ich bin bestimmt nicht die Einzige gewesen, die diese Woche kopfschüttelnd vor ihrem vollen Kleiderschrank stand und nichts zum Anziehen fand. Man möchte halt gut aussehen auf der Buchmesse! 😉 Dabei hatte ich es dieses Jahr doppelt so schwer. Einerseits stellte ich mir die Frage, was ziehst du unter dein knallbuntes T-Shirt an (sonst leide ich nach zwei Stunden in den zugigen Hallen an einer Lungenentzündung)? Anderseits standen vier Lesungen auf dem Plan, die man kleidungstechnisch irgendwie mit dem Werbe-T-Shirt verbinden musste. Dass der eigene Ehemann droht, zur Lesung auf der Fantasy-Insel einen HD-Camcorder mitzubringen, erleichtert das Kofferpacken nicht unbedingt.

Oh je, jetzt habe ich einen ganzen Absatz dafür verschwendet, was ich anziehe. Wirklich spannendes Thema … Verzeiht, verzeiht, ab hier beginnt dann der Reisebericht. Erstaunlicherweise habe ich fast die Hälfte der Reise damit verbracht, Berlin hinter mir zu lassen. Man glaubt gar nicht wie groß und weitläufig diese Stadt ist, bevor man endlich am Berliner Bären und dem alten DDR Grenzposten vorbeigefahren ist. Ein deutlicher Hinweis ist auch die Geschwindkeitsbegrenzung auf dem Stadtring.

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich bin zwei Stunden zu früh angekommen. Wahrscheinlich lag es an meinem Drang, dass Messegelände wieder zu sehen. 😉 Da das Hotel mir direkt meine Zimmerkarte aushändigte, hatte ich plötzlich ganz, ganz viel Zeit. Selbst nach dem Auspacken änderte sich dies nicht. Und mal ehrlich, ich habe das aufgeräumteste Hotelzimmer der Welt. Kleidung nach Tagen sortiert, Lesezeichen & Flyer griffbereit, Koffer verstaut. Dennoch war es erst zwölf Uhr. Was meint ihr, wie ich die zusätzlichen Stunden genutzt habe? Kleiner Tipp: Als ich aus meinem Hotelfenster sah, konnte ich das Messegelände sehen. Klar und deutlich sehen. Also so klar wie es im Nebel eben geht …

Natürlich habe ich von meinem Fachbesucherausweis Gebrauch gemacht und den Ausstellern beim Aufbau zugesehen. Ich war entsetzt, dass ich innerhalb von eineinhalb Stunden alle Hallen ablief. Okay, wenn man nicht bei jedem zweiten Stand Halt machen muss, um seine Manuskripte anzupreisen, schafft man die Reihen deutlich schneller.

Ein paar alte Hasen werden jetzt den Kopf schütteln, aber hey, die Hallen waren genauso aufgebaut wie im letzten Jahr?! Also die IFA ist jedes Jahr ein bisschen anders; ich hatte schon Panik mich nicht mehr orientieren zu können. Aber so war es, als würde man nach Hause kommen. Es roch nach Buchmesse (und vielen Kartons), es klang nach Buchmesse (und dem Lied von Ducksauce) und alles sah wieder nach Messe aus. Bücher, Bücher, Bücher. Nein, besser. Menschen, Menschen, Menschen, die alle mit Büchern zu tun haben, diese lieben und einen sofort verstehen, wenn man über die Euphorie spricht, mit dabei zu sein. Manchmal kann ich das Gefühl nicht leugnen, für verrückt gehalten zu werden, wenn ich von der Messe wie von meinem Elysium, spreche …

In den Hallen war bereits einiges los, doch Papierfresserchen war noch unterwegs. Auch eine Freundin, bei der ich vier Mal vorbeischaute, tauchte noch nicht auf. (Mal sehen, was sie zu meinem Flyer sagt, den ich zurückgelassen habe.) Trotz Kisten, Autos, die auf den Wegen parkten und schrecklich viel Müll, war es sehr entspannend. Ohne Gedränge – praktisch als einziger Besucher – konnte ich schon einen Vorabblick auf die neuen Bücher werfen, die mich besonders in Halle 2 gereizt haben. Wäre ein Verkauf möglich gewesen, ich hätte locker zehn Stück mitgenommen …

Damit ich aber meine Fachbesucherkarte nicht völlig ausnutzte, habe ich später Papierfresserchen noch pflichtbewusst Lesezeichen und Flyer vorbeigebracht und Halle 2 mit Postern plakatiert. Außerdem habe ich erfahren, dass ich für meine Lesung auf der Fantasy-Insel einen VIP-Pass erhalte. 🙂 VIP – Pass! Plus Schlüsselanhänger. Hihi!

Über den ersten Tag gibt es nicht viel mehr zu berichten. Zur Erleichterung meines Magens habe ich einen Globus-Supermarkt entdeckt (vergleichbar mit dem amerikanischen Wallmarkt) und mich mit einer Dreitagesration von Cup Noodles eingedeckt. Kommt mir nicht mit gesunder Ernährung! Es ist Buchmesse, ich habe kaum Zeit und zwei Orangen als Vitaminspritze dabei. Ich werde die nächsten Tage eh dank Kaffee und Zuckerschocks überleben. Für Dominic habe ich auch schon etwas gefunden. Mousse au Chocolat mit Straciatella Geschmack. Da wird er wahrscheinlich die Schüssel auslecken. 😀

Dadurch dass die kommenden Tage noch stressig genug werden, habe ich den ersten Abend ruhig angehen lassen. Früh ins Hotel (Fitnessraum und Sauna checken), die Lesung für morgen vorbereiten und Champions League schauen. Ein gemütlicher Abend; die letzte Ruhe vor dem Sturm. Wobei Buchmessesturm ist toll. 😉

Tag 2 – 17.03.2011

Wie sagte Orson Welles? Man braucht eine Katastrophe, damit das Stück gut wird. Mir waren das einige Katastrophen zu viel. Es begann damit, dass mir der Roomservice 20 Minuten vor Ankunft meines Taxis mitteilte, sie hätten meine Bestellung vergessen. Kaffeestürzen und Brötchenstopfen in Rekordzeit ist genau die richtige Art und Weise einen Tag zu beginnen. Aber generell sind Leipziger Taxifahrer bei mir unten durch. Sie brettern mit 70km/h durch 50er-Zonen, bremsen nur in Kurven und haben keine Ahnung von ihrer Stadt. Laut google maps hätte ich für meine Hinfahrt zur Mittelschule Portitz nur zwölf Minuten gebraucht, gefahren sind wir eine halbe Stunde. Wenn man so schnell fährt, dass selbst Navis mit dem Neuberechnen nicht hinterher kommen, dann stimmt definitiv etwas nicht.

Als ich dann doch die Mittelschule erreichte, war ich mir im ersten Moment nicht sicher, ob ich am richtigen Ort war. Ich habe keinen Bäcker, kein Geschäft entdecken können, nur kleine Familienhäuser. Und bumm, stand ich zwischen kastenförmigen Betonklötzen. Glücklicherweise empfing mich meine Verlagsvertretung – Frau Penner – und wir suchten uns einen Weg ins Lehrerzimmer. Dort wurden wir von den vielen netten Lehrerinnen empfangen (kein einziger Mann) und uns wurde Frühstück serviert. Schade, dass ich im Hotel so hetzen musste, in Leipzig Thekla gehen die Uhren nämlich anders. Sie gehen gelassener. Termine werden um zwanzig Minuten nach hinten geschoben ….

Meine erste Lesung war vor einer sechsten Klasse und sollte in einem Biosaal stattfinden. Dadurch dass die halbe Klasse krank war, hatte ich kaum 15 Zuhörer. Die Lesung war schwierig. Der Saal hatte eine Akustik, die ich schlecht einschätzen konnte. Die Schüler wiederum gaben mir das Gefühl, dass sie einfach nur nach Hause wollten und die Zeit mit so wenig Aufmerksamkeit wie möglich absaßen. Wenn ein Mädchen nach der Lesung fragt, ob ich Timmy selbst geschrieben habe, muss irgendetwas schief gelaufen sein.

Zum Glück besserte sich alles zur zweiten Lesung für die fünften Klassen. Frau Sonnenberg, eine   Lehrerin, verbrachte die Pause mit Frau Penner und mir, um unser Vocal Coach zu sein. Wie redet man laut vor zwei Klassen in einer Aula, die ca. 100 Mann fasst, und das ohne Mikro. Wie holt man richtig Luft, wie betont man, … Meine Kopfstimme werde ich noch ewig suchen, aber zumindest habe ich mir ein paar Tipps abgucken können, wie schnell ich lesen sollte.

Die fünften Klassen waren deutlich interessierter. Sie lachten während des Textes, tuschelten kaum – abgesehen von denn üblichen zwei, drei Störenfrieden, die es immer gibt. Dieses Mal haben die Kinder mich mit ihren Berufswünschen überrascht. Jedes schlug mir mindestens drei Stück vor. Bauarbeiter, Maskenbildnerin, Architektin, Hundeausführer, Rennfahrer, Fotografin, … Ein Junge würde in Onnipolis am liebsten Weltbeherrscher werden. 😉 Wenn fünfzig Kinder jedoch beschließen mit ihrem Nachbarn über Berufe zu reden, dann habe ich trotz aller Tipps von Frau Sonnenberg keine Chance. Meine Berufschancen als Lehrer sind also gestrichen, die Schüler würden mir nur auf der Nase herumtanzen.

Bei der Fragerunde ist mir eins im Gedächtnis geblieben: Muss man Ehrgeiz haben, um ein Buch zu schreiben, und macht es Spaß? Wenn es nicht Spaß machen würde, hätte ich wohl in den letzten zwei Monaten den halben Mittelteil von Tou’Gard nicht neugeschrieben. Ich bin schließlich kein Masochist. Ein Junge war über mein Alter so überrascht, im fiel die Kinnlade herunter. Er dachte doch tatsächlich, ich sehe aus wie eine Zehntklässlerin. Vielen Dank lieber Frisör, dass du aus zwei Zentimeter Spitzen schneiden, locker fünf bis acht  gemacht hast. Bis die Haare wieder nachgewachsen sind, halte ich mich an den Gedanken, dass ich solche Reaktionen auch noch in dreißig Jahren haben möchte. Ansonsten, ja, ich bin volljährig, oder muss ich schon wieder meinen Personalausweis vorzeigen?

Die Lesung ging leider zu schnell zu Ende, obwohl ich hoffnungslos überzog. Die Kinder haben  Frau Penner und mir noch Verlagskataloge, Flyer und Lesezeichen aus den Händen gerissen. Wie eine regelrechte Meute.

Das Chaos brach aber nach der Lesung erst richtig aus. Ich hatte für kurz nach zwölf ein Taxi in Richtung Messegelände bestellt. Wir kamen pünktlich raus und warteten. Warteten mit unseren Bücher und Materialkisten unter dem Arm. Im strömenden Regen. Nach einer halben Stunde erschien das Taxi immer noch nicht, also bestellte ich ein neues. Die Hotline erklärte mir, der Fahrer braucht zehn Minuten. In der nächsten halben Stunde hat man mir übrigens noch vier Mal erklärt, dass der Fahrer in drei Minuten ankommen sollte. Anscheinend war dies der einzige Satz, zu dem die Hotline fähig war. Dies und „Es tut mir leid, Frau Franke.“ Mir nicht. Ich wollte jemanden den Hals umdrehen, dafür dass ich einregnete, nicht von der Stelle kam und Frau Penner die Minuten zu ihrem nächsten Termin zählte.

Die Mittelschule Portitz muss im Bermuda – Dreieck von Leipzig liegen. Navis funktionieren nicht, Taxis finden nicht her, keine Autos, kaum Menschen. Nur diese Betonklötze von Schulgebäuden. Ein Wunder, dass wir es überhaupt zurückgeschafft haben.

Nach einer kurzen Cup Noodle Party ging es dann endlich zur Buchmesse. Ich musste doch mein neues TShirt einweihen! Kaum einer sprach mich an, aber die Blicke gingen doch deutlich in meine Richtung. Wenn man meinen Buchtitel liest, ist dies auch der einzige Grund, warum man mir auf ihr-wisst-schon-welche-Stelle starren darf. 😉

Ich habe mich in Halle 2 ausgetobt; Fantasy, Kinder- und Jugendliteratur. Wäre ich nicht begeistert durch die Reihen gewandert, hätte es mich auch gewundert. 😉 Ich habe die Verlagsgebote studiert (Reckless 2 kommt 2012), mir die Bücher und Neuerscheinungen angesehen. Obwohl mein Sub Zuhause dem schiefen Turm von Pisa ähnelt, habe ich viel zu viele Bücher gefunden, die ich haben wollte. Viel zu viele.

Bei meinem Verlag habe ich das neue Papierfresserchen geknuddelt, ein Kuscheltier, das mir bis zum Knie ging. Leider hat mir mein Verlag das Foto noch nicht zugeschickt, daher werde ich es an dieser Stelle noch nachfügen.

aufgenommen von Felizitas Monforts
aufgenommen von Felizitas Monforts

Meine Freundin, habe ich dann doch an ihrem Stand angetroffen. Ich freute mich über dasWiedersehen, schließlich war der letzte Kontakt (abgesehen von Emails und Telefonaten) auf der Buchmesse 2010. Wir haben uns ausgetauscht, ich habe einige neue Kontakte geknüpft. Leider war dieses Treffen viel zu kurz. Aber jeder muss bei der Buchmesse zu einem Haufen Termine eilen. Meine Freundin war praktisch immer unterwegs.

Am Stand von „Panini Comics“ traf ich auf die Autorin von „Sissi – Die Vampirjägerin“. Mit all diesen qualvollen Erinnerungen an die Filme, musste ich mir dieses Buch und ein Autogramm holen. Bitte, bitte lass „Franzl“ zu Staub zerfallen. Bitte, bitte. 😉 Im nächsten Monat erscheint dann „Die Leichen des jungen Werthers“, welches sofort in meinen Amazon Einkaufswagen wandert. Spontan würde ich gern „Kabale & Triebe“ verfassen.

Jedoch habe ich mich von der Messe zu weiteren Büchern verführen lassen. Ich habe den vielen Versuchungen nicht

standhalten können und bin dann doch in die Messebuchhandlung  verschwunden. Eine halbe Stunde später verließ ich sie mit folgender Ausbeute:

Tommy Krappweis:  Mara und der Feuerbringer

Susanne Mittag: Melina und die vergessene Magie

Christa Kern: Sissi – Die Vampirjägerin

Bernd Perplies:  Magierdämmerung

Seltsame Mischung, nicht wahr?

Halle 4 und 5 habe ich noch halbwegs geschafft, aber meine Füße haben protestiert. Daher schaffte ich es auch nicht mehr zum Social Community Treffen. Ich war einfach nur froh auf mein Hotelbett zu fallen. Schließlich musste ich noch die Lesung für die Fantasy Insel proben und diesen Bericht hier tippen, bevor ich auf der Tastatur einschlafe. Ich hoffte, dass alle Unfälle und Missgeschicke ihr Ende fanden und die MDV mich nicht im Stich lässt.

März 9 2011

Lesung in der Grundschule Bötzow

Am 8.3.2011 (100. Weltfrauentag im Übrigen 😉 ) war in der Grundschule Bötzow, in Bötzow – Oberkrämmen eingeladen. Das liegt gar nicht weit von Berlin; in der Nähe von Heiligensee. Dafür mitten im Grünen! Auf meinem Hinweg habe ich mir gewünscht, nicht Auto fahren zu müssen. Als Beifahrer hätte ich die Baumalleen, die Felder und das viele Grün bestaunen können, das der Frühling bereits hat sprießen lassen. Obwohl ich in einer grünen Ecke von Berlin lebe, auf meinem Weg nach Bötzow habe ich irgendwie Heimweh bekommen. Die höchsten Häuser hatten maximal drei Stockwerke und die Straßen hatten insgesamt zwei Spuren. Winzig im Vergleich zu dem Chaos hier in Berlin. Aber spätestens bei der Grundschule war die Stadt weit, weit weg. Ich habe einen Parkplatz direkt vor dem Gebäude bekommen und hatte sogar drei zur Auswahl! Versucht das mal mit einem Mitsubishi Spacerunner in der Stadt – unmöglich. Ach ja, ich bin heil angekommen, meinem Navi sei Dank.

Die Grundschule Bötzow hat ein wunderbares Gebäude, das auf den ersten Blick freundlich und einladend wirkt. Kleine Klassen, ein toller Schulhof (mit Klettergerüst!) und eine große Sporthalle direkt nebenan. Überall hingen Fahrradhelme an den Kleiderhaken und das Gebäude war festlich zum Fasching geschmückt. Masken, Luftschlagen und überall Bilder.

Die fünften Klassen haben mich begeistert empfangen und stellten sich als äußerst gespannte Zuhörer heraus. Es macht immer wieder Spaß zu sehen, wie die Schüler mit offenem Mund zuhören oder mit faszinierten Blick sich die Szenen vorstellen. Dazu hat man mich zum ersten mal mit einem „Gu-ten-Mor-gen-Frau-Fran-ke“ begrüßt. Synchron und sehr süß. 😀

Wie bei jeder Lesung habe ich auch in Bötzow gefragt, welchen Beruf die Schüler ergreifen würden, wenn sie in Onnipolis leben könnten. Mich überraschte die typische Geschlechteraufteilung.  Viele Mädchen wollten Pferdezüchterin, Tierärztin, Sänger und Schauspielerin werden. Während die Jungs vom Feuerwehrmann, Soldat, SEK-Beamter oder Pilot träumen. Natürlich gab es auch Ausnahmen. Ein Mädchen, das Astronautin werden wollte, ein Junge, dem der Beruf des Fensterpolierers gefallen hat. Ich hoffe, keiner seiner Freunde sagt dies seiner Mutter.
Ein Junge nutzte sogar die Chance, seine Lehrerin nach ihren einstigen Berufswünschen zu fragen.

Die Stimmung war ausgelassen, die Zeit leider viel zu kurz. Die erste Klasse stellte mir so viele Fragen, ich kam verspätet bei der zweiten an. Kinder sind immer wieder überrascht, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich Timmy in zwei Wochen runtergetippt habe, fragen, wie ich zu dem Cover gekommen bin, und freuen sich riesig über die mitgebrachten Lesezeichen. Ein Mädchen hat sich gleich mit fünf Stück eingedeckt, für alle ihre Bücher.

Der Vormittag in der Grundschule Bötzow war ein voller Erfolg und hat mir sowie den Schülern großen Spaß gemacht. Ich freue mich darauf, die Grundschule mit einem späteren Buch wieder zu besuchen. Die Klassen haben mir erklärt, sie sind noch eineinhalb Jahre an der Grundschule und ich soll doch in der Zeit wieder kommen. Dann sollte ich mich wohl beeilen, einen Verlag für „Tou’Gard“ zu finden.

Als kleines Dankeschön gab es dieses Mal „Funny Gummibären“, die sich super zum Schreibfutter eignen. Eine gute Unterstützung auch für die Entstehung dieses Blogeintrags. Mein Blumenstrauß ist auf einer Fensterbank verloren gegangen, aber dort kann ihn wenigstens die ganze Schule sehen. Auf dem Rückweg habe ich bemerkt, dass ich in den nächsten Wochen noch sehr oft in dieser Gegend vorlese. Ortsnamen wie Velten und Hohen Neuendorf habe ich schon auf den Straßenschildern entdeckt. Bald werde ich den Weg auch ohne Navi finden.

Januar 27 2011

Meine erste „große“ Lesung

Am 25.1.2011 war ich zum Lesefest der Max-Brauer-Schule in Hamburg Altona eingeladen, bei dem den Schülern das Vor- und selbstständige Lesen nähergebracht werden sollte. Das hieß für mich zu allererst sehr, sehr früh aufstehen. Um vier Uhr morgens klingelte der Wecker und das nach einer Chaosnacht. Ja, ich gebe zu, ich habe am Abend davor Panik ohne Ende geschoben und kaum vier Stunden geschlafen. „Es sind nur Kinder“, meinte Dominic zwar immer wieder, aber es sollten fast siebzig zu meiner Lesung kommen. Siebzig! Darf man da nicht Panik haben?

Wachgerüttelt wurde ich dennoch durch etwas anderes. Kaum hatte ich den Berliner Hauptbahnhof betreten, bemerkte ich das Undenkbare. An meinem rechten Ringfinger war … nichts. Ich konnte doch nicht auf der kurzen Taxifahrt … nein. Nein, das war nicht möglich. Deswegen habe ich auch alle Passanten, die vor dem Bahnhof warteten, gebeten, mit mir den Ring zu suchen. Für halb sechs Uhr morgens, waren auch alle eifrig dabei.
Aber Entwarnung: Er ist am Reißverschluss meiner Tasche hängen geblieben und nicht verloren. Obwohl Dominic mir keine Vorwürfe oder dergleichen gemacht hätte, aber mein RING. Ich hoffe die Betonung wird via Internet vernünftig übermittelt. 😉

Nach diesem Schockerlebnis wusste ich jedoch eins. Egal was auch in Hamburg passieren würde, es konnte nicht Schlimmeres werden als der geglaubte Verlust meines Eherings. Man sagt ja Zufälle passieren nie ohne Grund und ich danke diesem. Dennoch war ich erst beruhigt, als im Zug saß. Ohne spontanen Gleisänderungen oder Verspätungen der Bahn zum Opfer gefallen zu sein. Als der Zug anfuhr, hatte es etwas Endgültiges. Ich fuhr nach Hamburg. Ob all die Vorleserunden vor meinem Camcorder genutzt hatten? Ob ich mich verhaspeln würde? Daran dachte ich nicht. Ich fuhr und damit war es klar, dass ich es durchziehen würde.

Zu meiner Reise gibt es nichts Erstaunliches zu berichten. Außer absolute Dunkelheit und absolute Stille meiner schlafenden Mitreisenden. Abgesehen davon hielt der ICE öfter in Hamburg als auf der Fahrt dorthin; selbst wenn man Berlin Spandau als eigenen Ort mitrechnet.
Um halb acht erreichte ich endlich Hamburg Altona. Zum einem war ich froh, dass ich die Gegend noch von meinem „König der Löwen – Urlaub“ in Erinnerung hatte. Zum anderen hätte ich gerne geflucht, denn es regnete in Strömen und alle Sorge galt meinem Trolli mit den Büchern. War das Ding überhaupt wasserdicht?, fragte ich mich verzweifelt.
An diesem Punkt habe ich einer Nervositätsattacke gerechnet. Doch mein bescheidener Orientierungssinn war damit beschäftigt, sich zu verlaufen. Praktischerweise sind Hamburger sehr nett. Dank meinem Koffer musste ich ausgesehen haben wie eine Touristin, die sich verirrt hatte, anstatt einer Autorin, die unterwegs zu ihrer Lesung war. Da war wieder mal Durchfragen angesagt.

Max Brauer SchuleKurz vor neun erreichte ich die Max-Brauer-Schule, wenn auch ganz schön durchnässt. Während ich auf Frau Zürn wartete, mit der ich im Vorfeld alles besprochen hatte, bestaunte ich die Aushänge auf den Gängen. Im Bereich der Lese- und Schreibförderung ist diese Schule äußerst aktiv. Einen Teil der Projekte hätte ich mir an meiner Schule gewünscht!
Irgendwann ließen sich die Schüler nicht mehr leugnen, die alle in eine Richtung strömten und zufällig von meinem Namen und „Autorenlesung“ sprachen. Ich folgte ihnen und fand mich im Musiksaal wieder. Wenn man drei Jahre lang keinen Fuß in eine Schule gesetzt hat, dann findet man auf den ersten Blick Sechstklässler ein wenig überdreht. Aber im Endeffekt waren die Schüler so laut, so ungeduldig und so begeistert am Hin- und Herrennen … wie Sechstklässler eben. 😉

Als Frau Zürn eintraf wurde die Geräuschkulisse nicht unbedingt ruhiger. Zumindest nicht, während für die Vorbereitungen das Mikro angeschlossen wurde, und ich ein paar Bücher auf dem Flügel ausstellte (die begeistert in die Hände genommen wurden). Testweise setzte ich an meinen Tisch auf dem Podium, goss mir ein Glas Wasser ein, legte mein „Vorlesebuch“ parat, und schaute hinunter zu den vielen Kindern. Dann sah ich zum Mikro. Kinder. Mikro. Kinder. Was war schlimmer?
Da war sie nun die Nervosität. Sie grinste mich an, aber ich grinste zurück. Ich wusste nämlich ganz genau, wie das Buch begann (Nicht nur, weil ich es geschrieben habe). „An seinem zwölften Geburtstag betrat Timmy zum ersten Mal Onnipolis. Die Hafenstadt …“ sage ich nur! 😉 Üben lohnt sich doch! Wie bei einem Pflaster zog ich die Nervosität ab; ohne dabei große Schmerzen zu erleiden. Hätte ich Zeit zum Nachdenken gehabt, hätte es bestimmt ganz anders ausgesehen. Doch Frau Zürn stellte mich den Schülern vor und Applaus brandete auf. Was wünscht man sich mehr? Wenn man für die bloße Anwesenheit beklatscht wird, kann man doch gar nicht anders, als sein Bestes geben? Gambate! Ihr wisst schon … 🙂

Die Lesung habe ich in drei Parts aufgeteilt. Zunächst las ich den Anfang des Buches, bis Timmy am Blumenladen ankommt, sprang ein paar Seiten und erklärte den Ursprung der kuriosen Berufe. Es klappte ganz gut. Kaum Hänger und kaum Versprecher. Dafür war es erschreckend, wie schnell ich mich durch die Seiten arbeitete, obwohl ich kaum schneller vorlas als sonst. Besonders gefreut habe ich mich über die Fragerunde, die zur Mitte gestartet habe. Die Kinder sollten überlegen, welchen Beruf sie in Onnipolis ausüben würden. Und die Hände schossen in die Höhe! Spieletester und – entwickler, Lottogewinner (das wäre ich gern), Süßigkeitentester, Koch, Frisurenerfinder, … alles war mit dabei. Ein Mädchen wollte eine Tierbesitzerin sein. Sie würde alle Haustiere besitzen und Delfine. Prompt rief natürlich ein Junge herein: Und einen weißen Hai.
Zuletzt las ich noch, welche Berufe Timmy austestet. Die Aufmerksamkeit der Schüler ließ langsam nach, aber meine auch. Ich verdrehte einmal die Wörter und meine Stimmenimitation von Ferdinand Bummler (er spricht wie ein Prollo) verlief nicht ganz reibungslos. Dennoch bin ich erstaunt, wie glatt es insgesamt ablief und wie konzentriert einige Schüler mir zugehört haben.

Die Lesung schloss ich mit einer Fragerunde zum Buch und meiner Person und es kamen die üblichen Verdächtigen. Was schreibe ich? Was für Bücher habe ich noch? Wie alt bin ich? Wie kommen mir Ideen? Wer sind meine Vorbilder? Was lese ich? Danach wünschten sich einige Schüler jedoch, dass ich die mitgebrachten Flyer signiere. Warum? Keine Ahnung. Ich habe erklärt, dass mein Name bei ebay nichts bringt ;), aber das schreckte sie nicht ab.
Zum Dank bekam ich dann noch einen Strauß Blumen geschenkt. Das war das erste Mal, das man mir Blumen schenkte … für eine Art Arbeit. Im Endeffekt ist eine Lesung wie eine Arbeit, bei der ich mein Buch präsentiere. Daher kann man sich sicher vorstellen, dass ich sehr, sehr begeistert bin von meiner Reise. Das Lesen hat Spaß gemacht, die Kinder waren ein tolles Publikum und ich bin um eine Erfahrung reicher. So schlimm, wie ich argwöhnte, war es gar nicht. Es war viel besser! 😀

Deswegen kann ich nur eins sagen: Wann darf ich wieder lesen? Bzw. wann ist die nächste Lesung geplant?.